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Heimspielfestival 2022 – Die 7*Innen

Kritik zum Konzert am 12. Mai in der Alten Mälzerei in Regensburg

Die Supergroup der sieben Girls – unterm Motto der Gemeinsamkeit stand das Heimspielfestival in der Alten Mälzerei.

Ganz unvermittelt fühlt man sich zurückversetzt, in einen Folkclub der 1960er Jahre, in Greenwich Village. Dort, wo jeden Abend eine neue Zukunft des Rock’n’Roll Gestalt annahm: Denn die ausnahmslos weiblichen Interpretinnen, hier beim etwas staksig benannten „7*Innen“-Heimspielfestival in der Alten Mälzerei, sie formulieren mit ihren ausschließlich selbstkomponierten Song allesamt ein Versprechen für ein besseres Morgen – und haben den Kooperationsgeist der Sixties offenbar in ihre Haarwurzeln implantiert bekommen.

Weshalb auch nicht die Gefahr eines Wettbewerbs besteht, wer jetzt den längsten aller Gitarrenhälse vorzuweisen habe, oder die meisten Tasten auf seiner Klaviatur. Nein, nein, dieser von Kabarettistin Teresa Reichl (auch: toller Einblick in ihr Soloprogramm „Obacht, i kann wos!“) ganz gmiatlich und gleichzeitig pointenorientiert moderierte Abend stellt zwar immer eine einzelne Künstlerin ins Spotlight – die anderen aber, sie schnippen dazu, singen Background oder assistieren ihrerseits instrumental. Sodass dem Ganzen Bandcharakter zuwächst, oder, um es im Jargon des Classicrock auszudrücken: Da stehen inklusive Slammerin Kathi Mock (die viel beiträgt, mit ihrem Beitrag, zur Desensibilisierung weiblicher Empfindlichkeiten!) sieben Freundinnen auf der Bühne, die sich gegenseitig helfen – und dabei zur Supergroup zusammenwachsen.

Und dass das jetzt kein gönnerhaftes Gequake ist, eines von viel zu vielen Konzertbesuchen längst Ermüdeten, lässt sich so belegen: Diese Interpretinnen, sie harmonieren gerade in ihrer Vielstimmigkeit perfekt. Sie wissen, Schlussakkorde zu setzen, die den Songminuten vorher die Krone aufsetzen. Und greifen souverän ins Archiv, wenn’s darum geht, auf welche Vorbilder man vertrauen soll (und von welchen man besser die Finger lässt).

Pauli Urban, die normalerweise mit den „Komets“ unterwegs ist, sie liebt ganz offensichtlich das, was man mit dem Begriff „Westcoast“ assoziiert. Und könnte mit ihrer blonden Lockenmähne auch als Update durchgehen, von Stevie Nicks. Sieht man aber ab, vom Haar, dann klingt auch Rickie Lee Jones durch oder Joni Mitchell – allesamt Göttinnen also, des Singer-Songwritings.

Isa Fischer spielt eine ziemlich rotzige Gitarre, singt mal englisch und mal deutsch und könnte mit ihren weißen Stiefeletten auch als bayerische Ausgabe von Bobbie Gentry durchgehen. War’s bei der das Mississippi-Delta, das den Sound als Hintergrundfolie bildhaft prägte, so ist Isa Fischer bekennende Waldspaziergängerin und findet dort auch Seen, in denen man baden kann.

Luisa Funkensteins Universum dagegen ist theatraler und vor allem: introspektiver. Sie ist in ihren Bezugsebenen wahrscheinlich die, deren musikalisch-atmosphärische Wurzeln eher in Europa und weniger in den USA liegen. Kate Bush könnte man assoziieren, oder vielleicht auch, was das Spiel mit der Stimme anbelangt, Sally Oldfield.

Riva Leon entwickelt mit ihrem allein auf der akustischen Gitarre interpretierten nur scheinbar seichten Pop auch Charme und Witz. Etwa wenn sie empfiehlt, für ein Treffen mit ihr stets Badekleidung einzupacken. Weil: Man weiß ja nie. Ja, hört man sie auf Konserve, dann ist das Ganze mit Beats arrangiert und verfügt über einen astreinen Hiphop-Appeal.

Und die Nowak? Sie verfügt über die meiste Erfahrung, heimste schon namhafte Preise ein und war schon mit „24indigo“ und „Cato Janko“ im Genre Pop unterwegs. Würde Rebekka Maier keine Frau, sondern Mann, dann könnte sie sich auch Rio Kreisler nennen – und würde damit vielleicht am knappesten ihr neu gewonnenes Terrain abstecken. Hier, bei den 7*Innen, setzt sie den vorläufigen Schlusspunkt, mit ihrem sauschlauen Chansonkonzept und ist mit ihrem niegelnagelneuen roten North-Piano doch stets mittendrin.

Ganz am Ende, zu den Zugaben, da spielen sie dann noch „Let Fortune be my Travel Guide“, den neuen Song von Isa Fischer (komponiert hat ihn freilich Markus Beer) – und präsentieren sich endgültig als agile Einheit, die dem Geist der Sixties huldigt. Und das Publikum final in seinen Bann zieht. (PeG)

Fotokredit: Sandra Eichenseher