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„Zurück in die Zukunft“

Popkonferenz „Dialog.Pop“ auf Schloss Alteglofsheim am 16. und 17. Mai

Zehn Jahre Popkonferenz-Kooperation zwischen der Initiative Musik gGmbH und dem Verband für Popkultur in Bayern e.V. – erstmals stand dieser Think-Tank unter der Schirmfrauschaft von Kulturstaatsministerin Claudia Roth.

Es galt auch ein Jubiläum zu feiern: zehn Jahre Popkonferenz-Kooperation zwischen der Initiative Musik gGmbH und dem Verband für Popkultur in Bayern e.V. auf Schloss Alteglofsheim. Erstmals stand dieser maßgeblich von der Initiative Musik gGmbH aus BKM-Bundesmitteln finanzierte Think-Tank unter der Schirmfrauschaft von Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Als Co-Förderer eröffnete der bayerische Kunstminister Markus Blume die Konferenz virtuell. Unter dem Motto „Zurück in die Zukunft“ bildete die Kooperation mit anwesenden Vertreter:innen mehrerer osteuropäischer Länder ebenso eine wichtige Rolle wie die Themen ökologische und soziale Nachhaltigkeit in der Musikbranche, sowie deren Personal(rück-)gewinnungsproblematik nach Corona. Gesellschaftspolitisch wurde ausgiebig das Zukunftsthema von Popkultur im ländlichen Kulturraum diskutiert.

Staatsministerin Roth hob in ihrem Eröffnungsstatement die „Popmusik als wesentlichen Teil unserer Kultur“ hervor und verstärkte dies mit den Worten: „Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie die BKM und auch mich persönlich dabei als verlässliche Partnerin an Ihrer Seite haben.“ Auch Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, betonte die Bedeutung des Netzwerkgipfels auf Schloss Alteglofsheim: „Endlich geht es ‚Zurück in die Zukunft‘! Das Motto der diesjährigen Popkonferenz Dialog.Pop macht deutlich: Hier will man Zukunft gestalten. Ich freue mich sehr, dass diese impulsgebende Veranstaltung traditionell in Bayern stattfindet. Denn: Die Bayerische Rock- und Popmusikszene ist extrem vielfältig, kreativ und innovativ. Herzlichen Dank insbesondere an den Verband für Popkultur in Bayern e.V. für die engagierte Arbeit und mutige Themensetzung. Ich bin mir sicher, dass die Dialog.Pop wieder weit über die Grenzen des Freistaats hinausstrahlen wird!“

Tina Sikorski, Geschäftsführerin der Initiative Musik gGmbH betonte: „Wir freuen uns, dass wir die Dialog.Pop auch dieses Jahr im Rahmen unserer Infrastrukturförderung finanziell unterstützen können. In den vergangen zehn Jahren unserer Kooperation wurden viele entscheidende Weichenstellungen für die Popförderung in Bayern und anderen Bundesländern gelegt. Glückwunsch an den Verband für Popkultur e.V. für die hervorragende Arbeit! Dennoch muss weiterhin viel passieren. Dabei geht es mittlerweile nicht mehr nur um die Weiterentwicklung der Popförderung an sich, sondern auch darum, wie wir die Meta-Themen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in unsere Arbeit einbeziehen und die Musik als treibende Kraft nutzen können.“

Bernd Schweinar, Geschäftsführer des Verbandes für Popkultur in Bayern resümierte: „Von Schloss Alteglofsheim gingen über all die Jahre bei den Popkonferenzen wichtige Impulse aus. Die Wurzeln der LIVEKOMM und des Bundesverbandes Popularmusik wurden hier gesetzt. Und unter dem Motto, dass eine gute Popförderidee auch auf einen Bierdeckel passen kann, wurden hier schon viele kreative Bierdeckel beschrieben.“

