altemaelze

The Hungry Heart

Smalltape

The Hungry Heart“ ist ein sehr gut durchdachtes und geschmackvolles Album für Leute, die auf ArtRock stehen und keine Angst vor elektronischen Einflüssen haben.

„The Hungry Heart“ – so nennt sich das dritte Album des Berliner Künstlers Phillip Nespital aka Smalltape. Das aus zehn Songs bestehende Werk ist in physischer Form auf zwei Tonträger aufgeteilt (2CD’s bzw. 2LP’s). Was hierbei auffällt ist die auf dem ersten Blick eher unkonventionelle Aufteilung.  Auf der ersten Scheibe befinden sich acht der zehn Songs, während auf der zweiten lediglich zwei Songs ihren Platz finden. Der letzte Song allerdings fällt durch seine Länge auf, hier lässt sich Nesbital ganze 21 Minuten und 15 Sekunden Zeit. Hört man das Album am Stück durch, merkt man, dass die Aufteilung auf zwei Tonträger wohl vor allem eine künstlerische Entscheidung sein dürfte. Da hebt sich Album #2 doch ganz schön vom ersten ab. Aber was kann man beim Hören von „The Hungry Heart“ erwarten?

Dass es sich bei dieser Veröffentlichung um ein Gesamtwerk und nicht um eine bloße Sammlung von Songs handelt, macht Smalltape schon im ersten Titel klar. Dieser beginnt atmosphärisch, baut sich zunächst langsam auf. Nespital lässt sich Zeit, es werden Stück für Stück neue Instrumente und Effekte eingebracht. Zum Ende hin wird diese ruhige Stimmung durch eine weitere diesmal weitaus epischere Steigung durchbrochen, um in den letzten Zügen von einem Drumcomputerbeat abgelöst zu werden, welcher ohne Unterbrechung in den zweiten Song übergeht. Nespital beweist auf diesem Album sein Händchen einen Vibe zu kreieren. Es ist ein vielfältiges, homogenes Gesamtkunstwerk, welches trotz seiner teils minimalistischen Parts keinen Grund zur Langeweile bietet.  So lässt Smalltape die Zuhörenden im Song “Our Desert” ruhig, melancholisch vor sich hinträumen, nur um sie im nächsten Song “One Day” durch das einsetzende Schlagzeug und die verzerrte Stimme wieder unsanft aus dem Schlaf zu reißen. Dieser Song ist es dann auch welcher unmissverständlich deutlich macht, dass Nespital durchaus politische und gesellschaftliche Themen auf der Scheibe verarbeitet. So finden in dem Song auch mehrere Samples ihren Platz, unter anderem der Satz:”…how did science suddenly become a matter of perspective?…” Dieser Satz und viele weitere werden in einem art C- Part übereinander gelegt, hierdurch entsteht ein regelrechtes Stimmengewirr, welches dann schlussendlich mit einem fetten Gitarrensolo abgelöst wird.  Solche überraschenden und erfrischenden Momente finden sich auf der ersten CD immer wieder und machen das Hören zu einem wahren Erlebnis, welches die Zuhörenden in eine andere Welt entführt. Auf der zweiten CD ändert sich die Herangehensweise ein wenig. Es geht wesentlich ruhiger zu, weniger Effekte kommen zum Einsatz. Der erste Song dieser CD besteht vor allem aus einem Piano und plätschert unaufgeregt vor sich hin. Der letzte Song der Platte, welcher in seinen über 20 Minuten sehr viel Platz für Solos bietet schließt das Album perfekt ab. In dem Song stecken viele Spannungsbögen, viele Stellen um durch zu schnaufen und zum Ende des Songs bezieht sich Smalltape nochmals auf sein Hungry Heart und schließt somit den Kreis.

Fazit: „The Hungry Heart“ ist ein sehr gut durchdachtes und geschmackvolles Album. Leuten die auf ArtRock stehen und keine Angst vor elektronischen Einflüssen haben kann ich das Album nur wärmstens empfehlen. Ich persönlich habe vor allem an der ersten CD Freude gefunden, da diese einen so richtig mitnimmt und immer wieder überrascht. Mit der zweiten CD und dem dazugehörigen Longtrack konnte ich persönlich nicht allzuviel anfangen. Fans von Tracks die über die 20 Minuten- Grenze hinausgehen sollte aber vor allem dieser besonders zusagen. (Self Release) mn

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

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