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People in Cars

Curse of Lono

Es lohnt sich, in die elf Songs reinzuhören!

Curse of Lono, die Band von Felix Bechtolsheimer, erschien 2016 mit ihrer ersten, selbstbetitelten EP als Soundtrack für den preisgekrönten Kurzfilm „Saturday Night“ auf der Bildfläche. Seitdem veröffentlichte die Combo drei weitere Alben, zuletzt 2019 ein live eingespieltes Akustik-Album. Geplant waren für 2020 die Aufnahmen für einen weiteren Longplayer, doch dann kam covid-19. Die ursprüngliche Fassung von „PiC“ wurde im Juni 2020 im Lockdown einzeln von den Musikern eingespielt. Aufgrund seiner Erschütterung durch den Tod seines Vaters im April begann Bechtolsheimer neue Songs zu schreiben, wie „Man down“ oder das neunminütige „Timeslipping“, um die Trauer einigermaßen zu verarbeiten. Im August kam dann die nächste Hiobsbotschaft – Felix‘ frühere Lebensgefährtin starb an einer Überdosis. Ihr ist der Song „So damned beautiful“ gewidmet, den er im Duett mit der kanadischen Sängerin Tess Parks singt. Die dunklen Gedanken waren zurück. „Alabaster Charlie“ ist für einen weiteren, seit 13 Jahren toten Freund, und in „Let your love rain down on me“ erinnert sich Felix an ziellose Autofahrten durch Florida, die er vor 20 Jahren gemacht hat, um den psychischen und physischen Schmerz zu verdrängen, den damals der Entzug für ihn brachte. Doch es gibt auch leichtere Kost auf diesem Album, nämlich die Titel, die vor dem Lockdown und den privaten Tragödien entstanden sind, z.B. „Buy the ticket, take the ride“ oder das poppige „Ursula Andress“. Während der Aufnahmen wurde es zudem bei CoL immer einsamer, ein Bandmitglied nach dem anderen verließ die Band und suchte sich Jobs, um die Pandemie zu überstehen. Doch Felix machte weiter, mit seinem alten Freund Oli Bayston, mit dem er schon die Songs für die erste EP aufgenommen hatte, mit Pedal Steel-Gitarrist Joe Harvey-Whyte und dem Drummer Liam Hutton. Mit ihnen machte er die Produktion fertig. „Es ist ein bißchen ein Solo-Ding geworden, dafür kann ich jetzt machen, was ich will“, kommentiert Felix und fügt hinzu: „Ich habe nun dieses Album, ich musste es machen. Und es ist eines meiner liebsten Alben geworden. Ich habe letztes Jahr meinen Vater, meinen Onkel, meine Ex-Partnerin und meine Band verloren und dieses Album ist so etwas wie ein Schrein für mich“. Und es lohnt sich, in die elf Songs reinzuhören! (Submarine Cat Records/Rough Trade) P.Ro

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