altemaelze

Cannonball Run

The Gasölines

Hier mal wieder eine Insider-Kritik von Klaus „schwafi“ Schwarzfischer – diesmal hat er The Gasölines aus Norwegen begutachtet und überschreibt seine Kritik mit „Ein Tank voll Benzin“.  

„Von Norwegen lernen, heißt E-Auto fahren lernen“, titelte die Wirtschaftswoche vom 8. März 2021. Im Jahr 2020 seien über die Hälfte aller in Norwegen zugelassenen Pkws Elektrofahrzeuge gewesen. Vorbildlich. Nachahmenswert. Ein richtiger Schritt in die klimaneutrale, wenn nicht sogar klimapositive Zukunft. Dann das: Die norwegischen Retrohardpunkrocker The Gasölines bringen das Album ‚Cannonball Run‘ heraus. Richtig böse Weltzerstörerbuben, die partout nicht einsehen wollen, dass die Tage des Verbrennungsmotors gezählt sind.

The Gasölines rasen mit einem hochtourig übersetzten Zehnganggetriebe den Musik-Highway rauf und runter, dass einem als Ottonormalmusikverkehrsteilnehmer die Ohren im Fahrtwind schlackern. Bleifuß! Ein Musikkritiker kennt keine Todesangst. Wenn doch, gäbe er es nie zu. Eine halbe Stunde später ist alles überstanden. Leider. ‚Cannonball Run‘ macht Spaß. Der Opener „Autobahn Outlaws“ klingt nach Ramones auf Speed. Auf High-Speed. „Go! Go! Go!“ kommt mit einer Drehzahl daher, deren Taktvorgabe selbst die gelenkelastischen Hüften der jüngeren Go-go-Girls in der vorbeifliegenden Highway-Stripteasebar überfordern würde. „Last Dollar“ überholt BatoutofHell-Motorradler Meatlove (RIP) links, bevor er sein „What the F …“ zu Ende grummeln kann. Bei „Booze, Gambling & Hotrods“ klatscht einem der Sound von Alice Coopers (kennt den noch jemand?) ‚Billion Dollar Babies‘ (kennt das noch jemand?) entgegen. Nur fetter. Hochschalten. Lauter! „Chicken Race with the Devil“ scheucht auch die letzte Henne von der Standspur. Gitarre, Gitarre, Hard Guy-Gegröle. Geht noch was? „Speed Freaks“ macht seinem Titel alle Ehre. „Demolition Derby“, des Stabreims wegen mit Doppel-D, also Double-Bass-Drum heruntergedroschen, kratzt haarscharf an der rostigen Kurvenleitplanke mit abgeblättertem Sex Pistols-Graffiti entlang. „Fireball Garage“ ginge auch als irisches Sauflied im Notstromkompressor-Rhythmus durch. Prost! Sláinte! Skål! Don’t drink and drive! Oder doch? Nach „Queen of Hearts“ bremsen wir mit dem „Whiskey Blues“ die Karre herunter, nicht ohne die Rennpferde unter der Motorhaube ein letztes Mal im roten Bereich über die Asphaltprärie zu jagen. Brrrrr. Der Tank ist leer.

Ich übertrage die von der Redaktion vertrauensvoll und kostenlos zur Verfügung gestellten Songs rechtswidrig auf einen Stick und schiebe ihn in den USB-Anschluss meines Elektro-Autos. Geht genauso ab. Nur klimapositiver. (Speed Club Records) schwafi

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

 

 

 

 

Share on facebook
Share on twitter