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„Lichtblick“ von Michael Altinger

Eine „Vorpremiere“ des neuen Programms am 8. März auf der DEZ-Bühne.

Strunzenöd als Spiegel der Welt: Eine „Vorpremiere“ seines neuen Programms gab Michael Altinger im Statt-Theater zum Besten. Mehr Freiheit hätte ihm gut getan. Die nächste Vorstellung in Regensburg geht am 14. Oktober im Lappersdorfer „Aurelium“ über die Bühne.

Logisch: Man freut sich darüber, wenn Michael Altinger hier auf der DEZ-Bühne im Statt-Theater gastiert. Weshalb auch mehr als einhundert lachhungrige und klatschbegeisterte Regensburger gekommen sind – bürgt der Name dieser selbst ernannten „Rampensau“ aus Landshut doch nicht nur für ein recht zeitgemäßes komödiantisches Kabarett mit weißblauer Note. Nein, man kennt ihn auch, als Gastgeber der nach ihm benannten „mittendrin“-Sendung oder aus dem „Schlachthof“ im Dritten Bayerischen Fernsehen. Womit wir aber auch schon bei der Kategorie des großen „Aber“ wären: Natürlich kann man das machen, dass man die Vorführung des neuen Programms „Lichtblick“ als „Vorpremiere“ ankündigt. Und diese dann dazu nutzt, quasi unter Wettkampfbedingungen so etwas wie eine Generalprobe abzuliefern, vor dem Normalpreis zahlenden Publikum.

Vor der Pause klappt das auch wie am Schnürchen: Michael Altinger entführt uns in die Niederungen der Gemeinde Strunzenöd und berichtet von den Großtaten des Bürgermeisters, vom Luchs Helmut. Der hat sein politisches Schicksal an die erfolgreiche Durchführung des Frühlings- wie auch des Sommerfests geknüpft – weshalb ihm niemand anderes als Michael Altinger selbst schon die ein oder andere Hymne auf den Leib geschneidert hat. Das ist souverän dargeboten, ohne allerdings jene Reaktionen auszulösen, die er selbst in grellen Farben an die Wand malt: Im Idealfall nämlich sei das Publikum am Ende nackt, suche nach gegenseitigem Körperkontakt und recke die Beine im Modus der Kerze nach oben. Stattdessen holen sich manche in der Pause ein Orangenlimo und ein Bounty.

Im zweiten Teil aber, da verliert nicht nur der Bürgermeister die Bodenhaftung: Ganz am Ende nämlich erfahren wir, was er da getrieben hat, der Helmut, im Wasserschutzgebiet. Weil er bezosgleich auffährt auf, in den Himmel, mit einer Rakete. Aber auch Michael Altinger selbst hat Probleme mit der Bodenhaftung und verliert – zweimal jedenfalls gesteht er’s ein – den Kontakt zum Skript von „Lichtblick“.

Das Regensburger Publikum freilich ist ein gnädiges – und obendrein gestärkt mit Limo und Bounty. Und Michael Altinger natürlich ausgebuffter Bühnenprofi genug, solche Formschwankungen routiniert auszubalancieren und wegzustecken, mit seinem knautschigen Mund, der an die Mimik des großen Volksschauspielers Max Grießer erinnert. Als Rezensent freilich kratzt man sich kurzzeitig hinterm Ohr und fragt sich doch: Warum, um Himmels willen, tut er sich denn diesen Tort dann an? Warum lässt er sich nicht selbst mehr Freiheit? Muss es tatsächlich sein, in diesen Zeiten, da sich die Welt mit Lichtgeschwindigkeit zu drehen scheint (vielleicht sogar um ein paar Jahrzehnte rückwärts, wer weiß?), dass er ein rund zweistündiges Skript auswendig lernt – und sich selbst, abgesehen von den Redepassagen mit seinem Gitarristen Andreas Rother, nicht ein bisschen mehr Beinfreiheit zugesteht? Mit etwas weniger Textvorlage hätte Michael Altinger seinem Publikum zusätzliche Lichtblicke eröffnen können. (Peter Geiger)

Fotokredit: Veranstalter

 

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