altemaelze

Feel this

Crobot

Krachendes Retro Rock Spektakel!

Über Anhänger zeitgenössischen Hard- und Heavyrocks mit eindeutigen Verweisen auf die goldene Ära dieses Genres in den 1970ern bricht seit einigen Jahren eine Retro-Welle herein, deren Ende zur Freude der Fans noch längst nicht absehbar ist. Souverän auf dem Wellenkamm surft das US-Quartett Crobot mit bislang vier Studioalben. Die Jungs aus Pennsylvania zelebrierten darauf ihre zwischen Deep Purple, Black Sabbath und Led Zeppelin angesiedelte ureigene Mischung aus rifforientiertem, hier und da mit einer Prise Doom und Funk angereichertem Rock. Vor zwei Jahren lieferten Crobot aus Harrisburg, diesem weltbekannten Kleinod in den USA, dessen Atomkraftwerk 1979 für eine Kernschmelze verantwortlich war, mit „Motherbrain“ schon ein beachtliches Album  ab, dem sie jetzt „Feel this“ folgen lassen. Und Brandon Yeagley [Gesang], Chris Bishop [Gitarre], Tim Peugh [Bass] und Dan Ryan [Schlagzeug] gehen auf ihrem fünften Studioalbum diesen Weg unbeirrt weiter. „Dies ist die Platte, die wir machen wollten, seit wir angefangen haben“, sagt Brandon. „Wir haben uns immer als Live-Act gesehen“, fährt er fort. „Als Jay Ruston seinen Aufnahmeprozess beschrieb, waren wir mehr als begeistert. Es ging darum, live als Einheit aufzutreten und alle Instrumente eines Songs fertigzustellen, bevor wir zum nächsten übergingen. Wir haben 16 Songs in 21 Tagen aufgenommen, was an sich schon eine Meisterleistung ist.“ Und er reflektiert weiter: „‘Feel This‘ verweist vielleicht auf unsere größte Stärke, unsere Fähigkeit, Gefühle zu empfinden (im Guten wie im Schlechten).“

Die menschliche Natur zieht sich wie ein roter Faden durch das Album, von unbeständigen Beziehungen („Dizzy“) bis zu Unvollkommenheiten und dem Lernen aus Fehlern in „Holy Ghost“. „Set You Free“ beschreibt den Zustand, wenn man zu sehr an etwas glaubt. Aber neben diesen psychologischen Texten sind sie nie weit vom donnernden Rock ’n‘ Roll entfernt. „Electrified“ eröffnet das Album als mitreißende Live-Hymne. „Es ist ein klassischer Rock ’n‘ Roll-Song über Frankenstein und Unbesiegbarkeit!“ sagt Brandon. Es gibt eine epische Anti-Helden-Geschichte auf „Without Wings“ und dann gibt es „Dance with the Dead“ – mit einem unwiderstehlichen Groove und dem ansteckenden Gesang vergisst man seine Sorgen. „Let’s go dance with the dead. They know how to kill it!“  Der Song „Golden“ ist eine erhabene Hommage an einen viel zu früh verstorbenen Kollegen. „Als es um den Text ging, wollten wir gemeinsam, dass er eine Hommage an Chris Cornell ist“, sagt Brandon. „Wir sind so beeinflusst von allem, was er und Soundgarden gemacht haben. Wir haben den Song zu Ehren seines Vermächtnisses geschrieben.“ Man spürt, dass der gitarrenlastige Rock ’n‘ Roll in den Händen von Crobot am Leben erhalten bleibt. „Wir wollen nie zweimal das gleiche Album machen“, sagt Brandon. „Es ist sowohl für jeden Crobot-Fan da draußen als auch für Neueinsteiger etwas dabei. Gleichzeitig haben wir aber auch Spaß. Wir wollen ernst genommen werden, aber nicht zu ernst. Wir wollen, dass die Fans mit einem Lächeln nach Hause gehen. Wenn ich sie zum Lächeln bringen kann, habe ich meinen Job erledigt“ ergänzt Bishop. Crobot gelingt es spielerisch mit den zwölf neuen Songs das Niveau der erstklassigen Vorgängeralben zu halten und empfehlen sich mit jeder Note dieses krachenden Retro Rock Spektakels. (Mascot Records) P.Ro

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