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At The Carousel Ballroom (April 24, 1968)

Johnny Cash

Kann nach den berühmten Konzerten von Folsom Prison und San Quentin noch viel kommen? Es kann! Die Show “At the Carousel Ballroom”, aufgenommen im April 1968, ist energetisch, lässig und von bestechender Tonqualität!

Seit bald zwei Jahrzehnten ist Johnny Cash schon nicht mehr unter den Lebenden, doch sein Nachlass gibt immer noch einiges her wie diese Veröffentlichung zeigt. Vor über 50 Jahren, genau 1968, veröffentlicht Johnny Cash seine beiden kultigen und umsatzstärksten Alben „At Folsom Prison“ und „At San Quentin“. Cash hatte damals einen Lauf und damit schien dieses Jahr erfolgreich abgeschlossen zu sein. Aber jetzt, dreiundfünfzig Jahre später, ist ein verlorenes Kapitel aufgetaucht, das die Geschichte dieses sehr guten Jahres bereichert und ergänzt. „Johnny Cash at the Carousel Ballroom“, aufgenommen am 24. April 1968 in San Francisco, zeigt den ‚Man in Black‘ auf dem Höhepunkt seiner charismatischen Kräfte. Wir hören ihn in einem spielerischen und kraftvollen Dialog mit seiner nicht nur musikalischen Partnerin June Carter und seinen langjährigen Musikern – dem Gitarristen Luther Perkins, dem Bassisten Marshall Grant und dem Schlagzeuger W.S. Holland -, der sich mit einem Publikum verbindet, das eher an Grateful Dead und Jefferson Airplane gewöhnt ist, und der sich cool und selbstbewusst von seiner eher formalisierten Setlist entfernt. Bei den 28 Songs sind eben nicht nur JC-Klassiker wie „Ring of fire“ oder „I walk the line“ zu hören. Einen besonderen Stellenwert genießen in der Setlist aber auch die zwei Dylan-Coversongs “Don´t Think Twice It´s Alright” und “One Too Many Mornings”. Sie erinnern daran, dass die beiden so unterschiedlichen Musik-Genies einst eine künstlerische Seelenverwandtschaft verband. Überzeugend sind auch die Versionen von “Cocaine Blues” beispielsweise, das coole “The Long Black Veil” oder das superrasante “Orange Blossom Special”. Mehr noch: Er stellte an diesem Abend einen Dialog mit dem Publikum her. Was diesen Auftritt noch bedeutender macht, ist die Tatsache, dass er von dem innovativen Klangzauberer Owsley ‚Bear‘ Stanley in einem veritablen Stil aufgenommen wurde, der mit einer Klarheit und Dimension verblüfft, die den beiden bekannteren Veröffentlichungen fehlt. Im Jahr 1968 war es nur ein weiterer Eintrag in Bears fortlaufendem „sonic journal“ von aufgenommenen Shows, ein Mittel, um seine Kunst weiter zu verbessern. Aber jetzt, Jahrzehnte später würde Stanley es als eine von einer Handvoll der bedeutendsten Performances erkennen, die er damals aufgenommen hatte. Ihm ist es zu verdanken, dass der Sound von “Live at the Carousel Ballroom, April 24 1968” wohl noch besser ist, als von den “At Folsom Prison”- und “At San Quentin”-Mitschnitten, wie manche Experten meinen. Ob dieser CD-Nachzügler aber einen ähnlichen Kult-Charakter erlangen kann, muss bezweifelt werden. Das Werk kommt dafür leider einfach: zu spät. Doch egal. Cash-Jünger, und davon gibt es auch heute noch genug, werden sich an diesem Live-Dokument garantiert erfreuen, denn Johnny Cash war an jenem Abend voll im Saft und dazu bestens gelaunt. (BMG Rights Management/Warner) P.Ro

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