altemaelze

Voodoo Nation

Supersonic Blues Machine

Mit „Voodoo Nation liegt jetzt der dritte Longplayer vor und wieder mit vielen musikalischen Gästen.

Supersonic Blues Machine wurde 2010 gegründet und entstand aus der Rhythmusgruppe von Steve Lukather’s Nebenprojekt Goodfellas – Bassist Fabrizio Grossi und Schlagzeuglegende Kenny Aronoff. Die beiden wollten das Goodfellas-Konzept weiter ausbauen und waren entschlossen, mehr als nur ein „Session-Ensemble zum Mieten“ zu schaffen. Als Billy F. Gibbons von ZZ Top mit Grossi Kontakt aufnahm, um gemeinsam einen Song für einen Werbespot zu schreiben und zu produzieren, fügte sich alles zusammen. Die Musik wurde kein Werbespot, aber Gibbons gab Fabrizio den Vorschlag, „neun weitere Songs“ zu schreiben und eine Band zu gründen. „Running Whiskey“ war der Song, der gemeinsam mit Gibbons entstand und wurde die erste Single von Supersonic Blues Machine’s 2016er Debütalbum „West of Flushing, South of Frisco“. Seitdem ist ein weiteres Studioalbum erschienen und mit „Voodoo Nation liegt jetzt der dritte Longplayer vor. Natürlich auch wie seit dem Debüt mit einem wechselnden Line-up von Stargästen, doch das Herzstück sind weiterhin Fabrizio Grossi und Kenny Aronoff, dazu kommt der britische Blues Rocker Kris Barras der 2018 den Texaner Lance Lopez als Sänger und Gitarrist ersetzte. Über die Entwicklung der Band sagt Fabrizio: „Kris kommt aus dieser britischen Schule des Hard Rock und Blues – Gary Moore und Rory Gallagher und all die Bands aus den 60er und 70er Jahren, das ist seine Schule. Das ist ein ganz anderer Sound als bei Kenny und mir mit den Allman Brothers, Sly Stone & The Family & Mountain. Blues, aber mit mehr Hippie-Flower-Power. Bei Kris“, fährt er fort, „dachten wir, wir müssen sicherstellen, dass sein Fußabdruck vorhanden ist, deshalb hört man Led Zeppelin, Pink Floyd und Gary Moore auf dieser Platte… eine Art Union Jack-Aufdruck über dem Star-Spangled Banner.“ Die lyrische Seite von Voodoo Nation ist weniger versöhnlich als alles andere in der Vergangenheit. „Ich will nicht sagen, scheiß auf Flower Power, denn das ist immer die Botschaft“, sagt Grossi. „Aber es gibt sehr introspektive Dinge und eine Menge Theatralik, mit der wir uns auf dieser Platte befassen, die, wie ich sagen würde, im Blues ziemlich verbreitet sind, aber mit einem Twist behandelt werden. Es gibt eine Menge Teufelszeug in dieser Platte. Man kann die Dunkelheit nicht vollständig aus seinem Leben verbannen“, fügt er hinzu. „Man braucht beide Elemente, um sie auszugleichen. Nur weil man gut drauf ist und positiv denkt, heißt das nicht, dass es diese Dinge nicht gibt. Wenn man sie anerkennt, kann man sie kontrollieren. Deshalb haben wir bei einigen Nummern die bluesig-teuflische Erzählung aufgegriffen“.

