altemaelze

Indian Summer

Shiregreen  

„Indian Summer“ ist ein echtes Bandalbum geworden, das unterscheidet es vielleicht am meisten von den bisherigen 13 Shiregreen-Alben.

Seit 2015 veröffentlicht der Folkrocker und Singer-Songwriter Klaus Adamaschek alias SHIREGREEN auch wieder deutschsprachige Lieder und CDs. Anfangs stutzte ich, aber Klaus macht das mit seiner sonoren Stimme einfach richtig gut; da gibt es nichts zu meckern. Shire wird übrigens das Auenland in der Originalfassung des Buches „Herr der Ringe“ bezeichnet und Klaus Adamaschek bezeichnet damit seinen persönlichen Rückzugsort ebenfalls oft als sein Auenland. Die aktuelle Scheibe enthält sowohl deutschsprachige als auch englischsprachige Stücke. „Indian Summer“ ist ein echtes Bandalbum geworden, das unterscheidet es vielleicht am meisten von den bisherigen 13 Shiregreen-Alben. So erweist sich die Retrospektive „Yesterday when we were young“, die Klaus für einen früheren Freund geschrieben hat, der sich mittlerweile „a million miles“ von gemeinsamen Idealen entfernt hat, als klassische Rock-Hymne, mit dem elektrisierenden Bass von Paul Adamaschek, den prägenden Gitarren von Tom Eriksen und Johannes Gunkel und den treibenden Drums von Jonas Giger. Als „Indian Summer“ bezeichnet man in den USA eine warme Wetterperiode im Spätherbst, in der der Sommer noch einmal alle Register zieht, mit strahlend blauem Himmel und intensiver bunter Blattverfärbung.  Mit dabei ist dieses Mal Jonas Giger, der Sohn der Schlagzeug-Legende Peter Giger („Family of Percussion“), der für spürbar mehr Druck und Power sorgt. Aber natürlich gibt es – wie immer – die nachdenklichen und intimen Momente, die SHIREGREEN besonders auszeichnen, so z. B. beim Schlusssong „A million things to change“, der den Blick auf die Zeit öffnet, wenn der „Indian Summer“ irgendwann vorübergeht. Besonders erwähnenswert: Der Song „Hundert Mann und ein Befehl“. Ooops, den kennt man doch u.a. als Nummer-Eins-Hit in den Vereinigten Staaten und von Schlagersänger FREDDY!? Jedoch ist der deutsche Text aus der Sicht des Soldaten geschrieben und stellt den Sinn des Kriegs in Frage, während der englischsprachige Text eine Hymne auf die Spezialeinheit darstellt. Auch Adamascheck geht offenbar der leidige Ukraine-Krieg nicht aus dem Kopf. Ein Song, ja ein Album, in das viel Engagement und Seele steckt, mit bunten Farbtupfern aus Folk, Rock, Country und deutscher Chanson- bzw. Liedermacher-Tradition. (Demon Music Group) HuGe

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