altemaelze

Die Sonne scheint für alle

Stefan Kleinkrieg

Richtig gute Mischung aus Singer/Songwriter, Balladen, rockigeren Titeln, etwas Blues(Rock) und gar eine kleine Reminiszenz an die NDW-Zeit der 80er Jahre.

Stefan Kleinkrieg, seines Zeichens Gitarrist und Songschreiber der Band Extrabreit, veröffentlicht Ende Februar  mit „Die Sonne scheint für alle“ sein neuestes Solowerk. Classic Rock, wie es der Promozettel so nett schreibt, gibt es hier eher nicht. Mit diesem Begriff verbinde ich doch andere Bands. Stattdessen gibt es eine richtig gute Mischung aus Singer/Songwriter, Balladen, rockigeren Titeln, etwas Blues(Rock) und gar eine kleine Reminiszenz an die NDW-Zeit der 80er Jahre. Die Band ist richtig gut und Stefan Kleinkrieg ist ein exzellenter Gitarrist mit dem Gespür, seine Soli an den richtigen Stellen zu platzieren und sie auch in die Songs einzupassen. Was er nicht kann, ist singen. Man muss schon ein Faible haben für diese Mischung aus viel Udo Lindenberg, Rio Reiser, Bob Dylan und auch Hans Hartz, sonst wird das nichts mit der Freude, sich das Teil durchzuhören. Er variiert hier leider kaum. Mir hat es dann doch erstaunlich gut gefallen. Auch dank der tollen Texte, die mal politisch sind, aber auch mal kritisch, wie bei „Kralle“ hinsichtlich der Sextouristen in Thailand. Nach dem ruhigen Einstieg „Billiges Benzin“ erinnert mich „Nicht so schwer“ an BAP mit Rio Reiser am Gesang und einer feinen Hammondorgel als Bonus. „Positiv denken“ (klasse Text auch hier) könnte musikalisch gar von Mark Knopfler zu seiner „Golden Heart“-Phase stammen, während das politische „Glückshormon“ als klassischer Rock Song mit feinem Solo zu glänzen weiß. „Erika“ und „Nie wieder jung“ mit Harmonika sind eher im Blue beheimatet, während das bereits erwähnte „Kralle“ (von Udo Lindenberg geschrieben) auch auf einem Extrabreit-Album stehen könnte und an die NDW-Zeit erinnert. Die Balladen sind schön anzuhören. „Grüne Inseln“ mutiert ab der Mitte sogar in einen schönen Rock Song, der mich an frühere Jupiter Jones erinnert, während das in Spoken Word Manier vorgetragene „Amphetamin“ mein einziger Ausfall ist. Die Trompete bei „Alte Liebe“ könnte so auch von Element of Crime stammen und wer die Band mag, dem kann man auch hier das Album ans Herz legen. Dass Extrabreit mal aus der Punkecke stammten hört man dann im knapp zweiminütigem recht ruppigen Bonus-Track „Vergib mir“. In Summe ein richtig tolles Album, wo man eben mit dem Gesang klarkommen oder sich damit arrangieren muss. Sonst macht es keinen Spass. Von meiner Seite gibt es fünfeinhalb starke Punkte und eine Kaufempfehlung. (Premium Records/Soulfood) HJH *****/*

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

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