altemaelze

Toast

Neil Young

Das sagenumwobene unveröffentlichte 2001er-Album wird nun endlich der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht.

Da leuchten die Augen der Neil Young-Fans und die Ohren stellen sich auf. Das sagenumwobene unveröffentlichte 2001er-Album wird nun endlich der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht. Nach dem bizarr anmutenden Medienrummel bezüglich seiner heftigen Polit-Kritik an Spotify mal wieder eine gute Nachricht. Wie so oft schaut Neil auf „Toast“ nicht auf die „Bright Side of Life“, sondern verarbeitet in und mit seiner Musik persönliche Schicksalsschläge und Niederlagen. „Die Musik auf ‚Toast‘ handelt von einer Beziehung“, sagte er. „In vielen scheiternden Beziehungen gibt es eine Zeit lange vor der Trennung, in der es einem der beiden Beteiligten, womöglich sogar beiden, dämmert, dass es vorbei ist. Um diese Zeit geht es.“ Der Name „Toast“ handelt keineswegs von frisch (auf)gebackenem Brot, sondern „Toast“ war der Name des herunter gekommen Studios in San Franzisco, in dem die Aufnahmen entstanden. Neil Young erzählt bildgewaltig von den Studio-Bedingungen: „Die Hintertür ging auf eine Gasse hinaus. Es war so stickig da drin, dass wir die Tür offen ließen, bis wir eines Tages Ratten kommen und gehen sahen. Danach gingen wir einfach nach draußen, um eine zu rauchen.“ Fürwahr eine passende Umgebung für die melancholischen Songs, die Neil mit seiner Begleitband Crazy Horse dort aufgenommen hat. Einige der Lieder fanden ihren Platz auf einem der inzwischen über 40 Alben des Altmeisters; besonders interessant sind natürlich die drei bis dato unveröffentlichten Stücke. Wenn er mit den verrückten Pferden spielt, geht es meistens heftig zur Sache; da rauchen die Saiten der E-Gitarren und die Fans der countryesken Seite von Neil holen sich die Ohrstöpsel. Entsprechend roh und ungeschliffen wirken die Songs, wobei er erfreulicherweise auf verzerrte und lärmige Dauersoli verzichtet. Im schattenhaften Finale bringt er im Song „Boom Boom Boom“, die Essenz des Albums auf den Punkt, wenn er singt: „All I got is a broken heart, and I don’t try to hide it when I play my guitar.” Erwähnenswert ist noch das faszinierende zehnminütige „Gateway of Love“, das sich in seine 30 besten Songs einreihen dürfte. Ansonsten fehlen mir ein wenig die lyrischen Parts und die Akustikgitarren, trotzdem – gute Scheibe. (Reprise) HuGe

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

 

 

 

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