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Stakeholder-Kapitalismus

Klaus Schwab mit Peter Vanham

Gebundene Ausgabe, Viley-VCH GmbH, 2021, 416 Seiten, 29,99 Euro
Wie muss sich die globale Welt verändern, damit sie allen dient? Vorschläge des Weltwirtschaftsforums-Gründers

Im Frühjahr 2020  wurde die Welt mit einem neuen Virus konfrontiert, dessen Auswirkungen auch heute noch nicht abzuschätzen sind. Leere Regale im Supermarkt und Lieferengpässe sind allerdings nicht alleine mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu erklären.

Für den Ökonomen und Gründer es Weltwirtschaftsforums, Professor Klaus Schwab steht fest, dass die Industriestaaten jetzt die Auswirkungen einer generellen Verwerfung der Weltwirtschaft spüren, die sich strukturell schon länger angekündigt hat und den ärmeren Teil der Weltbevölkerung ungleich härter trifft als den reichen.

In seinem Buch fordert Schwab einen Wandel unseres Wirtschaftssystems, und er formuliert eindrucksvoll, in welche Richtung sich die Wirtschaftsordnung ändern muss. Als grundlegende Probleme der Gegenwart sieht er die enormen sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Herausforderungen, die die nationalen Regierungen bewältigen müssen. Dabei sei es keine Option, zu den Wirtschaftsideologien des 20. Jahrhunderts zurückzukehren. Weder Protektionismus und Autarkie noch ein neoliberaler Ansatz können die Probleme bewältigen. Das Streben nach grenzenlosem Wachstum muss deshalb einem reformierten Stakeholder-Kapitalismus weichen, der allen Menschen die Teilhabe ermöglicht und gleichzeitig Klima- und Umweltschutz als ökonomische Ziele definiert, in denen Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum zur Eindämmung übermäßiger Ungleichheit fungieren. Als vierte Säule nennt er die digitale Konnektivität, da immer mehr Menschen von Online-Aktivitäten abhängig sind.

Um zu zeigen, was sich ändern muss, wirft Schwab zunächst einen Blick in die Vergangenheit und beschreibt die „Welt, in der ich aufgewachsen bin“ als Phase eines rasanten globalen Wachstums. Es ist eine Welt aus zwei Realitäten: Denn nie ging es den Menschen so gut wie heute, doch zugleich existieren enorme Ungleichheiten und ein inzwischen gefährlicher Mangel an Nachhaltigkeit.  Als eines der Problemfelder sieht Schwab das Schielen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Maßstab für Wohlstand und Wirtschaftskraft, da es auf Wachstum (um jeden Preis) angewiesen ist und die Bereiche Ökologie und Teilhabe ausklammert.

In der Folgerung fordert Schwab ein Umdenken, das den Menschen ins Zentrum stellt. Dieser Stakeholder-Kapitalismus ermöglicht es, nachhaltigeres Wachstum und Chancengleichheit für künftige Generationen  zu erreichen. Dazu führt er eine Reihe von Beispielen aus Staaten wie China, Dänemark, Deutschland, Neuseeland oder Singapur an, in denen sich Ansätze einer neuen Wirtschaftsordnung bereits bewährt haben und die als Vorbilder für gemeinsame Ziele und Werte dienen können.

Die Notwendigkeit, zu einem nachhaltigeren globalen Wirtschaftssystem zu kommen, zeigt sich in der gegenwärtigen Pandemie besonders deutlich. Daran knüpft der Autor die Hoffnung, „dass wir den Aufschwung nach COVID nutzen, um einen Stakeholder-Kapitalismus zu etablieren“. Als Gründer des Weltwirtschaftsforums finden seine Vorschläge Beachtung in Wirtschaft und Politik. Das macht dieses Buch zu einem der wichtigen Wirtschaftsbücher der nächsten Jahre. (arm)

Professor Klaus Schwab ist Gründer und Executive Chairman des Weltwirtschaftsforums, der internationalen Organisation für öffentlich-private Zusammenarbeit, die vor allem durch ihr Jahrestreffen in Davos, Schweiz, bekannt ist. Co-Autor Peter Vanham ist Head of Chairman’s Communications beim Weltwirtschaftsforum und Autor von “Before I Was CEO”. Er schreibt über die globale Wirtschaft und die Menschen, die sie gestalten.

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