altemaelze

Dear America

Eric Bibb

Ein großartiges Blues Album mit einer wichtigen Message für uns alle, das er selber als Liebesbrief an sein Heimatland sieht.

Eric Bibb ist 1951 in New York City geboren. Sein Vater, der verstorbene Leon Bibb, war der Urknall für ihn, der alles in Gang setzte: ein charismatischer Sänger, Schauspieler und Anführer der Männer, die ’65 mit Martin Luther King in Selma marschierten. Er bewegte sich in der Umlaufbahn von sozial inspirierenden Persönlichkeiten wie Bob Dylan und Paul Robeson (Erics Patenonkel). Er hat die damalige Energie des Auf- und Umbruchs der 60er Jahre hautnah mitbekommen. Mittlerweile lebt er in Schweden, im Herzen ist Bibb jedoch immer Amerikaner geblieben. Die Spaltung seines Heimatlandes, Black Live Matters, die Pandemie, und ja auch der Hass in seinem Land, hat ihn zu seinem neuen Album inspiriert. Eric Bibb ist ein Barde – ein Blues Barde und sagt, es gibt keine bessere Zeit um Songs zu schreiben. Er hat sich Unterstützung von Gitarrenwunder Eric Gales geholt und “Dear America” in New York aufgenommen. “Whole LoPa lovin” (feat. Ron Carter) kommt leichtflüssig und erzählt was er alles mag – vor allem die Liebe. “Born of a Woman” ist mein erster Anspieltipp. Jeder Mann auf dieser Erde wurde von einer Frau geboren und diese sollte alleine dafür respektiert werden. Shaneeka Simon – eine großartige Sängerin unterstützt ihn dabei. “The whole worlds got the Blues” feat. Eric Gales ist ein Testament, wie es momentan auf unserer Welt zugeht. “Dear America” ist seine Hommage und gleichzeitig ein Appell – “America what in the world are you gonna do”. Eric Bibb ist ein Meister darin, aktuelle und sicherlich unbeliebte Themen anzusprechen, seine Eindrücke und Gefühle zu transportieren. Er schafft das mühelos und, was mich vor allem beeindruckt, ohne erhobenen Zeigefinger. “Different Picture” vergleicht die 1952er mit der heutigen Zeit – vieles wiederholt sich. “Tell yourself” ist das beste Beispiel dafür – er fragt den Hörer, was kannst Du tun in dieser schweren Zeit, lässt uns nicht vergessen, dass jeder einzelne seinen Weg finden kann. “White and Black” thematisiert die tief verwurzelte Spaltung von schwarzen und weißen Menschen – irgendwas sollten wir doch daraus lernen. “Dear America” ist ein Meisterwerk, 13 wunderbare Lieder mit soviel Aussage, das meiner Meinung nach eine Grammy Nominierung verdient hat. Ein großartiges Blues Album mit einer wichtigen Message für uns alle, das er selber als Liebesbrief an sein Heimatland sieht. (Provogue Records) FuD

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