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Kinga Glyk & Band

Kritik zum Konzert am 31. März bei den Rother Bluestagen 2022

Was für ein Klangerlebnis mit Kinga Glyk!

Was für ein Klangerlebnis mit Kinga Glyk! Welch ein Konzertgenuss bei den „Rother Bluestagen“, die das Risiko eingegangen sind, frühzeitig für diese Pandemiephase zu planen. Respekt! Und viel Empathie auch für Kinga Glyk, die ihre Demut ausdrückte, nach ersten Auftaktgigs in Italien, wieder live vor Publikum stehen zu dürfen. Demut aber auch vor diesem Konzertprivileg, angesichts des Krieges in der Ukraine und der Millionen Geflüchteten auch in ihrem Heimatland Polen.

Die Fragilität der aktuellen Situation artikulierte sich am intensivsten zum Ende ihres Programms im Titel „Enu Maseti“, zu dem sie auch versucht das Publikum mit den Masken zum Mitsingen ich ihrer Fantasiesprache zu animieren. Das gelingt nicht ganz, aber die weltmusikalisch getragene Klangsprache trägt fort in sphärisches Wohlgefühl. Bis dahin wechselte ein faszinierender Moment den anderen ab. Zwischen dem getragenen „Ballada“, wo sie von Produzent und Keyboarder Pawel Tomaszewski auf einem Tastenteppich emporgehoben wurde und dem von ihr als lautestes Stück des Abends angekündigtem „OverDrive“, brannte sie ein Feuerwerk an Intensität und Kreativität ab. Immer unterstützt auch von Drummer David „Hayden“ Coezy, der mit facettenreichen Schlagmustern und Grooves unaufdringlich aber immens wichtig den Weg bereitete.

Instrumentalmusik heißt nicht Emotionslosigkeit, heißt nicht Expressionslosigkeit. Die Mimik ihres Gesichtes ist Kinga Glyks Ersatzstimme. Die Kameralinse hat ein Bild eingefangen, wo ihre Griffhand auf dem Basshals ihr Gesicht zwischen den Fingern erkennen lässt. Alle drei bilden aber auch eine Symbiose in direkter Linie. Ihr Fazialisnerv ist die Verlängerung der Energie aus ihren Fingern zu den Gesichtsmusikeln. Jedes schwierige Griffmuster schlägt sich nieder in einer anderen Mimik, verstärkt dadurch jeden Ton, jeden Akkord. Kann ein Bild mehr ausdrücken?

Kinga Glyk ist in den letzten Jahren zum Medienprodukt geworden. Seit sie Claptons „Tears In Heaven“ mit einem Uptempo-Arrangment auf dem Bass intonierte, wurde der Clip im Netz millionenfach geklickt, haben sich TV- und Radiostationen um sie gerissen. Live ist sie aber sehr Mensch geblieben, hat sich diesem Hype nicht ergeben. In der Frühphase ihrer jungen Karriere saß noch ihr Vater am Schlagzeug, heute sorgt ihr Bruder Patrick als FOH-Mischer für den guten Sound. Und wenn sich Kinga Glyk dann mit ihrem Bass im Schneidersitz auf der Bühne niederlässt und in Klangwelten zu entschwinden scheint, dann ist das nur ein Synonym dafür, dass sie sich auf der Bühne zu Hause fühlt. (Bernd Schweinar)

Die ganze Bilderstrecke von Bernd Schweinar ist hier zu finden: https://www.allmusic.de/bildergalerie/glyk-kinga