Nicht umsonst nannte das Magazin ‚Guitarist‘ diese Combo einmal „Guitar’s hottest supergroup“, denn auch die Besetzung von „Voodoo Nation“ ist eine weitere Zusammenkunft von Ikonen und einigen der aufregendsten Namen des Blues, darunter diesmal Louisiana-Slide-Gott Sonny Landreth, Charlie Starr (Blackberry Smoke), Eric Gales, Joe Louis Walker, Ana Popovic, Kirk Fletcher, King Solomon Hicks und Josh Seitz. So ist Sonny Landreth auf dem eindringlichen „8 Ball Lucy“ zu hören. Der Song handelt davon, dass man „leicht in Versuchung gerät, wenn man am Boden zerstört ist und jemand daherkommt, der all die richtigen Dinge sagt, die sehr wohl mit unserer eigenen desillusionierten Psyche übereinstimmen. Das ist der wahre Teufel, und sie ist so gut darin, ihre Karten auszuspielen“, sagt er. „I know it’s wrong; She said I’ll make you a deal, And I’m not gonna tell you, what to do, who to choose or kill… but she will,“ trällert Barras über Landreths eindringliches Slide Spiel. Im achtminütigen „Devil at the Doorstep“ ist Eric Gales zu hören. Hier haben sie versucht im Studio das einzufangen, wenn man mit Gales Live auf der Bühne steht. „Mit Eric kann es als dreiminütiger 12-Takt-Blues beginnen und sich in ein episches Led Zeppelin ‚Dazed and Confused‘-Ding verwandeln.“ In „Coming Thru“ und „Get It Done“ – bei letzterem ist der in Los Angeles lebende Virtuose Josh Smith zu hören – werden die Probleme von Musikern thematisiert. „Do It Again“ ist ein weiterer Kracher, der das Thema abrundet und bei dem Ana Popovic mitwirkt, und in dem es um „das Glück und den Segen, das zu tun, was man liebt“ geht. Die junge Harlem-Blues-Sensation King Solomon Hicks übernimmt Gesang und Gitarre bei „You and Me“. Das Markenzeichen der Band, der gefühlvolle Blues-Sound, ist auf „I Will Let It Go“ mit Kirk Fletcher zu hören, und auf dem wunderbaren Ballade „Is It All“ mit dem legendären Joe Louis Walker, wechseln sich Barras und Walker am Mikro ab. „Das ist unsere perfekte Balance zwischen Soul, Rock und Blues“, sagt Grossi. „Da ist dieser 60er-Jahre-Vibe; Crosby, Stills, Nash und Young, Buffalo Springfield-Gesangsharmonien. Joe hat das total verstanden. Man kommt an einen Punkt, an dem man sein Leben analysiert. Tust du alles, was du tun kannst oder willst, oder schränkst du dich selbst ein?“ Beim Titelsong wird das Gefühl der allgemeinen Unzufriedenheit in der Gesellschaft aufgegriffen. „Der Text und die Art und Weise, wie der Song strukturiert ist, ist sehr von Pink Floyd inspiriert, wird aber durch die Art und Weise, wie wir die Dinge sehen, angewandt, so dass auch Zeppelin, Cream, Mountain und etwas Allman Brothers zu hören ist. Es ist Weltmusik, nicht im musikalischen Sinne, sondern in Bezug auf die Botschaft. Es ist eine Botschaft, die für jeden gilt.“ erläutert Grossi.

Supersonic Blues Machine spiegelt wider, wie die Musiker die Welt durch ihre Augen sehen. Aber die Hoffnung ist nicht weit, und so schließen sie das Album mit dem inspirierenden Country-Blues „All Our Love“ mit Charlie Starr von Blackberry Smoke ab. Dieser Song entstand im Sommer 2020, als in Kalifornien die größten Brände seit Menschengedenken wüteten. „Ich wollte gespendete Kleidung in Woodland Hills abliefern – viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen und in Notunterkünften unterkommen, und da war alles hilfreich“, erklärt Grossi. „Wir waren auf dem Weg dorthin über die berüchtigte 405 und fuhren buchstäblich durch Feuer. Es gab Brände auf beiden Seiten der Straße. Mir wurde klar, dass wir uns in einer der reichsten Städte der Welt befinden und dass es dort Unzufriedenheit gibt, dazu noch den Klimawandel und alles andere, was vor sich geht. Wie ist das möglich? Es ist eine totale Verwüstung. Ich dachte mir: Nein, nein, wir brauchen hier einen großen Neustart. Damit all das Unrecht auf der Welt behoben werden kann, braucht es unsere ganze Liebe. Das ist der Song, eine Botschaft der Hoffnung“, endet Grossi. Gutes Schlusswort! (Provogue Records) P.Ro

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