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St. Pauls Boulevard

Michael McDermott

Der Singer-Songwriter aus Chicago präsentiert eine raue und beharrliche Seite der Americana-Musik.

“Michael McDermott is one of the best songwriters in the world and possibly the greatest undiscovered rock’n‘ roll talent of the last 20 years.” – das sagt der Autor Stephen King, der sein Freund ist. Ist vielleicht auch leicht übertrieben, aber interessant und überzeugend ist das schon was der Singer/Songwriter aus Chicago auf seinem neuen Album „St. Pauls Boulevard“ auf 15 Tracks präsentiert. Musik schafft eine tiefe Verbindung, wenn sie den empfindlichen Nerv trifft, der das Persönliche vom Universellen trennt. Wenn der Zuhörer die Lieder als Spiegel benutzen kann, dann ist es dem Musiker gelungen, seine Kunst zu vermitteln. Der in Chicago lebende Singer-Songwriter Michael McDermott hat Jahrzehnte damit verbracht, dieses künstlerische Gleichgewicht zu halten, und er tut es erneut mit frischer Kraft auf St. Paul’s Boulevard.

Der neue Longplayer, der Nachfolger des 2020er „What in the world“, ist in gewisser Weise ein Konzeptalbum, das verlorene und wiedergefundene Charaktere aus allen Lebensbereichen vorstellt, die alle auf einer Straße ums Überleben kämpfen, die eine Metapher für das Leben selbst ist. Aufgenommen von August 2021 bis Februar 2022 in den Transient Sound und Pauper Sky Studios in Chicago mit seinen Mitmusikern Steven Gillis am Schlagzeug (der auch als Co-Produzent agierte) sowie Matt Thompson am akustischen und E-Bass, Grant Tye an der Gitarre, Heather Lynne Horton an Geige und Gesang und Vijay Tellis-Nayak am Klavier und an der Orgel. Weitere Musiker auf dem Album sind noch Will Kimbrough an Gitarren, Banjo und Mandoline, John Deaderick an Klavier, Orgel und Keyboards; Danny Mitchell am Klavier und Keyboard sowie David Grissom an den Gitarren. Der Gesang und der Songwriting-Stil von Michael McDermott ladet leicht zu Vergleichen mit Bruce Springsteen ein. Sein Wortspiel lässt den Zuhörer wissen, dass er viel von Dylan und The Boss gehört hat, aber er hat seinen eigenen etablierten Platz unter denen, die für großartiges Songwriting stehen. So ist “Our Little Secret” ein treibender Folk-Rocker, der wie der Soundtrack für rastlose Tage und lustvolle Nächte tönt. “Sick of This Town” dominiert mit einem tuckernden Folk-Country-Basebeat und “Marlowe” ist eine Hommage an Raymond Chandlers Figur Phillip Marlowe und einem hymnischen Herzland-Rocker. Und “New Year’s Day” ist eine dieser grüblerischen Melodien die unter die Haut gehen und die Sinne verwirren. „Jeder hat seinen eigenen St. Paul’s Boulevard, den Ort, an dem wir Teile unserer Herzen, unserer Unschuld zurückgelassen haben, wo wir Herzschmerz erlitten haben, wo wir Scham kennengelernt haben, wo wir darum kämpften, unseren Platz in dieser Welt zu finden”, sagt McDermott. “Es ist ein Ort, an dem wir darum kämpften, Liebe und Licht in einer verdunkelten Welt zu nähren. Dort wurden einige von uns in ihrer Entwicklung und ihrer sozialen und emotionalen Intelligenz dauerhaft gestoppt.” McDermott weiß ein oder zwei Dinge über Herzschmerz und Entwicklungsstillstand. In den frühen 90er Jahren war er der neue Star der Major-Label-Industrie mit seinem Debütalbum „620 W. Surf“. Aber in typischer “Kau sie und spuck sie aus”-Manier wurde McDermott am Ende dieses Jahrzehnts scheinbar in die Schublade der Unbekannten zurückgesteckt. Er blieb jedoch hartnäckig und baute seine Karriere auf – mit mehr als einem Dutzend Studioalben und Kritikerlob von Rolling Stone, The New York Times, CNN und The Washington Post, um nur einige zu nennen. Und dieser Mittfünziger aus dem Landesinneren macht weiterhin Musik nach seinen eigenen Vorstellungen. Genau deshalb ist “St. Paul’s Boulevard” ebenso persönlich wie universell ist. McDermott lebt diese Lieder, diesen Ort und diese zerbrochenen Hoffnungen. „Diese Tage sind jetzt nur noch ein Wust von Träumen von Figuren, von betrunkenen und drogengetränkten Nächten, in denen ich durch die Stadt wanderte auf der Suche nach einem wütenden Schuss, getrieben von Liebe, Lust, Sehnsucht oder Verbindung”, sagt er. “Ich habe viele Menschen auf dem St. Paul’s Boulevard verloren. Viele haben es nie geschafft aber ich habe Glück gehabt. Es ist ein Ort, der unser Bestes und unser Schlechtestes gleichermaßen hervorbringt gleichermaßen hervorbringt. Es ist die Landschaft, in der sich die Verbissenheit des Geistes über die düstere Realitäten, die uns umgeben.” Fazit: Ein Leckerbissen für Fans von Roots Rock und Americana. (CRS) P.Ro

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