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L.A. Woman – 50th Anniversary Deluxe Edition

The Doors

"From the vaults" - Januar 2022
Vor 5o Jahren wurde dieses sechste Studio-Album von The Doors eingespielt, und erstmals von ihnen selbst produziert.  Es war das letzte Album mit Jim Morrison, der tragische Schwanengesang von The Doors, erschienen im Frühjahr 1971. Jetzt ist eine umfangreiche Jubiläums-Edition zum Ende des Jahres 2021 erschienen, die im Rahmen unserer Reihe „from the vaults“ für den Januar 2022 gewürdigt wird

Es war das sechste Studioalbum von The Doors – das nach dem Weggang ihres Produzenten Paul A. Rothchild im November 1970 begonnen wurde mit dem Toningenieur Bruce Botnick im „The Doors Workshop“ in Los Angeles. Nachdem das Album The Soft Parade bei Fans und Kritikern nicht den erhofften Anklang gefunden hatte, kehrte die Gruppe beim nächsten Album „Morrison Hotel“ zum vertrauten Sound zurück und ging auch in Richtung Blues. Zwar erreichte Morrison Hotel in den US-amerikanischen Albumcharts eine etwas höhere Platzierung als The Soft Parade (Position 4 statt 6), jedoch enthielt es keine so erfolgreiche Single wie den Top-3-Hit ‚Touch Me‘ des Vorgängers. Daher kam die Trennung von ihrem Produzenten gleich zu Beginn der Aufnahmen, er hatte das „Riders“-Demo als „Cocktail-Musik“ und schied aus dem Projekt aus. Dazu kam, dass die Band ziemlich ausgelaugt war nach fünf Jahren als Band. Ende 1970 drohte der psychische Tribut von Jim Morrisons Sucht und rechtlichen Problemen die Gruppe zu überwältigen. Jeder Versuch, unter diesen Bedingungen ein Album zu machen, hätte eigentlich in einer Katastrophe enden müssen, aber auf L.A. Woman – der letzten Doors-LP, die zu Morrisons Lebzeiten veröffentlicht wurde – gelang es der Band fast trotz ihrer selbst. Selbst produziert und in ihrem privaten Proberaum aufgenommen, war das Album eine Heimkehr im musikalischen und spirituellen Sinne. “Unsere letzte Platte wurde wie unser erstes Album: roh und einfach”, reflektierte Schlagzeuger John Densmore in seiner Autobiografie. “Es war, als hätten wir den Kreis geschlossen. Wir waren wieder eine Garagenband, in der der Rock & Roll begann.”

Im Amerikanischen spricht man davon, sein „Mojo“ gefunden zu haben, wenn man geradezu magische (Strahl-)Kraft besitzt. The Doors fanden ihr Mojo im November 1970, als sie L.A. Woman über den Verlauf von nur sechs Tagen im Workshop aufnahmen, dem Proberaum der Band am Santa Monica Boulevard.  Das Album war dann sowohl bei Kritikern als auch kommerziell ein voller Erfolg und ist international vielfach Gold- und Platin-dekoriert (Gold in DE), was kaum verwundert, denn es enthält einige der zeitlos besten Songs der Band, darunter den US-Top-20-Hit „Love Her Madly“, „Riders On The Storm“, den Titeltrack und – da ist es wieder, das Mojo – „Mr. Mojo Risin‘“.

2021 feiert dieses Album seinen 50. Geburtstag, ein Umstand, den Rhino mit einem 3-CD/1-LP-Set würdigt. L.A. WOMAN: 50TH ANNIVERSARY DELUXE EDITION enthält das Originalalbum – neu gemastert von Bruce Botnick, dem langjährigen Tontechniker und Mischer der Doors – sowie zwei Bonus-CDs mit vielen unveröffentlichten Studio-Outtakes und den Stereo-Mix des Originalalbums auf 180g-Vinyl. Auch über digitale und Streaming-Dienste wird das erhältlich sein. Mehr als zwei Stunden unveröffentlichter Aufnahmen aus den Sessions zu „L.A. Woman“ hält diese neue Sammlung bereit, sodass man beim Hören die Evolution der einzelnen Songs im Studio miterleben kann, als wäre man live dabei gewesen. Auch ein frühes Demo für „Hyacinth House“, aufgenommen 1969 in Robby Kriegers Homestudio, ist enthalten. Die Outtakes dokumentieren Jim Morrison, John Densmore, Robby Krieger und Ray Manzarek, wie sie im Studio mit zwei weiteren Musikern arbeiten: Rhythmusgitarrist Marc Benno – der mit Leon Russell im The Asylum Choir arbeitete – und Bassist Jerry Scheff, der ein Mitglied von Elvis Presleys TCB Band war. Botnicks Schilderungen zufolge verfolgte die Band bei den Aufnahmen einen organischeren Ansatz, anstatt immer wieder anzufangen und abzubrechen, um technische Perfektion zu erreichen. „Die bisher unveröffentlichten Aufnahmen, mit denen wir es hier zu tun haben ­– fortlaufende Takes von „The Changeling“, „Love Her Madly“, „Riders On The Storm“ und „L.A. Woman“ – zeigen eine Band, die vom Groove geradezu besessen ist, während sie Wendungen und Schnörkel mit der Präzision einer perfekt eingespielten Soul-Combo vollführt… Die Idee war, von Song zu Song zu gehen, es fließen zu lassen.“ In den Outtakes der Albumtracks kann man auch Zeuge werden, wie die Band lustvoll durch die Art von klassischen Blues-Songs fegt, die Morrison einst als „original blues“ bezeichnete. Dazu zählen  Interpretationen von Junior Parkers „Mystery Train“, John Lee Hookers „Crawling King Snake“, Big Joe Williams’ „Baby Please Don’t Go“ und „Get Out Of My Life Woman“, Lee Dorseys funky Klassiker von 1966, geschrieben von seinem Produzenten Allen Toussaint. Dazu kommt noch das sagenumwobene Original-Demo von „Riders On The Storm“, das jüngst auf einer unbeschrifteten Spule in den Archiven von The Doors entdeckt wurde und jetzt hier zu finden ist.

Es ist übrigens das einzige Album der Morrison-Ära der Doors, auf das keine Tournee folgte. Jim Morrison ging nach den Aufnahmen nach Paris auf, als die letzten Mixes vorbereitet wurden, in der Hoffnung, seine Muse in der Stadt des Lichts wiederzufinden. Er sollte nie mehr zurückkehren: Der Sänger starb dort im Juli 1971. LA Woman ist somit auch sein Vermächtnis – L. A. Woman war der tragische Schwanengesang von The Doors.

In den ausführlichen Linernotes dazu erkundet der Rockjournalist David Fricke die rasend schnelle Entstehung des Albums, zugleich dem letzten mit Morrison, der wenige Monate nach der Veröffentlichung in Paris sterben sollte. „Morrison mag nie wieder zu The Doors zurückgekehrt sein“, schreibt er, „doch durch seinen Tod wurde ‚L.A. Woman‘ zur Wiedergeburt, zum Triumph und zum Finale, alles auf einmal. Und es ist Blues – ‚original blues‘, wie von Morrison versprochen. Bis heute gibt es auf der Welt nichts Vergleichbares.“ (Rhino) P.Ro

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