altemaelze

Circus of Doom

Battle Beast

Perfekt produziert gibt es hier ultraeingängige Melodien, poppige Refrains und viel Discoeinflüsse in Form von massiven Keyboardwänden und Streichern aus der Konserve.

Mit „Circus of Doom“ veröffentlichte die finnischen Power-Metal-Band Battle Beast kürzlich ihr inzwischen sechstes Studioalbum. Ich muss gestehen, dass sie bis zu dieser Scheibe mehr oder weniger spurlos an mir vorbeiging, die letzten elf Jahre seit ihrer Gründung. Perfekt produziert gibt es wie immer ultraeingängige Melodien, poppige Refrains und viel Discoeinflüsse in Form von massiven Keyboardwänden und Streichern aus der Konserve. Die Musiker sind top an ihren Instrumenten. Die beiden Gitarristen werfen mit feschen Soli nur so um sich. Keyboarder Janne Björkroth ist der heimliche Chef in der Circusmanege und Sängerin Noora Louhimo sorgt mit ihrem rauen Organ dafür, dass man sich nicht an die Redenex usw. erinnert fühlt, auch wenn sie wie bei  der musikalisch an die Schweden  von Eclipse erinnernde ersten Singleauskopplung „Master of Illusion“ ab und zu fast schon etwas hysterisch überdreht.  Davon abgesehen hat das dreckige, rauhe Organ eine schöne Klangfarbe in der Schnittmenge von Ann Wilson, Bonnie Tyler und auch Doro. Die zehn Songs (auf der mir zur Besprechung vorliegende Standard CD Version) selber sind relativ kompakt gehalten im vier Minuten Bereich und bringen das Album dann auf knapp 41 Minuten. Hat man den Einstieg ins Werk mit dem operettenmetalartigen Titelsong „Circus of Doom“ – mehr Keys, Fanfarenklänge, Streicher (und keine Gitarrensoli) – erst mal überstanden, auch wenn der Song gut ist, gibt es richtig schön abwechslungsreichen Rock, Metal, Disco auf die Ohren. „Wings of Light“ punktet mit extrem poppigem Refrain und gleich zwei Gitarrensoli und wäre somit ein perfekter Kandidat für den ESC, um ihn nach Lordi mal wieder für Finnland zu gewinnen. „Where Angels fear to fly“ ist eine kitschfreie Powerballade, „Russian Roulette” mit seinen elektronischen Drums ist sowas von 80er Jahre und erinnert total an Laura Branigan oder Irene Cara mit harten Gitarren, und ist der Discosongs auf der Scheibe. Die Sabaton/Hammerfall -Fans werden perfekt bedient mit den beiden harten Doublebassdrum Nummern „Freedom“ und „Place the we call home“, Während bei „The Road to Avalaon“ Ava Max auf Heart der 80er Jahre mit 70er Jahre Hardrock trifft. Der zweite Ausflug nach Schweden mit „Armageddon“ könnte hier ebenfalls wieder von Eclipse stammen. Hier ist echt für jeden etwas an Bord. Wer sich also für eine Mischung aus den genannten Bands plus Amaranthe oder auch Metalite (die Battle Beast am Ende des Tages aber nicht das Wasser reichen können) begeistern kann, wird viel Freude mit dieser Scheibe haben. Hier greift man dann aber lieber zur Deluxe Version (kostet gerade mal einen Euro mehr und läuft knapp 50 Minuten), die zwei komplett aus dem Rahmen fallende Stück an Bord hat: „The Lightbringer“ und vor allem „Tempest of Blades“ sind knallharte Metalsongs fast ohne Keyboards, wobei letzterer gar an Judas Priest zu Painkiller-Zeiten musikalisch erinnert. Vermutlich wurden sie deshalb auch „ausgelagert“, Von meiner Warte aus gibt es dennoch sechs Sterne und eine klare Kaufempfehlung. Well done. (Nuclear Blast) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

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