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The Komets

Kritik zum Konzert am 2. Juli in der Alten Mälzerei, Regensburg

Das Blumige zum Blühen bringen

Über regionale Pop-Phänomene zu schreiben, kann ein undankbarer Job sein. Man läuft Gefahr, sich in gönnerhaften Lobhudeleien zu verstricken und obendrein Bezüge ins Spiel zu bringen, die dem, was da zur Beurteilung ansteht, einfach nicht entsprechen. Weil von hiesigen Bühnen eben nur in den allerseltensten Fällen jenes Licht erstrahlt, das der Popwelt die Richtung weist.

Gleichzeitig können solche Einsichten eine gute Orientierung bieten, wenn man an einem Samstagabend hochmarschiert, in die Alte Mälzerei, zur Präsentation der neuen Veröffentlichung von „The Komets“. Die sechsköpfige Band um die Metko-Schwestern Anna (Gitarre und Gesang) und Klara (Cello und Gesang) sowie Paulina Urban (Tasten und Gesang) hat in Jonny Ebert einen formidablen, am Beat der Sixties geschulten Drummer – und wartet hier live zudem mit dem Gitarristen Jonas Kothmeier und dem Bassisten Alban Tröndle auf. Im vergangenen Herbst wurden die Komets in der „Freien Kategorie“ mit dem Musikpreis der Stadt Regensburg ausgezeichnet. Mit ihren fünf neuen Titeln der „Into Bloom“-EP, die ab sofort auf allen gängigen Portalen erhältlich ist, schreiben sie nunmehr konsequent das fort, was sie schon auf ihrem 2020er Longplayer-Debüt „Vibrancy“ so erfolgreich erprobt hatten: Das sind von dreistimmigem Gesang getragene, folkige Eigenkompositionen, die nunmehr den Prozess des „Aufblühens“ musikalisch auf den Punkt bringen. Denn waren die Titel vor zwei Jahren noch eher zurückhaltend arrangiert, so sind die neuen Songs opulenter ausgestattet und auch meist gewiefter angelegt. Weshalb die Komets (abgeleitet vom setzkastenartig neusortierten Familiennamen Metko) eben keine One Trick Ponys sind, keine Künstlerinnen, die sich lediglich durch dieses eine Markenzeichen der Dreistimmigkeit im Gesang auszeichneten – nein, sie verstehen es, in sämtlichen Farben zu erblühen, die Mutter Natur vorrätig hält.

Bei „Dark End Street“ unterstützt der ebenfalls in Regensburg ansässige Rapper Fritz Fisherman die Musikerinnen auf der Bühne. Und so zeigen sie, dass die Wurzeln ihrer Musik nicht nur aus der Kehle und klingenden Darmsaiten kommt – sondern ebenso gut aus Samplern und der Elektronik. Anschließend aber, da mischen sie sich zu dritt unter ihr rund 100 köpfiges, vorwiegend weibliches Publikum, um das fantastische „Softly Speaking“ anzustimmen. Eine sonische Miniatur, ein klingender musikalischer Edelstein, der auch dem Katalog von Crosby, Stills, Nash & Young oder einer Rickie Lee Jones entstammen könnte. Tut er aber nicht – sondern das Woodstock-Gefühl, das sie dabei entstehen lassen, hier, in der Alten Mälzerei, ist eines, das komplett auf Marke Eigenbau basiert. So, jetzt war er also doch noch da, der vollmundige Vergleich mit den großen Namen. Ob sich am Ende des Aufblühprozesses diese Kometinnen nicht vielleicht sogar doch noch als Wegweiserinnen erweisen, im Lande Pop? (PeG)

Fotokredit: Peter Geiger

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