altemaelze

Lullabies

Silver Dust

Hier gibt es keinen roten musikalischen Faden. Gespielt wird was gefällt und passt.

Mit „Lullabies“ veröffentlicht die Schweizer Band Silver Dust Ende April ihr neues, viertes Studioalbum, welches sicher keine Schlaflieder beinhaltet. Die fett produzierte Scheibe lässt allen Instrumenten genug Raum, um richtig zur Geltung zu kommen. Die Rhythmusarbeit ist top, der Bass schön vernehmbar und auch die Gitarrensoli sind ab und an schön lang und abwechslungsreich geraten. Gesanglich ist man variabel genug unterwegs, um sowohl den Ville Valo als auch Andrew Eldritch oder sogar Serj Tankian zu geben. Die elektronischen Spielereien (z.B. bei „I’ll risk it“, das sich gegen Tiermisshandlung richtet) hätte es für mich zwar nicht unbedingt gebraucht, stört mich aber jetzt auch nicht wirklich. Ist ja nicht so als gäbe es Technostoff auf die Ohren. Die neun Songs des Albums („The Pact“ ist ein Intro, das den Hörer auf eine falsche musikalische Fährte führt, könnte es doch glatt auf einer King Diamond bzw. Mercyful Fate CD stehen und der Bonus Track „Forever“ ist ein Instrumental, das nur aus Streichern und Frauenchor besteht) bewegen sich in der ersten Hälfte eher in einem mal mehr mal weniger rockigen Fahrwasser von HIM, gepaart mit Sisters of Mercy bzw. The Mission. Hier gefällt mir besonders das französisch gesungene „Eternite“ mit Chor, Kirchenorgel und schönen Gitarrensolo. Das bereits erwähnte „I’ll risk it“ ändert dann die musikalische Richtung und verbindet Depeche Mode mit Paradise Lost zu deren „Host“ bzw. „Believe in Nothing“-Phase, also weg vom Metal hin zu Dark Rock usw. verfeinert mit Slayer Quietsch Soli. Richtig heimelig wird es mit der wunderbaren, hymnischen Ballade „There’s a Place where I can go“ mit Piano, Streichern, INXS Einfluss und schön geschmeidigem Solo, bevor es dann ab da eher schräg wird mit dem Swing Song „Animal Swing“ mit Trompete, Chor, Streicher, Metal und irrem Gesang in der Art von „Chop Suey“ von System of a Down. Das wird noch verstärkt mit dem Kirmesbudensong „Burlesque“ (der Name ist Programm) wo noch zusätzlich Mr. Bungle vorbeischauen. Wer die Band kennt weiß was das bedeutet. Der Abschluss-Song „Echoes of History“ verbindet dann Faith no More mit fetten Keyboard und Death Metal Vocals light. Wie man sieht gibt es keinen roten musikalischen Faden. Gespielt wird was gefällt und passt. Mir gefällt es und somit gibt es verdiente fünf Sterne. Alle anderen hören vielleicht lieber mal vorher rein, denn die Mischung ist teilweise schon sehr gewagt. (Fastball Music) HJH

*****  

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

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