altemaelze

Tandem

Alexandra Lehmler & Matthias Debus

Diese mutigen und freien Klangkaskadenkönnen dem einen oder anderen Freejazz-Fan ein anerkennendes Nicken entlocken!

Alexandra Lehmler stammt aus Mannheim und spielt an Saxophon-verwandten Blattinstrumenten vermutlich alles, was sich nicht bei drei zurück in Schilfrohr verwandelt: virtuos, eigenwillig und das alles mit einer runden, warmen Tongebung. Der Kontrabasser Matthias Debus war schon in vorherigen Formationen mit dabei, er erweitert das Klangspektrum und sorgt für ein rhythmisches Gewand.  Die beiden haben ein pandemiekonformes Duoalbum eingespielt, in dem – auch im Cover-Artwork – auffällig viel Geflügel herumflattert – vielleicht weil das leibhaftige Fliegen den meisten von uns in letzter Zeit eher versagt war. Die „Songs“ erscheinen zu Beginn oft genug „nur“ als verdichtete Klangstudien, aus deren komplexen Strukturen sich plötzlich sehr eingängige Melodien entwickeln. In „Flieg kleiner Vogel“ wird die selbstauferlegte Zweistimmigkeit mittels Loop- und Mehrspurverfahren zu einer agilen Polyphonie erweitert, die auf völlig unverstaubte Weise selbst dem guten alten New Orleans-Style noch Reverenz erweisen kann. Die Instrumente werden nicht von vielen anderen überlagert, sondern stehen für sich alleine, gut hörbar im Klangraum. Ok, das Ergebnis ist keinesfalls raudiotauglich und mitunter echt schwere Kost. Die Stücke wollen partout nicht ins Ohr gehen. Die beiden haben offenbar eine Abneigung gegen Ohrwürmer. Jedoch könnten diese mutigen und freien Klangkaskaden dem einen oder anderen Freejazz-Fan ein anerkennendes Nicken entlocken. (Neuklang) HuGe

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

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