altemaelze

Over the horizon radar

Jorn

Ein „Must-have“ für Hard Rock- und klassische Metal-Fans.

Fünf Jahre nach seinem letzten richtigen Soloalbum erschien im Juni 2022 mit „Over the Horizon Radar“ endlich sein zehntes Album. Diesmal hat Jorn alle Songs selbst geschrieben und seiner Stimme perfekt angepasst. Die ist dann auch das große Plus auf der Scheibe, genauso wie die richtig starkes Gitarrensoli, die für Frontiers Verhältnisse sehr starke Produktion und die mehr als solide Rhythmusabteilung mit schmissigen Keyboard- und Orgelpassagen von Alessandro del Vecchio. Die Musik an sich ist nie zu Heavy, sondern kommt eher in einem Fluss an eingängigen Hard Rock-Melodien daher, wo auch ruhige Momente nicht ausgespart werden. Generel sollte man kein Problem mit Songs haben, die sich Zeit nehmen. Gleich sieben davon haben eine Länge von fünf bis über sieben Minuten. Wer sich den Titelsong und gleichzeitigen Einstieg ins Album bei Youtube anhört, weiß wie es gemeint ist. Ansonsten hört es sich mal an wie Avantasia beim starken „Dead London“, nach Dio meets Iron Maiden bei „My Rock and Roll“ oder auch mal nach Disturbed (vor allem beim Gesang) beim grandiosen „One Man War“ bzw. „In the Dirt“. Das balladeske „Ode to the Black Nightshade“ hat einen feinen Blue Oyster Cult Touch und bringt die Stimme perfekt zur Geltung. „Believer“ hört sich an wie eine Mischung aus Whitesnake Ende 80er und dem Scorpions-Song „Rock Believer“, auch wegen der Ähnlichkeit im Text sowie coolen Hammond Orgelparts inklusive. Beim Album Closer „Faith Bloody Faith“ schleichen sich gar orientalische und im Gesang poppige Parts ein und man könnte fast meinen David Defeis von Virgin Steele hat mal nach langer Zeit einen richtig guten Song geschrieben. Tatsächlich  stammt er in einer verkürzten Form aus der Teilnahme zur norwegischen Ausscheidung für den ESC 2021, wo er ins Halbfinale kam. Vermutlich deshalb dann auch die vom Album abweichende „Härte“. Zwei Ausfälle sind leider dann doch zu verzeichnen. Das zum Glück nur dei Minuten lange „Winds of Home“ ist absolut öde und bewegt sich im Schneckentempo ohne Änderung in der Musik voran und bei „Special Edition“ ist es zwar interessant zu hören wieviele Wörter es gibt, die auf „ion“ enden, aber die Gesangsbetonung auf eben diese Endung nervt mich doch ganz schön. Davon abgesehen ist es ein starkes Album für Fans der erwähnten Bands und bekommt von mir somit fünfeinhalb Sterne und eine Kaufempfehlung. (Frontiers Music) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal