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Sacco & Mancetti

Kritik zum Konzert am 19. Juni im Thon-Dittmer-Palais in Regensburg

Das Regenbogen-Ende leuchtet auch Nachts! Mit Sacco & Mancetti enterte eine Band-Legende die Bühne – und entführte das Publikum im Thon Dittmer-Innenhof auf Zeitreise.

Nein, das wäre jetzt schon ein bisschen fies, würde man sagen: Erst als die Nacht hereinbrach, an diesem tropischen Frühsommerabend, da kam eine magisch-mystische Stimmung auf. Denn das würde ja bedeuten, man wolle Sacco & Mancetti ans Zeug flicken. Und ihnen unterstellen, für die endgültige Entfaltung ihrer Kräfte, da seien sie eben doch angewiesen, auf die Spezialeffekt-Abteilung von Mutter Natur. Eines darf man freilich nicht vergessen: Die Band gibt es seit mittlerweile 37 Jahren. Weshalb davon auszugehen ist: Auch ihr Publikum hat längst jenen emotionalen Reifegrad erlangt, der es gestattet, akustischen Hochgenuss sitzend zu ertragen. Und dabei nicht über jedes hingehaltene Pläsier-Stöckchen springen zu müssen, wie ein Duracell-Häschen. Erst im Schutz der Dunkelheit, da brechen sie dann, die Dämme.

Die Kernmannschaft des Sextetts, sie besteht aus dem Gitarristen und Sänger Jockl Peithner sowie dem Bassisten Herbert Schwarzfischer. Die beiden bilden Rückgrat und Kontinuum einer Band, die sich tatsächlich seit nahezu vier Jahrzehnten jenem Abenteuer verschrieben hat, das ein Paul McCartney ebenso für sich beansprucht wie ein Bob Dylan: Aus dem Spiel auf der Gitarre werden jene Ideen geboren, die sich entwickeln, zu Melodiebögen und prägnanten Textzeilen. Sich sodann festfressen, in den Gehörgängen der Zuhörerschaft. Um schließlich im Herzen anzukommen. Und so tragfähige Brücken zu bilden, ins Reich der Erinnerung. Denn das haben Sacco & Mancetti tatsächlich im Angebot: Songs, die wie ein Tattoo Spuren hinterlassen, gestochen auf jenes inwendig-unsichtbare Material, das Seele genannt wird. Und das wiederum hat damit zu tun, dass Jockl Peithner nicht nur ein ausgewiesen präziser Kenner der Rockgeschichte ist. Sondern, vor dem Hintergrund dieses Kanons, die Spreu des Plagiats zu unterscheiden weiß, von Körnchen des Authentischen. Nachhören lässt sich das alles auf dem stolze zehn Alben umfassenden Katalog der Band – die Ende der Achtziger tatsächlich auf dem Sprung stand, nach oben. Mit „Rainbow‘s End“, einer Hommage an Gitarristen wie Mark Knopfler oder J.J. Cale, erreichten sie das, was man „Airplay“ nannte – also Hörbarkeit im damaligen Leitmedium Radio. Dass das Ende des Regenbogens aber schon eingeläutet war, durch den Verkauf ihres Labels, das ahnten sie damals nicht. In süffisantem Ton berichtet Jockl Peithner, dass am Hamburger Hafen damals einige tausend Exemplare ihres bestellten Debüt-Albums standen – und nicht abgeholt wurden. Ihre wahre Meisterschaft erreichen die Saccos ohnehin dann, wenn sie live performen. Zuletzt habe ein Fan gesagt: „Ihr seid‘s die beste unbekannte Band!“

So machen sie weiter, begrüßen alte Bekannte wie den Rudi Beer oder den Mundharmonika-Spieler Josef Graf, der in den Achtzigern Captain Sepp genannt wurde. Der ist auch heute noch in der Lage, der hereinbrechenden Nacht sogleich das Dunkle zu rauben. Und sie aufzuladen, mit Wildheit, mit Emotion und jenem Spirit, der den Rock‘n‘Roll ausmacht. „Ein Traum“, bekennt Oberbürgermeisterin Gertrud Schmalz-Schwarzfischer ganz verzückt. Bestimmt nicht nur deshalb, weil sie mit dem Bassisten verheiratet ist. (Peter Geiger)

(Fotokredit: H.C. Wagner)

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