altemaelze

Feel the void

Hot Water Music

Das neunte Album der Band ist ein Beweis für den Geist der Beharrlichkeit, des Trotzes und der Hoffnung,  der auch zeigt, wie unerschütterlich Hot Water Music in ihren Überzeugungen und Ideen geblieben ist.

Ihr zum Markenzeichen gereifter treibender Bass/Drum-Sound und die unvergleichliche Vocal-Power der Reibeisen-Vocals von Chuck Ragan und Chris Wollard waren weltweit einzigartig im Punk/Hardcore und bestimmend für den Sound von Hot Water Music. Doch 2017 zog sich Hot-Water-Music-Sänger und -Gitarrist Chris Wollard von Live-Auftritten mit der Band zurück, um sich auf seine psychische Gesundheit zu konzentrieren. Obwohl die anderen Mitglieder – Chuck Ragan (Gesang/Gitarre), Jason Black (Bass) und George Rebelo (Schlagzeug) – seine Entscheidung verstanden und unterstützten, stellte das fast die Zukunft der Band in Frage. Doch eine zufällige Begegnung zwischen Schlagzeuger Rebelo und Chris Cresswell von The Flatliners führte jedoch dazu, dass Cresswell in letzter Minute in Wollards Fußstapfen bei Konzerten trat. Niemand ahnte, dass dies der Beginn von etwas ganz Besonderem sein würde. Denn damit wurde nach der Rückkehr von Wollard aus dem Vierer ein Quintett. „Es war ziemlich surreal, um ehrlich zu sein“, sagt Cresswell dazu. „Als langjähriger Fan der Band war es schon etwas Besonderes, mit The Flatliners zu spielen und über die Jahre mit Hot Water Music zu touren. Mit einer Band zu spielen, die ich liebe, war unglaublich und danach mit dem Schreiben von Musik zu beginnen und die Band zum ersten Mal seit 27 Jahren mit einem fünften Mitglied zu besetzen, war intensiv. Aber es war wunderschön.“ Auf 2019er EP der Band, „Shake Up The Shadows“ ist Cresswell bereits zu hören und als die Band beschloss, das neue Album „Feel The Void“ zu schreiben, war es keine Frage, dass er in den Prozess eingebunden werden sollte als neues Bandmitglied. Und Flatliners-Frontmann Cresswell hat einen wesentlichen Anteil am Phönix-aus-der-Asche-Sound und den vielen neuen Ideen auf der neuen Scheibe. Das kann man ohne Zweifel in voller Stärke auf den zwölf energiegeladenen, leidenschaftlichen Songs von „Feel The Void“ hören. Von dem Moment an, in dem das düstere, unheilvolle „Another Breath“ die Platte einleitet, ist klar, dass Hot Water Music voll da sind. Das Album, das gemeinsam, aber aus der Ferne geschrieben wurde, bietet einen Sturzbach der Widerstandsfähigkeit, Songs, die im Kontext persönlicher und globaler Dunkelheit nach Licht streben. Für die Aufnahmen in den Black Bear Studios in Gainesville in Florida kehrte Brian McTernan auf den Produzentenstuhl zurück. McTernan hat mit Hot Water Music bereits an „A Flight And A Crash“ (2001), „Caution“ (2002) und dem Klassiker „The New What Next“ (2004) gearbeitet. “Es war fast wie eine kleine Familienzusammenführung”, sagt Ragan herzlich. Es ist also kein Zufall, dass es auf „Feel The Void“ viele Momente gibt, die nach sehr klassischen Hot Water Music klingen. In der Tat war McTernans Beteiligung unglaublich wichtig, um diesen Geist und diese Energie zu kanalisieren: die intensive Dringlichkeit von „Killing Time“, „Newtown Scraper“ und „Scratch On“, die nervöse, aber positive emotionale Energie von “Hearts Stay Full” und dem Titeltrack, der aufsteigende Refrain von “The Weeds”, das wogende, kraftvolle Brüllen des Abschlussstücks “Lock Up”. Nachdem Wollard und Ragan schon seit einiger Zeit nicht mehr auf einem Album zu hören waren, singen sie nun wieder im Doppelgesang – und das mit einschneidender Wirkung. Etwas, das langjährige Fans der Band definitiv erfreuen dürfte. Hot Water Music haben auf ihrem neuen Album aber nicht nur Songs geschrieben, die mit inbrünstigem Eifer an den Ruhm der Vergangenheit erinnern. Die neuen Tracks verleihen der Band auch eine ganz neue Dynamik – man höre sich nur die flirrende, stachelige Lebendigkeit von „Collect Your Things And Run“ oder die stürmische, kantige Spritzigkeit von „Turn The Dial“ an, bei dem Cresswell den Leadgesang übernimmt. Alles zusammen ergibt etwas Aufregendes und Inspirierendes, getreu dem melodisch zerklüfteten Punk, der Hot Water Music seit ihrem Debütalbum „Fuel For The Hate Game“ von 1997 ausmacht, aber auch mit neuer Energie versehen. Das Herzstück der Band, so Ragan, ist jedoch nach wie vor die Rhythmusgruppe um Rebello und Black, deren Synergie so stark und inspirierend ist wie nie zuvor. „Für mich“, sagt Ragan, „sind sie einfach die absolut Besten auf dem Planeten. Sie haben eine Sprache, in der sie nicht wirklich miteinander sprechen – sie nicken, sie zwinkern, sie schütteln den Kopf. Es ist bemerkenswert. Jede Session, in der ich sie zusammenarbeiten gesehen habe, hat mich verblüfft, und diese hat alles übertroffen.“ So ist das neunte Album der Band ein Beweis für den Geist der Beharrlichkeit, des Trotzes und der Hoffnung,  der auch zeigt, wie unerschütterlich Hot Water Music in ihren Überzeugungen und Ideen geblieben ist. Dazu Ragan: „Die Welt mag sich in den letzten 25 Jahren drastisch verändert haben, aber der Grund, warum die Band Musik macht, ist derselbe geblieben wie eh und je.“ (End Hits) P.Ro

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