altemaelze

Værmin

Tara Nome Doyle

„Stimmungsmusik“ ist das nicht!

Auf ihrem neuen bzw. zweiten Album erzählt TARA eine vertonte, tragische Liebesgeschichte, orchestriert mit Klavier, Violine und Synthesizer, selten Gitarre und manchmal pulsierenden Beats. Dazu gibt es ihren intensiven entrückten, zumeist dunkel-düster wirkenden Gesang. Erste Assoziation meinerseits: NICO (ja, die von VELVET UNDERGROUND). Die 24-jährige Künstlerin aus Berlin-Kreuzberg mit irischen und norwegischen Wurzeln veröffentlichte im Herbst 2018 ihre erste EP „Dandelion“; sie wurde millionenfach gestreamt, und es ging die Karriereleiter aufwärts. Sie hat bei Kat Frankie gespielt, und u.a. mit Max Rieger von der Band „Die Nerven“ musiziert  Bekannt ist auch Taras Auftritt in der Netflix-USA-Produktion „Munich“ von Christian Schwochow: In einer Szene spielt sie in einer Berliner Bar im Jahr 1938 das von ihr getextete und mit Isobel Waller-Bridge komponierte „Du träumst“. Das Debütalbum „Alchemy“ erschien im Januar 2020 und die Kritikergemeinde äußerte sich verzückt: „Eine verblüffende Grandezza« attestierte ihr Spiegel Online, »als würde Kate Bush im Berghain Songs von Nick Cave singen!“

Mit dabei auf ihrer neuen Scheibe ist Produzent und Musiker Simon Goff.  Auf „Væermin“ spielt er Geige und Synthesizer und wirkt als Toningenieur und Produzent. Als weitere Gastmusiker*innen sind Tobias Humble (Gang of Four, Ghostpoet), Anne Müller (Nils Frahm, Ben Lukas Boysen) und Larry Mullins (Nick Cave, Iggy Pop) dabei. Tara Nome Doyle setzt vor allem auf Klavier und ihre Stimme. Und nein, „Stimmungsmusik“ ist das nicht, sie bewegt sich absichtlich in die Richtung experimenteller Musik. Sie wechselt zwischen einer hellen klaren Kopfstimme – und einer rauen Bruststimme, in der sich die andere Seite ihres Wesens zeigt. Das garantiert gesanglichen Abwechslungsreichtum und soll die vermeintliche Hässlichkeit – die in uns allen lebt und die wir gerne unterdrücken und ignorieren – verdeutlichen und demaskieren. Na dann auf ein Wiederhören im – zur Zeit unter Corona-Auflagen leidenden – Berliner Kultclub Berghain. (Modern Recordings/BMG) HuGe

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

Share on facebook
Share on twitter