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Stoned Side Of The Mule Vol 1 & 2

Gov’t Mule

Endlich als reguläre Veröffentlichung – die „Stones“-Show von Gov’t Mule!

Entstanden ist diese Band als Nebenprojekt zu Warren Haynes’s Hauptband, den Allman Brothers, bei denen der Gitarrist seit 1989 spielt. Zusammen mit Bassist Allen Woody, der ebenfalls festes Mitglieder der legendären Band ist, und Drummer Matt Abts beginnt das Trio 1994 ihr Wirken. Ihr Sound – angelehnt an den AB-Sound, aber mit härteren Rock- und Blueseinflüssen – kommt gut an, und 1996 steigen Haynes und Woody bei den Allmans aus und konzentrieren sich auf ihre neue Band mit enormen Erfolg, vor allem durch ihre famose Livepräsenz. Kurz nach Erscheinen von “Life Before Insanity“, dem dritten Studioalbum, stirbt Woody 2000 in New York an einem Herzinfarkt. Doch Haynes gibt nicht auf – er steigt zwar wieder bei der Allman Brothers Band ein, führt Gov’t Mule aber als eigenständige Combo weiter. Als neuer Bassist kommt Andy Hess dazu, der 2008 durch Jorgen Carlson ersetzt wird, dazu ergänzt Danny Louis als Keyboarder das erweiterte Line Up, das so bis heute besteht. Inzwischen ist diese Band auch bei uns kein Geheimtipp mehr und scharrt immer mehr Fans um sich. Zu Recht: Warren Haynes & Co gelingt es bei ihren mehrstündigen Auftritten immer, Höhepunkte aus über 50 Jahren Rockgeschichte zu einem abwechslungsreichen Set zu vereinen, indem sie mühelos und fließend von jazzigen Jams zu erdigen Bluesrock-Arrangements wechseln, um dann mit bandeigenen Klassikern und ausgesuchten Coverversionen weiterzumachen. Und besonders ihre Interpretationen von Songs anderer Bands haben es in sich – da hat Warren Haynes einfach die richtige Nase und das Gespür dafür. Gecovert werden Bands, die Haynes als Musiker und Musikfan mag – und das sind meist Bands aus seiner Jugendzeit. Vor allem bei besonderen Konzerten gibt es da jede Menge: so beim Konzert zum Jahreswechsel an Silvester – traditionell im New Yorker Beacon Theatre – und den berühmten Halloween-Events immer Ende Oktober. Sie nehmen sich da jede Menge Zeit für eine Band und spielen einen ganzen Set nur mit Covern. So nahmen sie sich beim Silvester-Konzert 2014 AC/DC vor (mit Miles Kennedy als Gast-Sänger), zuvor gab’s schon mal einen Set mit Doors-Stücken (und Robbie Krieger als Gast), einen Jimi-Hendrix-Set und einen Gig mit Pink Floyd-Klassikern, um nur einige Beispiele zu nennen. Und auch die Rolling Stones waren schon dran, beim „Halloween“-Konzert 2009 im Tower Theater in Philadelphia. Im Rahmen dieses Konzerts spielten sie im ersten Set nur Stones-Stücke. Los geht’s bei dieser Show mit einer groovenden Version von “Under my thumb” und nach über 70 Minuten ist leider schon mit „Brown Sugar“ Schluss. Wie bei Gov’t Mule schon selbstverständlich sind diese Coverversionen teilweise heißer als das Original, auch wenn das von Jagger & Co. kommt. Gäste dieses Halloween-Konzerts waren Jackie Greene (Black Crowes, Phil Lesh and Friends) an Gitarre und Mundharmonika sowie Steve Elson (früher bei Stevie Ray Vaughan) am Sax. Die Auswahl der Stones-Stücke ist absolut gelungen, es gibt nicht nur Klassiker wie „Angie“ oder „Paint it black“, sondern auch weniger oft gehörte Stücke aus dem Stones-Live-Repertoire wie „Monkey Man“, „Slave“ oder „Ventilator Blues“. Absoluter Höhepunkt ist für mich persönlich „Can’t you hear me knocking“ vom „Sticky fingers“-Album der Stones von 1971. Und schade ist es, dass „Gimme shelter“ nicht mit dabei ist, denn dieser Stones-Klassiker wurde auch gespielt. In einem Interview erläuterte Haynes, dass für ihn die Musik der Stones, wenn er sie heute hört, noch immer gut ist und dass das für ihn das größte Kompliment an diese Bands ist. Die Stones, so seine Meinung, waren einzigartig in der Weise, wie sie diese Songs spielten. Deshalb ist es für Gov’t Mule auch eine enorme Herausforderung, diese Klassiker auf ihre Art zu interpretieren und gleichzeitig den Stücken ihre Orginalität zu erhalten. Sie versuchen eine Mischung aus dem Stil der gecoverten Band und ihrem eigenen Sound zu schaffen. Haynes meint, dass sie sich dabei manchmal stark am Orginal orientieren, bei anderen Songs sich dagegen in ihrer Interpretationen mehr Freiheiten nehmen. Aber Hauptsache ist es für die Band, dass diese Songs ihnen gefallen und auch dem Publikum. Und da liegt er vollkommen richtig. Man spürt förmlich die Spielfreude und den Spaß der Musiker bei diesem Konzert. Und warum dieser Schatz aus dem Konzertarchiv der Band bis 2015 unveröffentlicht blieb (zuvor gab’s die gesamte Show nur als Download auf der Mule-Homepage), lässt sich so erklären. Die damalige Veröffentlichung gehörte in die Reihe der Geburtstags-Ausgaben dieser großen Jam-Band, denn Gov’t Mule feierten 2014 ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Nach „Dark Side of the Mule“, „Sco-Mule“ und „Dub Side of the Mule“ bildete diese Vinyl-Edition als Doppelalbum im Gatefold-Cover den Abschluss dieser vierteiligen Veröffentlichungsreihe mit historischen Gov’t-Mule-Konzerten zum Band-Jubiläum. Veröffentlicht wurde das im Rahmen des Record Store Day 2015 – ausschließlich in Europa, und war natürlich schnell ausverkauft. Aber jetzt wird „Stoned Side of the Mule“ – sieben Jahre später – neu aufgelegt und ist ab 27. Mai in mehreren Formaten erhältlich – erstmals auf CD und natürlich auch auf transparent blauen und roten Vinyl als Doppel-Album, doch leider ist auch diesmal „Gimme shelter“ nicht dabei. Schade! Übrigens kommen Warren Haynes & Co im Juli auch wieder auf Konzertreise nach Deutschland, leider ohne Tour-Abstecher nach Bayern. Und vielleicht spielen sie dann auch den einen oder anderen Stones-Song, garantiert haben sie aber etliche Cover-Versionen bekannter Rock-Klassiker in ihrem Set auf dieser Sommer-Tour durch Europa. (Provogue Records) no.men

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