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Impact is imminent

Anvil

In Summe ein schönes Teil, das eindrucksvoll zeigt, dass Anvil auch heute noch relevant sind und etwas zu sagen haben.

Die kanadischen Metal Helden Anvil melden sich Ende Mai mit ihrem inzwischen 19. Album „Impact is imminent“ in 40 Jahren zurück. Mit Exodus bzw. Thrash Metal hat die Scheibe nichts zu tun, und auch die alten Scheiben werden Härte-technisch nicht erreicht, obwohl das Trio mit Lips und Robb Reiner noch immer die beiden Gründungsmitglieder im Lin-up hat und in dieser Besetzung nun auch schon wieder acht Jahre musiziert.  Muss aber nicht sein. Mir ist es fast lieber, wenn ein Album musikalisch gut durchgemischt ist und das ist hier dann auch der Fall. Das schön erdig von Unken/Pfeiffer (wie auch die drei Alben zuvor im Soundlodge Studio) produzierte Album lässt allen Instrumenten genug Luft im Mix. Auffällig ist der prominente Bass (nicht zu aufdringlich, aber wie ein zweites Hauptinstrument gespielt) mit coolen Läufen. Die Drums hören sich an wie richtige Drums (Frontiers Rec. sollten sich mal Tipps holen, wie man das richtig macht) und es gibt immer wieder fesche Gitarrensoli, die aber nie zu technisch daherkommen. Der Gesang von Lips ist wie immer gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt der wandelbarste. Aber in Verbindung mit den coolen Background Vocals von Bassisten Chris Robertson passt das schon gut zu den Songs. Musikalisch gibt es ein schön breites Spektrum auf die Ohren. Der Einstieg mit „Take a Lesson“ lässt einen erst mal vermuten man hätte eine falsche CD eingelegt, ist es doch eine eher langsame, groovige Midtempo Nummer. Mit der folgenden Nummer „Ghost Shadow“, die auch als erste Single ausgekoppelt wurde, gibt es dann eher typischen Anvil-Stoff der an die Anfangszeit erinnert. In diese Kerbe schlagen auch die flotten „Bad Side of Town“ und „Shockwave“ (Song #2 mit Cowbells). Im Laufe der knapp 50 Minuten erinnert das restliche Material dann mal an frühere Riot („Fire Rain“), Alice Cooper auf Metal (auch gesanglich „Don’t look back“ mit Cowbells), Hardcore a la Agnostic Front gepaart mit der metal-lastigen Phase von Suicidal Tendencies („Someone to Hate“), Scorpions („Wizard’s Wand“ erinnert mich total an „The Zoo”) oder US Metal von Metal Church zu Beginn deren Karriere („Explosive Energy“). Balladen oder ruhige Stücke gibt es natürlich keine. Zum Verschnaufen hat die Band dann noch zwei coole Instrumentals im Angebot: Bei „Teabag“ dürfen alle ihr Können an den Instrumenten zeigen, während der Rauswerfer „Gomez“ total aus dem Rahmen fällt. Ich kann mich nicht daran erinnern schon mal Trompeten und andere Blasinstrumente bei Anvil gehört zu haben. Erinnert mich irgendwie an Riot auf der „Privileg of Power“ CD und hier speziell das Al Di Meola-Cover “Racing With The Devil On A Spanish Highway (Revisited)”. Sehr cool. In Summe ein schönes Teil, dass die Klassiker Anfang der 80er Jahre zwar nicht erreicht und auch diesmal wieder keinen Weltruhm bedeutet, aber eindrucksvoll zeigt, dass Anvil auch heute noch relevant sind und etwas zu sagen haben. Von meiner Seite aus fünfeinhalb Sterne und eine Kaufempfehlung. (Frontiers) HJH *****/*

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