altemaelze

Much too young to rock’n’roll

Speedy

Eine Kaufempfehlung für Freunde des Obskuren, die ein Herz haben für eine putzige Mischung aus Rock, Pop, Glam und Boogie.

Mit der Band „Speedy“ aus Heidelberg und der Compilation „Much too young to rock’n’Roll“ gibt es die nächste obskure Veröffentlichung von Trüffelsucher Neudi auf Golden Core Records. Gestartet als Teenieschülerband ähnlich wie The Teens, nur mit mehr Schmackes, schaffte man es sogar in die Sendung „Disco“ mit Ilja Richter mit dem härtesten Song des Albums „Fight like a Fighter“. Vermutlich habe ich sie damals da sogar gesehen. Mit der großen Karriere wurde es dann doch nichts. Die Band sollte im Vorprogramm von Def Leppard auftreten. Leider waren die Eltern dagegen (die Mitglieder waren ja alle noch nicht volljährig) und somit die Band bald wieder Geschichte. Hard Rock, wie im Pressetext geschrieben, finde ich zwar nicht auf der Scheibe, dafür aber mitunter recht flotten Rock, der z.B. mal nach Status Quo tönt mit ordentlich Boogie unter Haube bei „Willy is back“. Hier gibt es ein cooles Piano noch mit oben drauf und tolle Gitarrenarbeit. Der Song wurde auch als Single ausgekoppelt (neben drei weiteren Songs) und erschien zudem 2020 in einer Neuaufnahme zum Comeback der Band, die nun als Trio in fast Originalbesetzung wieder unterwegs ist. Der Einstieg ins Album, das bereits erwähnte „Fight like a Fighter“ ist eins von den flotteren Nummern und geht mit fetten Drums, schön präsentem Bass und origineller Gitarrenarbeit schon etwas Richtung Def Leppard. Beim dunkel gefärbten Gesang glaubt man nicht, dass die Jungs noch Teenies waren. Generell erinnern mich die recht kurzen Songs (fast alle zwischen zwei und drei Minuten) dann auch musikalisch öfter an die 70er Jahre – also an Smokie mit Chris Norman am Gesang, als die noch etwas rockiger unterwegs waren. Bei „Desperation“ könnte man fast meinen einen unveröffentlichten Frankie Miller Song zu hören. Und beim Albumcloser, dem ruhigen nur zwei minütigen „All we need is a better Time“ mit Trompete, sieht man sich doch glatt in einem irischen Pub mit einem Bier in der Hand sitzen.  Eher Pop als Rock gibt es bei „Highway Queen“ zu hören und über die Texte sollte man lieber nicht zu sehr nachdenken ;-). Als Bonus Tracks gibt es noch zwei Singles mit zwei Songs, die auf dem Album nicht enthalten sind („Lost in a Dream with Marilyn“ und dem rockigen „Hurt your feelings“) sowie zwei gutklassigen Coverversion von „Glad all over“ (The Dave Clark Five)  bzw „All right now“ (Free). Die beiden jeweils letztgenannten Lieder wurden unter dem „neuen“, erwachseneren Bandnamen Speed veröffentlicht, führten dann aber leider ins Nirgendwo und beendeten vorerst die Musikkarriere. Wäre sicher interessant gewesen, ob man einen längeren Atem als The Teens dann gehabt hätte. Der Sound ist für so ein obskures Teil wie immer sehr gut. Man hört kaum, dass es von Patrick Engel von Vinyl transferiert wurde und auch das Mastering von Neudi kann sich wie immer hören lassen. Von meiner Seite gibt es viereinhalb von sieben möglichen Sternen und eine Kaufempfehlung für Freunde des Obskuren, die ein Herz haben für eine putzige Mischung aus Rock, Pop, Glam und Boogie. Alle anderen hören/schauen  sich mal lieber bei YouTube das Video vorher an. (Golden Core Records) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

 

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