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Set Sail

North Mississippi Allstars

„Set Sail“ setzt die Tradition der Band fort, Roots-Musik zu kreieren, die eine bemerkenswerte Vielfalt aufweist. Die Platte sprüht auf den zehn Tracks vor hartem und doch dezentem Groove, gewachsener Folkmusik.

Nichts geht tiefer als Familienbande. Und wenn sich Brüder zum Musikmachen versammeln, kommt das oft laut und deutlich zum Ausdruck. Klappt nicht immer, wie z.B. die Black Crowes zeigen, aber bei den Dickinson-Brüdern schon, den Söhnen von Jim Dickinson, einem bekannten Produzenten und Musiker. Nach 25 Jahren und zwölf Alben öffnen die North Mississippi Allstars auf ihrem dreizehnten Album Set Sail noch einmal ihre Welt und nehmen weitere Familienmitglieder (blutsverwandt und auf der Straße) in den Schoß auf. Der Legende nach gründeten Luther und Cody Dickinson die Band 1996 als loses Kollektiv von gleichgesinnten Musikern. Im Laufe der Jahre änderte sich die Zusammensetzung der Band, und mit jedem neuen Album wurde eine andere Kombination von Mitwirkenden präsentiert. Dieses Mal, für den 13. Longplayer, wurden die Talente von Jesse Williams am Bass und Lamar Williams, Jr. am Gesang genutzt. Während des Allman Betts Band Family Revivals trafen die Dickinsons zum ersten Mal auf Lamar, den Sohn des Allman Brothers-Bassisten Lamar Williams, Sr. und wurden so schnell zu Freunden und Kollaborateuren und ebneten schließlich den Weg für „Set Sail“, dem Nachfolger von „Up and Rolling“ von 2019. „Die Chemie, die wir mit dieser Besetzung haben, ist besonders“, bemerkt Luther. „Wir sind alle Musiker der zweiten Generation und teilen eine telepathische, entspannte Leichtigkeit beim Schaffen und Auftreten. Ich glaube, dass Musik eine Form der Kommunikation mit unseren Liebsten ist, und diese Stimmung mit Mitgliedern einer musikalischen Familie zu beschwören, kann inspirierend sein. Lamar und ich sind Gleichgesinnte. Ich hatte noch nie das Vergnügen, mit einem Gesangspartner wie Lamar zu arbeiten. Er hat eine unverfälschte Qualität in seiner Musikalität, die dich in ihren Bann zieht und dein Herz bricht. Gleichzeitig ist Jesse mit der Musik seiner Brüder und seines Vaters aufgewachsen – so wie wir auch. Er spielt wie ein Geschwisterchen. Ich fühle mich zu musikalischen Familien hingezogen, unabhängig von der Stilrichtung. Wenn wir mit Musikern der zweiten oder dritten Generation spielen, können wir leicht einen unausgesprochenen musikalischen Dialog führen. Das ist keine große Sache; das ist einfach das, was wir tun. Wir mussten nie herausfinden, was es bedeutet, ein Musiker zu sein. Wir alle wissen es von Natur aus.“ Luther fährt fort: „Jede Generation muss sich neu erfinden und die Haut der Älteren abstreifen. Bei „Set Sail“ haben wir das Gefühl, dass wir wieder einmal ‚den Code geknackt‘ haben und wissen, was wir wollen und wie wir es bekommen können.“ „Set Sail“ setzt die Tradition der Band fort, Roots-Musik zu kreieren, die eine bemerkenswerte Vielfalt aufweist. Die Platte sprüht auf den zehn Tracks vor hartem und doch dezentem Groove, gewachsener Folkmusik. Dazu kommt ein Auftritt von Stax Records-Legende William Bell auf dem Track „Never Want To Be Kissed“ (den Bell auch mitgeschrieben und mitproduziert hat). Luthers vielseitiger Gitarrenstil zeichnet sich durch Jazz-Riffs, psychedelische Klänge und gefühlvolles Slide aus. Schlagzeuger und Multiinstrumentalist Cody schöpft aus Roots-Musik, Rock, Jazz, Rap und anderen Stilen, um Rhythmen zu kreieren, die den Sound der Band vorantreiben und sie voranbringen. Ihre beiden Ästhetiken verbinden sich zu diesem einzigartigen Stil der Band, „Primitive Modernism“, in dem Neues und Altes miteinander verschmelzen. Luther bemerkt: „Wir haben uns an unsere anderen größten Einflüsse angelehnt: Folk, Soul und Psychedelic Rock, aber alles, was wir spielen, fühlt sich nach North Mississippi an.“ Und da hat er Recht! (New West Records/PIAS) P.Ro

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