altemaelze

Postcards From The End Of The World

Shining Black – Boals & Thorsen

Diesmal als Doppel-Kritik - denn hier scheiden sich die Geister unserer Rezensenten
„Perfekt geschmiedet, aber ohne Herzblut und Ecken fehlt hier einfach der Wiedererkennungswert“ versus „Guter Nachschlag zum selbstbetitelten 2020er Debüt“

Zu diesem Longplayer gibt’s eine doppelte Besprechung, denn FuD und HJH haben da ganz unterschiedliche Vorstellungen. Hier sind die Kritiken:

„Postcards from the end of the World“ ist das zweite Album von Shining Black mit Sänger Mark Boals (Yngwie Malmsteen, Ring Of Fire, Royal Hunt) und Gitarrist Ölaf Thorson (Labyrinth, Vision Divine). Im Juni 2020 wurde das Debütwerk „Shining Black“ veröffentlicht und für den Nachfolger holten sich die beiden Herren Unterstützung von Oleg Smirnoff (Keyboards & Piano), Nik Mazzucconi (Bass) und Matt Peruzzi (Drums). Shining Black haben sich dem melodischen Metal/Rock verschrieben. Handwerklich perfekt gemacht mit unglaublich guter Gitarren-Arbeit von Ölaf Thorson und geradezu perfekt zugeschnitten auf Mark Boals ebenso fantastischem Gesang. „Higher than below“, „Postcards from the end of the world“ und „We are dead angels“ leben von guten Riffs und melodischen Gesang und markigen Refrains, hören sich aber leider alle gleich an. Das gilt für alle zehn Tracks auf dem Album, was wirklich schade ist, weil keiner wirklich im Ohr hängen bleibt. Perfekt geschmiedet, aber ohne Herzblut und Ecken fehlt hier einfach der Wiedererkennungswert. Obwohl hier offensichtlich großartige und sehr erfahrene Musiker am Werk sind, schafft es „Postcards from the end of the World“ nicht in mir den Wunsch zu erwecken nochmal reinzuhören. Schade, denn dadurch versinkt Shining Black im Sumpf der endlosen Veröffentlichungen ohne bleibenden Eindruck. (Frontiers Records) FuD

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Frontiers Rec. VÖ die 2597 – naja nicht wirklich, aber dieses Label aus Italien wirft gefühlt im Tagestakt neue Alben auf den Markt. Gerne auch mal von Projekten, von denen man danach nie mehr was hört, und bei denen es einem die Zehennägel hochrollt. Anders bei dieser noch immer aktuellen Veröffentlichung. Hier gibt es mit Shining Black nun erstaunlicherweise Nachschlag zum selbstbetitelten 2020er Debüt mit dem Zweitling „Postcards from the end of the world“. Und für alle die das erste Werk vergessen haben oder nicht mehr wissen wer dahintersteckt, pflanzt man gleich noch die Namen der Hauptprotagonisten aufs Cover – Mr. Mark Boals (Sänger bei 125 oder mehr Alben) und Ölaf Thorson (Gitarrist und Gründer von Labyrinth aus Italien). Wer hier nun progressive Metal erwartet wie beim besten Album von Labyrinth „Return to heaven denied“ nur mit anderem Gesang, liegt dann nicht so ganz richtig. Es gibt zwar immer wieder Einflüsse von Dream Theater und anderen Größen, aber wenn, dann maximal in der Light Version. Die Songs ufern nie aus und auch die Instrumentalpassagen sind eher kurz gehalten, was man leider dann bei den wirklich starken Gitarrensoli merkt. Der Gesang ist top und Boals trifft auch mit 63 noch jede Note. Die Band dahinter (also der Rest von Labyrinth) agiert technisch auf höchstem Niveau, das Schlagzeug wie immer etwas humpelig produziert, und die Keyboards bzw. das Piano setzen immer wieder schöne Akzente und untermalen diverse Songs mit klassischem Lauf („Higher than the World“ oder „Like leaves in November“). Balladen gibt es keine auf der Scheibe, allerdings immer wieder mal etwas ruhigere, melancholische Momente in den Songs, die ansonsten eine schöne Härte aufweisen, aber nie die Melodie sowohl im Gesang als auch bei der Musik aus den Augen verliert. Die Produktion ist wirklich sehr gelungen, wenn sie in den Händen der beteiligten Musiker liegt, dann kommt meistens was Gutes dabei raus, denn sie wissen, wie es zu klingen hat.  Somit spricht von meiner Seite nichts gegen starke fünfeinhalb Sterne, da es auch keinerlei Ausfälle im Songmaterial gibt. Anspieltipps: „Summer Solstice under Delphi’s Sky“ (da mal ein längeres Gitarrensolo vorhanden) und das mit viel Piano im Intro und Outro versehene „Like leaves in November“.  Mal sehen ob es eine Fortsetzung dann gibt, denn Live wird man die „Band“ sicher nicht sehen werden. (Frontiers) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal