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Life Cycle

Sieges Even

Das legendäre erste, längst vergriffene Album der Münchner Prog-Metal-Band von 1988 wurde heuer in einer Remaster-Version wieder veröffentlicht. Grund für uns, es in der Reihe „from the vaults“ für den Juli 2022 vorzustellen.

Als die Münchner Band Sodom mit ihrem Thrash Metal die Jugendzentren unsicher machten, ahnte noch niemand welch ein einflussreiches, heute noch unglaubliches Werk die 1987 in Sieges Even umbenannte Gruppe 1988 vorlegen würde: Das Debüt „Life Cycle“, auf dem Steamhammer-Label veröffentlicht. Es gab zwar durchaus anspruchsvolle Heavy Bands in Deutschland, aber die später gegründeten Mekong Delta waren bis dato die einzigen, die bewusst auf Elemente des Progressive Rock (King Crimson, Yes, etc.) zurückgriffen. Stattdessen versuchten Insider noch die erste LP der Amerikaner Watchtower zu begreifen, die auch für Dream Theater zu Beginn ein großer Einfluss waren. „Life Cycle“ von Sieges Even steht all diesen genannten Bands und Alben in nichts nach, kann in punkto Produktion sogar noch Bonuspunkte gewinnen. Bereits das Demotape „Repression And Resistance“ zeigte diese Entwicklung beeindruckend auf. Trotz dem wahnwitzig komplexen Material schaffen es Sieges Even bei diesem Album, den Metal- und Thrash-Anteil so hoch zu halten, dass auch unbedarfte Hörer zugriffen, als dieser Longplayer 1988 in den Läden stand. Selbst der Epic Metal schleicht sich in die meist überlangen Tracks ein („Straggler Of Atlantis“, „David“), deren lyrische Inhalte fernab vom damals üblichen Text-Einheitsbrei (Tod, Teufel, Party) sind. Produziert wurde das Album im Karo Studio von Kalle Trapp, der gerade in Rock-und Metalkreisen Ende der 1980er Jahre ein gefragter Mann war. „Life Cycle“ nimmt in der Diskografie der Münchner Gruppe einen Sonderstatus ein, denn der Thrash-Anteil sank bereits beim Nachfolger und über die Jahre gewann man, auch mit der Nachfolgeband Subsignal, andere Zielgruppen für sich. Auch kann man die markante Stimme von Franz Herde nur auf den ersten beiden Veröffentlichungen hören. Dieser Genreklassiker war tatsächlich bis jetzt nur in der LP- oder CD-Version von 1988 erhältlich und schlägt als Second Hand-Produkt mit einigen Euros zu buche. Das Label Golden Core schickt dieses wegweisende Album nun in remasterter Form neu ins Rennen, auch wenn es aus lizenzrechtlichen Gründen absolut unmöglich war, Bonusmaterial zu bieten. „Life Cycle“ hat auch mehr als drei Jahrzehnte später nichts von seiner Magie verloren und zeigt, wie anspruchsvoll Heavy Metal sein kann. Ein regelrecht wichtiges Album.

(Golden Core/Zyx)