Beim inhaltlichen Themenstrang „Ländlicher (Pop-)Kulturraum“ wurde mehr Gemeinsames als Trennendes analysiert. „Es gilt jetzt anzupacken“, so Bernd Schweinar beim Panel u.a. mit Dr. Olaf Heinrich, dem mit Kulturthemen Impulse gebenden Bürgermeister von Freyung und Bezirkstagspräsidenten von Niederbayern. Spannende Keynotes von Stefan Reichmann (Haldern Pop) oder Dimitri Hegemann (Happy Locals, vorm. Tresor/Berlin) dokumentierten, dass es dieses Anpacken bereits gibt und Menschen die Brücke von Beruf und Freizeit zwischen Urbanität und ländlichem Raum zukünftig noch häufiger überqueren müssen. Kultur und kulturelle Infrastruktur müssen hierauf eine Verstetigung und Verstärkung als Antworten finden. „Urbane Kultur speise sich ohnehin seit jeher von Kreativköpfen, die ihre Wurzeln nicht selten im ländlichen Raum und Kleinstädten haben“, so Schweinar.

Vom VPBy bereits im April 2020 gegenüber Politik und Medien prognostiziert, ist der Fachkräftemangel in den Produktionsgewerken leider sogar noch viel schlimmer eingetroffen, weil Politik sich vielfach nicht zeitnah und fachkompetent um die existenziellen Nöte der Soloselbständigen gekümmert habe. Die Dialog.Pop begab sich mit Expert:innen auf die Suche, wie man effizient und nachhaltig den Personalmangel in der Veranstaltungsbranche mildern und mittelfristig anpacken kann – im Bewusstsein, dass der Weg lang und steinig sein wird.

Schon für die später wegen Corona ausgefallene Popkonferenz 2020 geplant, erhielt der Vernetzungsansatz der Dialog.Pop mit den Musikszenen Osteuropas eine noch aktuellere Bedeutung. In Zusammenarbeit mit dem Exportteam der Initiative Musik wurden Vertreter:innen der Musikbranche aus Rumänien, Nordmazedonien, Litauen und Tschechien nach Alteglofsheim eingeladen, die wertvolle Einblicke in die jeweiligen Musikmärkte boten. Anschließend fand ein Austausch mit dem Publikum statt. Der osteuropäische Raum bildet einen Markt von über 140 Mio. Menschen, die großes Interesse an internationaler Musik zeigen. Showcasefestivals und Musikkonferenzen wie Mastering the Music Business in Rumänien, PIN in Nordmazedonien oder What’s Next in Music in Litauen oder Musikexportbüros wie SoundCzech in Tschechien dienen als ideale Eintrittstore, um Netzwerke in den osteuropäischen Raum zu etablieren und Kooperationen für eine zukünftige Zusammenarbeit auszubauen.

Im Zeichen des Vernetzens steht auch die Infrastrukturförderung der Initiative Musik, die Projekte für den Aufbau nachhaltiger professioneller  Strukturen und Rahmenbedingungen im Bereich Populäre Musik und Jazz  unterstützt. Im Rahmen eines Q&A wurden einige Neuerungen des Förderprogramms vorgestellt, die ab der nächsten Förderrunde (Antragsfrist: 30. Mai bis 20. Juni) gelten werden, wie z.B. die zukünftige Einteilung in regionale und bundesweite Projekte, mit unterschiedlichen Förderhöhen und -Anteilen.

Dass ökologische und soziale Problemlösungen elementar in den Fokus rücken müssen, verdeutlichten unisono alle Speaker:innen. CO2-Bilanz, Barrierefreiheit, Diversität, Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung haben ganz oben auf der ToDo-Liste der Veranstaltungs- und Musikbranche zu stehen – bei Agierenden und Politiker:innen gleichermaßen. Sensibilisierungsgrad und Wille wurden beim Nachhaltigkeits-Panel deutlich. Aufgezeigt wurden aber auch die ökonomischen Hürden und der Bedarf mit Bundesmitteln hier durchaus entbürokratisierte Wege zu gehen.
Fotokredit: Dominik Hopf

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