altemaelze

Mass in F Minor

The Electric Prunes

"From the vaults" Dezember 2021
Der erste Schnee ist gefallen, die Adventszeit hat begonnen. Es wird bereits weihnachtlich geschmückt und Kirchenmusik erfreut sich wieder großer Beliebtheit. Dezember ist bekanntlich der Monat, in der Kirchenmusik oder die große Welt der „klassischen“ Musik überhaupt ihre Hochkonjunktur haben. Und deshalb passt das 1968 erschienene Album der Electric Prunes gut in unsere Reihe „from the vaults“ für den Dezember 2021. Gewürdigt wird hier ihre Rockmesse als Symbiose von klassischer und populärer Musik.

Der erste Schnee ist gefallen, die Adventszeit hat begonnen. Es wird bereits weihnachtlich geschmückt und Kirchenmusik erfreut sich wieder großer Beliebtheit. Dezember ist bekanntlich der Monat, in der Kirchenmusik oder die große Welt der „klassischen“ Musik überhaupt ihre Hochkonjunktur haben. Doch es muss nicht immer das Weihnachtsoratorium sein, das in der besinnlichen Zeit rauf und runter gespielt wird. Wer an einem eher experimentelleren Sound, an einer Symbiose von klassischer und populärer Musik interessiert ist, sollte zurück in das Jahre 1968 gehen. In diesem Jahr führten die Kalifornier „The Electric Prunes“ mit „Mass in F Minor“ vor, was eine groß angelegte Rock-Messe ist. Damit fällt sie genau in jene Zeit, in der Rockmusiker immer mehr mit einer Annäherung an die Kunstmusik experimentierten. Gegründet im Jahre 1966, waren die Electric Prunes bis zum Erscheinen der Messe für ihre Mischung aus Psychedelic- und Garage-Rock bekannt. Dieser Ursprung hat natürlich auch deutliche Spuren in der Messe tiefe Spuren hinterlassen, ist sie doch explizit eine Rock-Messe. „Mass in F Minor“ entstand schließlich in Zusammenarbeit mit dem Komponisten David Axelrod und dem damaligen Produzenten Dave Hassinger, wobei sich Axelrod alleine für die Kompositionen und das Arrangement verantwortlich zeichnete. Für die Aufnahmen wurden Studiomusiker dazu geholt und das gewöhnliche Rockinstrumentarium um Bläser und verschiedene Tasteninstrumente erweitert, was zu dem vollen und vielfältigen Klangbild beiträgt und die Komplexität unterstreicht. Vertont wurde das komplette lateinische Messordinarium bestehend aus Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei für ein Rockinstrumentarium. Zusätzlich entschied man sich dafür, auch das Benedictus einzuspielen. Die Besetzung der Instrumentalisten und Gesangsstimmen ist von Teil zu Teil wechselnd, bis auf das Sanctus und das Benedictus stehen die Teile eigenständig. Mit der lateinischen Messe bedienten sich die Electric Prunes einer uralten und traditionsreichen Gattung der Musikgeschichte, die ihre Anfänge bereits im Mittelalter hatte. Sie entwickelte sich von der Ein- zur Mehrstimmigkeit, irgendwann traten zu den Vokalisten Instrumente hinzu. Auch die Electric Prunes versuchten, verschiedenste Elemente aus der Musikgeschichte aufzunehmen und umzusetzen. So erinnern die kurzen einstimmigen Passagen besonders im Kyrie, die ohne instrumentaler Begleitung gesungen werden, an die Tradition des Gregorianischen Chorals. Oder die Einhaltung der Konvention, dass das Gloria feierlich gestaltet wird. Hier werden die Anfangsworte des Gloria wie eine Fanfare über die Musik hinweggeschmettert. Überhaupt werden die Anfangsworte jedes Messteils klar und verständlich deklamiert und meist von einer schwummrigen Orgel eingeleitet, bevor die Musik Fahrt aufnimmt und in einen längeren, rein instrumentalen Teil abdriftet. In diesen instrumentalen Stellen übernehmen dann die Elemente der Rockmusik die Führung, das Gebot von Spannungsaufbau und Entspannung kommt zum Tragen. Ein toller musikalischer Höhepunkt wurde gegen Ende des Gloria platziert. Im Credo ist besonders schön zu hören, wie sich eine schneidende und jaulende Solo-Gitarre behauptet, während der Rest der Besetzung inklusive Bläser das Motiv im Hintergrund spielt. Doch die schönste solistische Einlage ist im Benedictus zu entdecken, die improvisatorisch anmutet und sich zwischen E-Gitarre und Fender Rhodes Piano abspielt. Mit dem wieder feierlichen und majestätischen Agnus Dei wird die komplex angelegte Messe dann nach einer knappen halben Stunde schließlich abgerundet. Die kraftvolle Wirkung auf den Hörenden ist überwältigend. „Mass in F Minor“ ist damit einer der gelungensten Beweise, dass es möglich ist, eine uralte Gattung wie die Messe mit der damals zeitgenössischen Rockmusik und ihren Elementen zu verbinden. Sie hat es eindeutig verdient, in diesem Dezember wieder öfters gehört zu werden, vielleicht sogar unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum! (Reprise) NiKu

 

 

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