altemaelze

Sie, du und ich

Hanika Straub Banez

Wer ein Fan der Liedermachermusik ist liegt hier absolut richtig.

Mit „Sie, du und ich“ veröffentlicht das Mädelstrio Hanika Straub Banez ihr Debütalbum. Nachdem Miriam Hanika, Sarah Straub und Tamara Banez schon länger auf dem Label ‚Sturm & Klang‘ von Konstantin Wecker unter Vertrag stehen reifte im Laufe der gemeinsamen „Auftritte“ bei diversen Streaming-Konzerten des Labels, aber auch der Künstlerinnen bzw. von Konstantin Wecker,  die Idee, doch gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Den ersten musikalischen Vorgeschmack gab es dann mit dem Lied „Sistas“ Ende 2020, den man sich bei YouTube in einer „Liveversion“ ansehen kann und der es dann schlussendlich nicht auf das Album geschafft hat. Musikalisch gibt es auf diesem Longplayer ganz klassische Liedermachermusik im Sinne von Wecker, Wader, Mey (die auch schon in einer Triokonstellation unterwegs waren) mit einer Reduktion auf das Nötigste: Piano, Oboe  (Miriam) und ab und an etwas elektronische Einsprengsel, die auf das Konto von Tamara gehen. Wer hier also poppiges oder gar rockiges erwartet, sollte sich dann doch lieber woanders umhören. Ansonsten liegt der Fokus ganz klar auf den drei doch so unterschiedlichen Stimmen der Damen, die sich den Gesang in den Songs schwesterlich teilen und in den dreistimmig gesungenen Refrains doch wunderbar harmonieren und hier dann gar an die Musik der 40er Jahre erinnern, wie es sie z.B. bei den berühmten Andrews Sisters in Amerika gab. Leider gibt es unter den elf Songs auf dem Album mit „Girl*Power“ nur einen gemeinsam geschriebenen Song, der dann auch einen Teil der Message des Trios transportiert: Gemeinsam sind wir stark. Der Rest besteht aus zwei Konstantin Wecker-Stücken („Ich liebe diese Hure“ aus Damenmund gesungen ist schon sehr interessant und „Die weiße Rose) sowie eigenen Songs der einzelnen Ladies. Für mich war die Trioversion von „Lass es raus“ (in einer anderen Version auf der aktuellen EP „Tacheles“ von Sarah Straub enthalten) ein Highlight, zeigt es doch nochmals ganz andere Facetten des Liedes. Die Texte haben alle eine Message, simples BlaBla findet hier keinen Platz. Neben dem bereits erwähnten „Girl*Power“ (steht auch für Feminismus, denke ich) gibt es Provokantes („Ich liebe diese Hure“), Fragen zur Umwelt („Mayday“ als eine Art Dialog zwischen Mensch und Erde und wie wir sie retten können; tolle Version die mir viel besser gefällt als die Solo Version: Sorry Tamara), Politisches gegen rechte Einflüsse („Die weiße Rose“), Frivoles („Emanuel et moi“: Fickliste und viel Sex aus Frauenmund hört man eher selten bzw. außer im Rap Bereich oder bei Steel Panther eher nie ;-)) oder generell Nachdenkliches rund um das Leben („Sehnsucht“ bzw. „Diese große Liebe“). Man sieht, die Damen haben einiges zu sagen. Die Produktion ist Hammer, man hört alle Stimmen perfekt heraus und diese bilden eine homogene Einheit mit der Instrumentierung. Wer also ein Fan der Liedermachermusik ist liegt hier absolut richtig. Von meiner Seite gibt es hier sechs Punkte (4 für die Musik, da nicht meins, 7 für Gesang und Texte plus 0,5 als Sarah Straub Bonus) mit dem Hinweis auf YouTube, wo es im offiziellem Kanal bereits einige Video (u.a. zu „Das Spiel“) gibt. Ich bin jedenfalls gespannt, wo die Reise noch hingeht und wie sich das nächste Album, wo dann hoffentlich mehr zusammen verfasste Lieder enthalten sind, anhört.  Auf Tour sind sie dann 2022 (wenn nichts dazwischen kommt) und man sollte die Chance nutzen und sich das Live ansehen. (Sturm & Klang) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

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