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Fierce Bliss

Ann Wilson

“Fierce Bliss“ offeriert Unterhaltung, gute Musik, Engagement, Ehrlichkeit und einen sicheren Hafen in diesen unvorhersehbaren Zeiten.

Bei Ann Wilson denkt man sofort an Heart, die Band, die sie mit ihrer Schwester Nancy vor gut einem halben Jahrhundert in Seattle gegründet hat. Und die gleich mit ihrem ersten Album „Dreamboat Annie“ mit Hits wie „Crazy on you“ oder „Magic man“ erfolgreich waren, und mit dem Zweitling „Little Queen“ und „Barracuda“ weltweit bekannt wurden. Als eine der besten Rock-Stimmen aller Zeiten blickt Ann Wilson mit ihrer Band Heart auf achtfaches Platin zurück und verkaufte mehr 35 Millionen Alben seit der Bandgründung 1973. Während ihrer Dekaden-langen Karriere hatte Wilson alles: eine Achterbahn von Ruhm, Geld und Verrücktheit und sie hat nicht nur die guten, sondern auch die harten Seiten des Geschäftes kennenlernen müssen. Das letzte Heart-Album erschien vor sechs Jahren, und seitdem gehen die Wilson-Schwestern oft getrennte Wege. Mit „Fierce Bliss“ liegt jetzt das erste Soloalbum der Sängerin vor, das vor allem aus eigenem Material besteht, denn ihre bislang veröffentlichten Scheiben „Hope & Glory“ (2007) und „Immortal“ von 2018 enthielten nur gecoverte Songs von Musikern, die sie beeindruckt hatten. Ihr drittes Solowerk ist ein klassischer Rockhappen mit besten Zutaten – reich und gleichzeitig leicht und belebend, was es den Hörer ermöglicht, in zeitlose Nostalgie einzutauchen. Elf ausgewogene und ausgewählte Songs, bestehend aus Eigenkompositionen, aber auch zwei Coversongs. “A Moment in Heaven” ist für jeden, der schon mal im glänzenden Licht gestanden hat, bevor das Spotlight dann abrupt auf jemanden anderen gerichtet wurde. Spiritualität kommt bei “Black Wing” und “Angel’s Blues” zum Tragen; Seele und Ethos inklusive. Daneben haucht Wilson Queens “Love of My Life” und Robin Trower’s “Bridge of Sighs” neues Leben ein und diese Versionen können durchaus mit den Originalen standhalten. Die Inspiration zu diesem Longplayer kam im Sommer 2020 bei einem Treffen mit dem Künstler-Anwalt Brian Rohan. “Brian hat mir Leute empfohlen, die wiederrum Leute in  Nashville kannten und so traf ich Tom Bukovac und Tony Lucido bei den Muscle Shoals Sound Studio Sessions. Ich traf sie dort zum ersten Mal und sie haben mich sofort inspiriert. Es war, als ob ein großes Tor geöffnet wurde.” so Ann Wilson und ergänzt: “Eigentlich wollte ich nur rein paar Songs aufnehmen und schauen, wie es wird, aber es kam anders. Im Sound Stage in Nashville kam Kenny Wayne Shepherd dazu und spielte bei einigen Songs. Er war ein komplett anderer Einfluß. Er spielte sich den Hintern ab und zusammen mit den Gospel Singern vereinte sich alles und das ganze Projekt wuchs” und Wilson fährt fort: “Ich kannte  Warren Haynes von Gov’t Mule schon eine ganze Weile. Wir haben einige Songs zusammen geschrieben und die haben die Platte abgerundet. Und plötzlich war da ein Album mit Songs, die ich unglaublich mochte.“ Ann Wilson zeigt hier, dass sie genug Bullshit gesehen und erlebt hat und jetzt den inneren Frieden gefunden hat. Und genau deswegen ist der Titel des Albums “Fierce Bliss“ so versprechend und offeriert Unterhaltung, gute Musik, Engagement, Ehrlichkeit und einen sicheren Hafen in diesen unvorhersehbaren Zeiten. (Silver Lining Music) P.Ro *****

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