altemaelze

Knüppel aus dem Sack

Schandmaul

Ein überraschend hartes (für Schandmaulverhältnisse), interessantes, abwechslungsreiches und gutes Album!

Die Münchner Mittelalter-Folk-Rock-Band Schandmaul veröffentlichte kürzlich mit „Knüppel aus dem Sack“ ihr bereits elftes Album, die alle bisher an mir spurlos vorbeigegangen sind. Ist nun so gar nicht meine Baustelle. Was beim Durchhören als Erstes auffiel ist die fette Produktion der Scheibe. Sehr schön, dass man alle Instrumente, und es sind echt viele, im Mix hört. Der Einstieg in die CD mit dem Titelstück hat mich dann verblüfft, meinte ich doch ob der Slayergitarrenriffs und dem NDH-Gesang á la Rammstein die falsche CD im Player zu haben. Sehr hart der Song. Aber schon hier sind die Elemente der Band zu hören. Schöne, eingängige Refrains, allerlei folkige mittelalterliche Instrument wie Drehleiher, Akkordeon, Dudelsack, Flöte usw., die auch alle nachfolgenden Lieder stark untermalen und mit den fetten Gitarren (leider keine Soli) eine gute Einheit bilden. Die Texte sind reichlich mittelalterlich verschroben, aber von Sänger Thomas Linder toll dargeboten (man höre nur „Tatzelwurm“). Eine Ausnahme bildet „Das Gerücht“, das auch heutzutage perfekt ins Schwarze trifft. Meine persönlichen Highlights sind die beschwingten „Königsgarde“, „Der Flug“ und einer der beiden MB only Bonustracks „Der elfseitige Würfel“. Der zweite Bonustrack „Long John Silver“, dargeboten als balladesker Wirtshaussong trifft auf Shanty und Seemannslied mit härteren Gitarren, ist nun nicht so prickelnd. Aus dem Rahmen fallen dann das mit viel Geigen und Akustikgitarren dargebotene „Der Quacksalber“, der gesanglich an Reinhard Mey erinnert, sowie der fast schon Sabaton‘sche Power Metaltrack „Niamh“. Die Stadion „Ohohoh“-Passagen in „Irgendwann“ hätte man sich aber vielleicht sparen können. Das passt so gar nicht rein. Dafür schaut der verstorbene Gundermann (im Geiste“ bei „Luft und Liebe“ vorbei und hätte auf einem seiner Alben auch eine gute Figur abgegeben. In Summe ein überraschend hartes (für Schandmaulverhältnisse), interessantes, abwechslungsreiches und gutes Album, wenn man sich mit dem ganzen Folksounds arrangieren kann. Von meiner neutralen Warte aus gibt es hier mal fünf Sterne, denn es macht schon Spass sich das anzuhören. Fans des Genres bzw. der Band legen gern noch was drauf. (Napalm Records/Universal) HJH

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

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