altemaelze

M-16

Sodom

Fast genau zwanzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung erscheint das zehnte Album der Kultruhrpottthrasher Sodom „M-16“ als ‚20th Anniversary Edition‘. Neu gemastered vom aktuellen Schlagzeuger Toni Merkel (ob es sich soundmäßig anders anhört als die Erstversion kann ich mangels Stream und der langen Zeit, wo ich diese CD zuletzt gehört habe, nicht beurteilen) hat es von seiner Wucht, spielerischen Finesse (kein Vergleich zum Gerumpel der Anfangstage) und der textlichen Ausrichtung (es geht um den Vietnamkrieg bzw. gegen Krieg generell) auch heute nichts verloren. Es war zudem das letzte Album, das die Band mit dem damaligen Stammproduzenten Harris Johns aufgenommen hatte. Wem die Vorgänger und besonders „Agent Orange“ schon gefallen haben, der liegt hier genau richtig. Der mal groovig, schleppende („Among the Vietcong“ oder „Napalm in the Morning“ mit Akustikgitarrenintro und Dialog aus „Apocalypse Now“, „M-16“ erinnert gar an „Seasons on the Abyss“ von Slayer)  mal forsch nach vorne stürmende  („Minejumper“,  „Marines“) Thrashmetal mit fetten Doublebass Drums, schneidenden Gitarren (+soli) in bester Slayer Manier und dem typischen Angelripper-Vocals, der auch noch famos den Bass „zupft“, kommt gut rüber. Die Songs an sich sind teilweise sehr lang geworden (fünf Tracks an die fünf bzw. sechs Minuten), werden aber nie langweilig. Komplett aus dem Rahmen fällt der Rausschmeisser „Surfin‘ Bird“, der sich mit seinen Surfgitarren und dem ungewöhnlichen Rhythmus wie eine Thrashmetalversion des Songs „Tequila“ der Band The Champs gepaart mit den Beach Boys anhört. Tatsächlich ist es dann, wenn man Google bemüht, ein Coversong der 60er Jahre Surfsoundband „The Trashmen“. Die Wiederveröffentlichung gibt es dann in diversen Konfigurationen, beginnend mit einer CD Version mit zwei Live Bonus Tracks vom 2001er Wacken Open Air, die identisch mit der LP Version ist. Wer mehr Kohle übrig hat, und auf Vinyl steht,  greift hier dann aber besser zur LP-Box als zur Standardvinylversion. Neben der Box an sich gibt es u. a. ein dickes Buch (die normale Version hat scheinbar nicht mal ein Textblatt, zumindest sieht man nichts auf den Promofotos), einen USB-Stick in Patronenform mit dem Album als mp3 oder WAV-Format und gleich zwei extra „Bootleg“-LPs, die vier Livekonzerte in Ausschnitten enthalten („Live in Wacken 2001“ wobei die beiden Bonus Tracks logischerweise nicht nochmals enthalten sind, „Live in Tokyo 2002“, „Live at Bang your Head 2003“ und „Live in Bangkok 2002“ ), die soundtechnisch aber echt top sind und mit klassischem Bootleg nichts gemein haben. Die Frage, die sich mir hier dennoch stellt, ist die Relevanz zum Album an sich, sind doch unter den 13 Songs nur drei von „M-16“ enthalten und warum man den Rest der Konzerte nicht einfach auf den USB Stick gepackt hat. Die Box kostet immerhin knapp 70 Euro.  Egal, man nimmt es gerne mit. Und warum man die ursprünglich auf der DigiPak-Version enthaltenen zwei Bonustracks nicht noch an die CD mit angehängt hat würde mich auch interessieren, denn Platz wäre ja noch gewesen. Sei es drum. Wer das Teil noch nicht hat sollte es sich unbedingt in den Schrank stellen, ist es doch ein musikalisches Highlight im Schaffen der Band. Eigentlich hätte es sechseinhalb Sterne verdient, aber ob der Tatsache der fehlenden Songs und dass die „Konzerte“ der teuren Schallplattenbox vorbehalten wurden, gibt es hier „nur“ sechs Sterne. (BMG/ADA) HJH

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