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Eiszeit

Der Nino aus Wien

Der Album-Titel ist eine Anspielung auf eine eisige Zeit: Die Lieder sind alle während der Covid-Pandemie entstanden.

Der Nino aus Wien, der ja eigentlich Nino Mandl heißt, ist aus der deutschsprachigen Musiklandschaft gar nicht mehr wegzudenken. Und auch in Regensburg ist er bestens bekannt durch seine Konzerte. 2008 erschien sein damals noch akustisches Singer-Songwriter-Debüt-Werk „The Ocelot Show“ zu einer Zeit, als es wirklich nichts gab, was man damit vergleichen konnte. Danach ging es Schlag auf Schlag: eine Band formierte sich hinter dem Nino, die bereits 2009 mit dem Hit „Du Oasch“ und dem dazugehörenden Album in die erste Liga der österreichischen Indie-Welt aufsteigen sollte. Er entstaubte den Austropop und das Wiener Lied und diente als Vorbild für Künstler wie Voodoo Jürgens, Wanda und andere Neo-Austropopper. Jetzt ist mit „Eis Zeit“ sein zwölftes Studioalbum erschienen, wenn man die zwei Longplayer mit Ernst Molden bzw. Natatlie Ofenböck nicht mitrechnet. Eine ganz schöne Leistung in nicht mal ganz eineinhalb Jahrzehnten. Und warum „Eis Zeit“ als Titel für eine Platte, die im Sommer erscheint? Ganz einfach, meint der Nino: „Meine Mutter hatte einmal ein Eisgeschäft im 22. Bezirk, das hieß ,Eiszeit’“. Und so heißt eben auch das neue Album vom Nino aus Wien: „Eiszeit“. Auf dem Cover sieht man ein Stanitzel, wie die Österreicher zur Eistüte sagen, mit drei bunten Eiskugeln darauf. Der Album-Titel ist allerdings auch eine Anspielung auf eine eisige Zeit: Die Lieder sind alle während der Covid-Pandemie entstanden, darauf weist Nino im Booklet hin. Und erläutert in einem Interview: „Ich wollte diese Zeit festhalten. Man schreibt ja auch anders. Ich bin draufgekommen, wie sehr ich diese zufälligen Begegnungen, Partys und Reisen vermisse. Jetzt war ich halt allein, in mir selbst und zu Hause.“ Diese Stimmung der letzten zwei Jahre findet sich in den Songs wieder. Für jedes Gefühl einen Vers, für jede Geschichte die passenden Bilder und Vibes. Mal als Aufmunterung wie „waun irgendwos nix wird, kauns aundas wohin fian“, mal als Weisheit „Es gibt Menschen, es gibt Freunde aber meistens sind es Leute“. Und den Song „Olles hot sei End“, mit dem das Album endet, hat er tatsächlich beim Spazierengehen auf dem Zentralfriedhof geschrieben. „Ja, am 1. November. Im Gehen hatte ich die Melodie im Kopf und hab mir den Text selbst als SMS geschrieben. Ich würde gerne einmal ein ganzes Sprachmemo-Album aufnehmen. Ich find den Sound schön, wenn man nahe genug hingeht.“ Die Situation der zwei Corona-Jahre hört man den Liedern an – sie klingen zart, verletzlich, sehnsuchtsvoll, auch romantisch. Mandl: „Sowas kommt raus, wenn man mit seiner Freundin und zwei Katzen in der Wohnung bleibt. Der erste Lockdown war eigentlich wunderschön, eine der besten Zeiten in meinem Leben. Es war auch eine der gesündesten Zeiten in meinem Leben, ich habe zu rauchen aufgehört, Yoga gemacht, den Fleischkonsum reduziert. Der zweite Lockdown war dann zacher.“ Eingespielt wurden die zwölf Songs in voller Bandbesetzung noch mit Raphael Sas, David Wukitsevits und pauT. „Im Studio haben wir alle Songs drei Mal durchgespielt, alles wurde live gesungen, und dann haben wir die besten Versionen einfach auf das Album gepackt. Fertig.“ sagt der Nino in einem Interview und da hat er recht. Das ist wieder ein echtes „NaW“-Album geworden, damit macht er das Dutzend voll und zeigt sich dabei wieder witzig, ernst, verträumt, glücklich, aber durchaus auch raunzend und nachdenklich. Und demnächst steht er mit den neuen Liedern auch in Regensburg auf der Bühne – am 25. August in der Alten Mälzerei. (Medienmanufaktor Wien) P.Ro

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