concertbuero
byon

Die Nowak

Bandfeature Januar 2022

Sie ist ein Phänomen – die Liedermacherin ist eine Kunstfigur. Georg Kreisler‘sche Noblesse und Rio Reiser‘sche Schnoddrigkeit fließen bei ihr ineinander.

„Eigentlich bin ich ja ganz anders“, sagt die Nowak. Und fügt, als wollte sie den Inhalt dieses Satzes auch noch rhetorisch beweisen, ein bisschen fahrig hinzu: „Gar nicht eben die große Redenschwingerin! Sondern eher eine stille Beobachterin.“ Jetzt könnte man also zu dem Schluss kommen: Als Autorin von Texten, da ist sie top. Aber auf der Bühne?

Schnellschüsse aber können ins Knie treffen. Denn: Wer die Nowak einmal gesehen hat, live vor Publikum, wird für ihren Auftritt ebensolche Bestnoten vergeben. Während der warmen Jahreszeit gab es 2021 in Regensburg dazu reichlich Gelegenheit. Beim Kultursommer im Ostpark Ende Juli ebenso wie vier Wochen später am Grieser Spitz. Beide Male war sie zwar „nur“ die Anheizerin. Trotzdem spielte sie alle an die Wand. Und überzeugte als Figur wie als Interpretin. Mit ihrer einmaligen Mischung aus Nonchalance und großer Geste.

Kniff als Glücksgriff

Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich auch musikalisch auf ziemlich viel versteht. Und somit eine große Bandbreite zu entfalten vermag, obwohl sie ja eigentlich ganz allein nur hinter ihrem roten E-Piano sitzt. Aber sie weiß sich zu nähren, aus versiegt geglaubten Quellen wie dem Chanson oder dem Deutschpop. Ja, tatsächlich: Sie wirkt wie ein in den Jungbrunnen gefallener Georg Kreisler (das war der Wiener Kabarettist mit der schwarzen Brille, der im Park Tauben vergiftete), der sich mit Rio-Reiser-Kräften (König von Deutschland und Junimond) aufpeppt und als weibliches Update venusgleich den Fluten entsteigt.

Für Rebecca Maier, die viele Jahre schon auf der Bühne stand und Musik machte (24Indigo oder Cato Janko hießen ihre Projekte), bevor sie „Die Nowak“ entwickelt hat, hat sich dieser Kniff mit der Kunstfigur als Glücksgriff erwiesen. Denn die Rolle dieser resoluten und durchaus exaltierten Singer-Songwriterin, sie hat sie sich selbst auf den Leib geschneidert. Und trotzdem bleibt sie erkennbar Kostüm. So, wie auch der bienengelbe Vintage-Jumper, den sie gern auf der Bühne trägt. Oder der schwarze Mantel mit den weißen, fernöstlich anmutenden Ornamenten, den ihre Schneiderin Johanna Ruschin-Mai aus gebrauchter Seide für sie angefertigt hat. Es hat fast etwas von Magie: Indem sie in ein Kleidungsstück hineinschlüpft, wechselt sie auch die Person.

Neuerdings hat sie ihr Personal auch noch erweitert, und zwar um die etwas großspurig ums Eck kommende (im Regensburger Dialekt würde man wohl eher „gschroamallerte“ sagen) Anita Gschwendtner: Die dient ihr als Conférencière, also als ihre Show eröffnende Figur, die das Publikum darauf vorbereitet, dass es beispielsweise die Klappe halten soll, während die Nowak ihre Songs, ja, zelebriert. Denn die Texte sind ja eben nicht per Zufall so, wie sie lauten. Sondern: Die Sache macht Sinn. Und verlangt deshalb auch nach aufmerksamen Zuhörern. Wie der Schottergarten-Song etwa, auf den die Nowak besonders stolz ist: In diesem Sommer hat sie tatsächlich einen Gärtnereibetrieb gefunden, im Oberbayerischen, der ihr versprach, den „hässlichsten Schottergarten aller Zeiten“ zu bauen und dann als Kulisse für ihr zu drehendes Video zur Verfügung zu stellen. Die Dreharbeiten sind mittlerweile abgeschlossen.

Leidenschaftliche Netzwerkerin

Überhaupt war der Sommer 2021 ungeheuer ereignisreich für die Nowak. Beim Heimatsound-Wettbewerb von Bayern 2, da hatte sie sich eigentlich Chancen ausgerechnet auf den Sieg. Und schon ein bisserl spekuliert, was sie anfangen könnte, mit dem ausgelobten 2.000-Euro-Einkaufsgutschein für Musik-Instrumente. Aber am Ende hatten die „Widersacher aller Liedermacher“ aus Würzburg die Nase vorn, sodass die Neuanschaffung eines Pianos auf die lange Bank des bevorstehenden Jahres 2022 geschoben werden muss.

Stattdessen konzentrierte sie sich im Herbst und Winter auf ihr Album. Und nahm gemeinsam mit ihrem Produzenten Andy Eckert von „Pam Pam Ida“ Songs auf. Und posaunt dies auch regelmäßig hinaus in die Welt, auf ihrem leidenschaftlich betreuten Instagram-Channel. Da erfährt man dann auch, dass sie in Erlangen – wieder als Support! – den Opener für die Österreicher „Granada“ hat abgeben dürfen. Oder dass sie im Spätsommer in Augsburg ein wunderbares Video aufgenommen hat, zu ihrem neuen Song „Ein neuer Tag“.

Bei aller Exaltiertheit: Die Nowak ist keine Einzelkämpferin, sie ist Netzwerkerin. Eine, die mit Kolleginnen vor Ort wie „Songs from her“ oder ebenfalls grandiosen Isa Fischer leidenschaftlich zusammenarbeitet. Während der tiefsten Corona-Depression zu Beginn des Jahres 2021, da hat sie mit der aus Graz stammenden Magdalena Wawra „Zusammen allein“ aufgenommen. Da ist die Nowak dann ganz bei sich selbst. (Peter Geiger)

(Fotokredit: D. Hupf)

Infokasten:

Künstlername: Ihren kurzen und prägnanten Namen hat sich die Nowak aus einem humoristischen Chansonklassiker ausgeliehen. In dem im Wiener Dialekt gesungenen Couplet heißt es unter anderem: „Aber der Nowak lässt mich nicht verkommen!“

Preis: Im August 2018 hat die Nowak den mit 5000 Euro dotierten Rio Reiser Songpreis gewonnen. Ihr musikalisches Fortkommen wird aber auch durch die Initiative Musik-Förderung unterstützt, so dass im kommenden Jahr mit einem Album von der Nowak zu rechnen ist.

Share on facebook
Share on twitter