altemaelze

Wiener Zucker

Kahlenberg

Die Schnöselpunks von Kahlenberg aus den Neustifter Weinbergen legen ihren Zweitling vor.

Üppig gezuckert sind in Österreich nicht nur Mehlspeisen. Auch die Sprache trieft bei unseren Alpen-Nachbarn manchmal bittersüß aus dem Schmelztiegel glorreich vergangener Tage. Das zeigt sich auch bei den Texten der Schnöselpunks von Kahlenberg aus den Neustifter Weinbergen. Den Moment zu leben, heißt für einen Kahlenberger gepflegt auf das morgen zu defäkieren. Ob nun subtile Reichenkritik oder genussvolles Eintauchen in die Leichtigkeit des Seins der Upper-Class. Kahlenberg sind sowas wie der missing Link zwischen Wanda und Kreisky. Mit ironischem Unterton und Wiener Schmäh behandeln sie in ihren Songs Kitzbühel und den gepuderten Skizirkus (“Hahnenkamm”) oder “Chanel”, denn “Nobel geht die Welt zugrunde” zur Dekadenz eines Schampus und Offbeat – alles auf ihrem kommenden zweiten Album zu hören. Nach ihrem 2019er Debutalbum „Dirty Penzing“ kommt am 1. Oktober der Nachfolger mit dem süßen Titel „Wiener Zucker“. 2020 begann die Zusammenarbeit von Frank Hoffmann (Gesang), Raphael Sas (Gitarre), Dominik Beyer (Keyboard), Dominik Mayr (Bass) und Wolfgang Kanduth (Drums) mit dem Produzenten Paul Gallister, der für das zweite Album verantwortlich zeichnet, und schon Wanda und den Nino aus Wien produziert hat. Als Gastmusiker fungierte Ernst Molden, dessen Wurzeln ebenfalls in Döbling liegen. Sie verbraten zeitlosen Pop und Indie-Sprengsel, schielen auf große Mitsingmomente und sind doch nicht ganz geradeaus unterwegs in ihren Songs, die immer wieder gerne mal eine tolle abseitige Textkurve nehmen. Robert Rotifer von FM4 meinte zu dieser Band:Kahlenberg, die Band, hat etwas, das aufgehen wird, ja muss, wie der Biscuit in einer Döblinger Konditorei. Sänger Frank Hoffmann ist die Antwort des hügeligen Westens von Wien auf Marco Wanda und den Nino aus der Stadt bzw. Kagran. Der selbstentlarvende Zynismus, das Suhlen in der permanenten Peinlichkeit der Oberschicht wird hier zum Gegengift zur im Wienerischen Pop grassierenden Romantisierung des Elends.“ Dieser Wiener Zucker ist ganz offensichtlich aus purem Kristall. Die Jungs sollten bald mal auch nach Regensburg kommen, solcher Rockschmäh kommt bei uns gut an, wer Wanda, den Nino aus Wien oder Voodoo Jürgens mag, wird diese zehn Songs auch mögen. (Affluenza Music) P.Ro

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