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39 Steps

Die Premiere am 11. März, Dez-Bühne, Regensburg wurde auf den 14. Oktober verschoben!

János Kapitány, Christopher Lerchenfeld , Georg Lorenz und Undine Schneider, dazu Martin Kubetz am Piano, nehmen die Besucher in 139 Rollen mit auf eine rasante Reise von London in die schottischen Highlands und wieder zurück.

Am 11. März sollte auf der DEZ-Bühne eine neue Turmtheater-Premiere stattfinden, doch wegen einer Erkrankung im Ensemble wird daraus nichts: „39 Stepts“, Hitchcocks Klassiker gespielt von vier Schauspielern in 139 Rollen. Alfred Hitchcocks Film nach John Buchans Spionageklassiker gilt Krimikennern schon immer als heiliger Gral. Zur Handlung: Während eines Auftritts von Mister Memory, eines Mannes, der mit seinem unglaublichen Gedächtnis sein Geld verdient, fallen Schüsse. Panik bricht aus, die Menschen stürmen hinaus, und die attraktive Annabelle Schmidt fällt buchstäblich in die Arme des Kanadiers Richard Hannay. Sie fühlt sich verfolgt und lädt sich zu Hannay nach Hause ein, wo sie ihm anvertraut, eine Spionin zu sein, die laut eigenen Aussagen von einem ausländischen Spionagering verfolgt wird. Sie erzählt ihm von gestohlenen Dokumenten, den mysteriösen »39 Stufen« und erwähnt einen Ort in Schottland. Kurz darauf findet Hannay Annabelle mit einem Messer im Rücken tot in seiner Wohnung. In ihrer Hand eine Landkarte mit einem markierten Ort in Schottland. Verfolgt von der Polizei, die ihn für Annabelles Mörder hält, flüchtet Hannay und macht sich mit dem Zug auf die Reise ins schottische Hochmoor. Kann er dort das Rätsel der »39 Stufen« lösen?

Nun hat Patrick Barlow daraus ein spektakuläres Theatererlebnis gezaubert. Vier Schauspieler in 139 Rollen nehmen uns mit auf Richard Hannays abenteuerliche Reise von London in die schottischen Highlands und wieder zurück. Ständig auf der Flucht muss der vermeintliche Mörder nicht nur seine Unschuld beweisen, sondern auch das Geheimnis der „39 Stufen“ lüften. Nichts wurde dabei ausgelassen: Die Fahrt im Flying Scotsman, die Flucht über die Forth-Bridge, die berühmte Handschellen-Szene, der erste Absturz eines Doppeldeckerflugzeugs, der je auf einer Theaterbühne dargestellt wurde und natürlich das legendäre Finale im Londoner Palladium. Untermalt wird das Stück von Livemusik. Das Stück wurde 2007 mit dem Olivier Award für »Best New Comedy« und dem Whatsonstage-Award ausgezeichnet. In London lief es jahrelang im Criterion Theatre, direkt am Piccadilly Circus und wurde schnell zum internationalen Hit. Auch in Deutschland ist es nach Dutzenden von Inszenierungen fester Bestandteil des Komödien-Repertoires geworden. Die Grundidee des Stücks, die komplette Handlung des Films mit nur vier Schauspielern und wenigen Requisiten auf einer einfachen Bühne nachzuerzählen ist eine Herausforderung die sich auszahlt. Schnelle Stimmungswechsel, Improvisation und beherzte Theateraktion sind gefragt. Ein Schauspieler stellt Richard Hannay dar, eine Schauspielerin verkörpert die drei Frauen, mit denen es im Laufe der Handlung zu romantischen Verwicklungen kommt, die beiden anderen Schauspieler spielen sämtliche andere Figuren: Männliche, weibliche, gelegentlich sogar unbelebte Objekte oder auch mehrere zur selben Zeit. Auf diese Weise wird die spannende Spionagegeschichte des Films zu einer Komödie im Stil von Monty Python, ohne allerdings die feine Ironie des Originals vermissen zu lassen. Der Text ist voller Anspielungen auf andere Filme des »Meisters der Inszenierung«, vom „Fenster zum Hof“ über „Psycho“ bis „Der unsichtbare Dritte.

Die minimalistische Kulisse der DEZ-Bühne offenbart erst die Stärke dieser Inszenierung: János Kapitány, Christopher Lerchenfeld , Georg Lorenz und Undine Schneider, dazu Martin Kubetz am Piano, nehmen die Besucher in diesen 139 Rollen mit auf eine rasante Reise von London in die schottischen Highlands und wieder zurück. Die Zuschauer werden in irrwitzigem Tempo von Ort zu Ort mitgerissen ohne auch nur einmal ihren Sitz verlassen zu müssen. Die Illusion ist perfekt: Wenn die Schauspieler, begleitet von Martin Kubetz immersiver Geräuschkulisse im fahrenden Zug auf- und abwippen und jeden Bremsvorgang mitzumachen, fällt es schwer nicht mitzuwippen. Ganz ohne ein Millionenbudget für Special Effects hat diese Inszenierung alles was ein Blockbuster braucht: Atemberaubendem Actionszenen in und auf fahrenden Zügen, tollkühne Stunts in schwindelerregender Höhe, spannende Zeitlupensequenzen, halsbrecherische Verfolgungsjagden im Auto und sogar einen Flugzeugabsturz. Live-Soundtrack inklusive Effekt-Tonspur sowie ein ausgeklügeltes Lichtkonzept stimulieren zusätzlich die Phantasie der Zuschauer. Das ist Kopfkino vom Feinsten!

Markus Bartls Inszenierung gelingt eine perfekte Balance: Das Stück ist witzig und temporeich, aber nicht albern und die Hintergründigkeit von Hitchcocks Original ist ständig spürbar.