altemaelze

Bomben auf Disneyland

Jack Pott

Hier wieder mal eine Insider-Kritik von Klaus „schwafi“ Schwarzfischer. Er hat sich mit Jack Pott eine Combo aus der Marmeladenstadt Bad Schwartau zur Brust genommen, die damit ihren Erstling vorlegen.

So, jetzt steht er da unser neuer Thermomix, werden sich die Jungs von Jack Pott gefreut haben. Es heißt ja, er soll wahre Wunder vollbringen. Oben schüttet man die Zutaten rein und unten kommt das Dreisternerestaurant-13-Gänge-Galadinner heraus. Alle jubeln: die Gourmets, die Gourmands, die Guide Michelin-Abgesandten und vor allem die Gäste. Ja, denen muss das mit Liebe, Hingabe und Gebrauchsanweisung vertikutierte Ragout munden. Soweit alles richtig gemacht, liebe Jack Potter. Auch wenn ihr nicht in der Gastronomie euer Süppchen kocht, sondern unter den Dunstabzugshauben des Musikbiz. Aber das Retorten-Rezept funktioniert auch im Rockpunkpop: 2 gut abgehangene Keulen Bloodhound Gang, 3 große Schöpflöffel Greenday, 1 Dose Leningrad Cowboys-Lagerfeuer-Bohnen, 1 Pfund trockene Krümel vom gestrigen Cake-Kuchen, zwei Familienpackungen Die Ärzte-Convenience Food. Rühren und auf lauer Temperatur garen lassen. Fertig sind die 13 Songs. Halt! Die Würze fehlt noch. Wie wäre es mit Texten beliebiger Messerspitzenmengen darüber, dass alle einem nur Böses wollen, dass keiner von den Idioten da draußen versteht, wie toll du bist. Und übers dramatische Beziehungsende. Und über Urlaub auf dem Balkon. Und, dass man, schluchz, nicht gut genug für jemanden ist. Und, hurra, dass man selbst tolle Texte macht im Gegensatz zu den anderen Analphabeten. Und zeitaktuelle (Karstadt) Konsum- beziehungsweise Kapitalismuskritik. Und so weiter und so fort. Schon duftet das Album „Bomben auf Disneyland“ so ähnlich, wie sich die Köche den Brei im Pott vorgestellt haben.

Schlecht, wenn man unüberhörbar den Idolen, den oben bereits erwähnten Göttern in Weiß, nacheifert und darüber vergisst, Eigenes zu schaffen. Gut, dass man sich, von allem Kritikergeschwurbel befreit, mit der Scheibe das Hirn durchblasen lassen kann. Tipp: Laut aufdrehen und die Texte eigenständig ins Englische übersetzen. Wow. Klingt gut. Der Titel „California“ machts probeweise vor. Vielleicht künftig die Lieder mit billigem Fett heiß in der Pfanne rausbraten, statt im Vollautomaten mixen und aufwärmen. Selber machen! Es muss nicht immer alles allen schmecken. (Dackelton Records/Broken Silence) schwafi

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