Die Londoner Band Grave Lines hat sich bereits mit ihren ersten beiden Longplayern als Verfechter des „Heavy Gloom“ bereits eine besondere Nische in den unzähligen Sphären der Heavy Music geschaffen. Das erste Album „Welcome To Nothing“ gab den Ton für ihre unverwechselbare Auffassung von Doom Metal an, die mit dem zweiten Album „Fed Into The Nihilist Engine“ noch weiter ausgebaut wurde. Ein episches Fest der harten Riffs gepaart mit grüblerischer Traurigkeit, durchsetzt mit nachdenklichen, transzendenten Momenten der Introspektion. Dabei hat die Band sich nie nur auf die Adjektive des Doom Metal verlassen hat, sondern begann Gothic- und experimentelle Elemente in ihre Musik einzuflechten, um tiefer in die dunklen Schatten der Psyche einzutauchen. Mit ihrem dritten Album setzen Jake Harding, Oliver Irongiant, Stgr’n Matt und Julia Owen ihre musikalische Entwicklung fort. Mit Hilfe der Produktion von Andy Hawkins in den The Nave Studios haben sie ihre kollektive Vision verfeinert und weiterentwickelt.

Kurz gesagt bewegt sich „Communion“ zwischen dreckigem Auftrumpfen und zerbrechlicher, schwermütiger Klage hin und her. Das Album befasst sich mit der inneren Einsamkeit des Daseins und den Schwächen der menschlichen Beziehungen. Mit Anklängen an BAUHAUS und KILLING JOKE ebenso wie an BLACK SABBATH oder NEUROSIS gibt es Momente von doomiger Schwere und brüllendem Noise-Rock, die mit atmosphärischen Gothic-Passagen und nachdenklicher Melancholie kontrastieren, um ein kraftvolles neues Kapitel in ihrer unaufhörlichen Reise durch die Düsternis zu schreiben. Die sieben Tracks fungieren als deutlich voneinander getrennte Abschnitte des Albums, die jeweils für sich die Abgeschiedenheit des menschlichen Bewusstseins widerspiegeln. Der Eröffnungstrack „Gordian“ verschwendet keine Zeit, ein Ausbruch von Rückkopplung kickt dich direkt in einen dreckigen, tief hängenden, punkigen Stomp, bevor die Band die Stimmung wechselt und in einen doomigen Abgrund fällt, wobei Sänger Jake gegen die Leere wütet. „Argyraphaga“ setzt den stampfenden Groove fort und sinkt allmählich in nihilistischen Sludge ab. In direktem Kontrast dazu steht die ausufernde Atmosphäre von „Lyceanid“, das sich durch die Dunkelheit bewegt. Jakes Gesang macht sich die Geister von Scott Walker und Mark Lanegan gleichermaßen zunutze. Der Rest der Band (durchweg in Topform) fokussiert die Dynamik über elf fesselnde Minuten, während sich der Song zu einem gewaltigen Crescendo aufbaut, bevor er mit einer klagenden akustischen Coda endet. „Tachinid“ ist ein brutaler Palettenfeger, da treffem harte Industrial-Synthies auf eine dröhnende Spoken-Word-Predigt. „Carcini“ ist schwebender, melancholischer Doom, bei dem die Band ihre melodischsten Momente hat und dennoch in der Lage ist, den Hörer zu erdrücken. „Broodsac“ mit seinen kreisförmigen Riffs ist Gothic-Post-Punk-Noise-Rock, der auf fette Fuzz-Riffs trifft, und das abschließende „Sinensis“ bietet einen letzten zarten, melancholischen Moment der Ruhe, bevor es sich in einen industriell aufgeladenen Grind in die Vergessenheit stürzt.

Die Verschmelzung der verschiedensten Stil-Elemente macht Grave Lines zu einer der faszinierendsten Bands, die den Kosmos der Heavy Music derzeit bevölkern, und das Quartett entzieht sich mit „Communion“ trotzdem jeder Schublade. (New Heavy Sounds(Cargo) P.Ro

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