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Norbert Schneider & Band

Kritik zum Konzert am 8. August im Stadt-Theater in Amberg

Mit Austro-Pop und Soul auf dem Weg ins Paradies: Gitarrist und Sänger Norbert Schneider schürft tief in der Geschichte: So verleiht er dem Sound der Danzer-Ära eine neue Qualität!

In der besten aller Welten, in der läuft natürlich auch denkbar optimale Musik. Nach seinem fulminanten Auftritt im Amberger Stadttheater ist klar: Der Wiener Norbert Schneider und seine siebenköpfige Begleitcombo, sie wären ganz bestimmt eine der ersten Ansprech-Adressen, wenn’s drum geht, eine Hausband zu verpflichten, für ein solches sonisches Paradies. Denn der vom Jazz und vom Blues herkommende Sänger, bewaffnet mit einer Gibson L5 aus jenem Jahr 1939, in dem nicht nur der zweite Weltkrieg losdonnerte, sondern Charlie Christian auch die Ära des elektrischen Verstärkers einläutete, er schlägt mit leichter Hand einen weiten Bogen über ein ganzes Jahrhundert und bringt so die vielstimmigen Saiten der Musikgeschichte zum Erklingen.

Und landet deshalb zielsicher beim Austro-Pop, weil er – wie er als hochgewachsener, fesch frisierter und stilecht gekleideter Charmeur einräumt – auch von der eigenen Großmutter verstanden werden wollte. Die nämlich stammt wie er aus der Marktgemeinde Prottes im Bezirk Gänserndorf im Weinviertel, und ist vom Englischen so weit entfernt wie, sagen wir Heinz-Christian Strache von der absoluten Mehrheit. Oder die Rapid vom Champions-League-Titel.

Mit Zeilen wie „Herrgott, schau obi auf mi“ (so der Titel seines größten Hits) dagegen versteht ihn nicht nur die Großelterngeneration. Seine Musik, sie wird durch die Kombination mit Wiener Dialekt extrem sympathisch und zugänglich. So dass auch Vintage-Skeptiker oder Analog-Bedenkenträger nicht anders können, als einzustimmen.

Trotzdem ist es schon sehr schade, dass sich hier in Amberg im Stadttheater nur eine überschaubare Zahl an Zuschauern versammelt hat. Das hat natürlich auch mit der etwas kuriosen Terminwahl zu tun: Weil parallel am Landesgartenschaugelände ein Gratis-Festival angesetzt ist, bei dem sich 3.000 Gäste tummeln, an diesem Sonntagabend. In seinem Heimatland aber füllt Norbert Schneider als dreifacher Amadeus-Gewinner auch mal die Wiener Staatsoper. Und ist dort das, was man einen Star nennt, ein im ganzen Land bekannter bunter Hund, der bei den Dancing Stars ebenso wie bei Promi-Galas vertreten ist.

Weshalb er hierzulande unbedingt jenen Zuspruch verdient hätte, den Landsleute wie Bilderbuch, Wanda, Voodoo Jürgens, Der Nino aus Wien oder 5/8erl in Ehr’n längst genießen. Eine der Wurzeln für seinen enormen Erfolg zwischen Neusiedler See und Vorarlberg ist das Album „Neuaufnahme“. Das er 2016 dem viel zu früh verstorbenen Georg Danzer gewidmet. Auch hier in Amberg spielt er einige Songs davon – und führt dabei ganz nebenbei sein Arbeitsprinzip vor: Nicht eine Eins-zu-eins-Reproduktion etwa ist sein Ziel, sondern das Gegenteil. Nämlich eine eigenständige Neuinterpretation des Materials. So, als würde er einige Oldtimer auseinanderschrauben, sämtliche Einzelteile dann in Öl baden und sodann in der Werkstatt ein gänzlich neues Fahrzeug entstehen zu lassen.

Weshalb der Titel „Traurig aber wahr“ in der Norbert Schneider-Fassung auch plötzlich sein Potential als Soulhymne der Extraklasse offenbart, mit Hammondorgel, Bläsern und mehrstimmigem Gesang. So dass man sich glatt nach New Orleans zu den Neville Brothers versetzt fühlen könnte. Oder auch, wie mir abschließend noch Flügelhornist Dominik Fuss (der übrigens kürzlich an einem Jazz-Weekend-Wochenende auch hier in Regensburg im Thon Dittmer-Innenhof zu Gast war, mit dem Florian Klinger Quintett) in den Block diktiert: „Wir haben uns ganz stark vom Marvin Gaye und seinen Gesangsarrangements beeinflussen lassen!“

Ja, wenn man sich da nicht glatt ins Paradies versetzt fühlen dürfte? (Peter Geiger)

Fotokredit: Peter Geiger

 

 

 

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