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Shenzhen – Zukunft Made in China

Frank Sieren

Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, mit Abb., 22 Euro
Zwischen Kreativität und Kontrolle – die junge Megacity, die unsere Welt verändert

Frank Sieren ist einer der führenden deutschen China-Experten. Der Journalist, Buchautor und Dokumentarfilmer lebt seit 27 Jahren in China – länger als jeder andere westliche Wirtschaftsjournalist. In den vergangenen Jahren arbeitete er als Korrespondent für die »Süddeutsche Zeitung«, die »Wirtschaftswoche«, die »Zeit«, das »Handelsblatt«, den »Tagesspiegel« und die Deutsche Welle. Er veröffentlichte bereits mehrere Bücher über China, zuletzt »Zukunft? China!«.

Wer wissen möchte, welche Technologien die Welt prägen werden, wie wir und vor allem unsere Kinder bald schon leben werden, müsse durch Shenzhen streifen. Die 20-Millionen-Metropole in Südchina gehört zu den innovativsten Städten der Welt. Eine Megacity, die quasi aus dem Nichts entstand, und nach Shanghai und Peking als die drittgrößte Wirtschaftskraft Chinas gilt.

In acht Kapiteln beschäftigt sich der Autor mit Themen, die diese Wirtschafts- und Innovationskraft zeigen. Der Bau von Standard-Hochhäusern, die ermöglichen, dass etwa eine halbe Million Menschen pro Jahr neu in die Stadt übersiedeln, kontrastiert mit Bauten internationaler Stararchitekten, die im modernen China Pläne verwirklichen können, für die es in Europa keine Möglichkeiten gibt. Ein zukunftsweisendes Verkehrssystem, in dem der öffentliche Nahverkehr Priorität hat, in dem alle Busse elektrisch fahren, Motorräder mit Verbrennungsmotor verboten sind, soll den Verkehrskollaps verhindern. Nachhaltigkeit und moderne Lebensqualität stehen im Fokus der Planungen für die öffentliche Infrastruktur. Dazu gehört auch der Trend bei den chinesischen „Millenials“, das sind ungefähr 400 Millionen Menschen, verstärkt auf vegetarisches Essen umzusteigen und den Fleischkonsum zu reduzieren, stattdessen „fleischloses Fleisch“ zu essen und damit den Klimawandel zu bremsen.

Auf der anderen Seite des modernen China stehen aber Gesichtserkennung und Überwachung der Menschen, die für Übertretungen beispielsweise im Straßenverkehr öffentlich auf großen Schautafeln mit Bild und Namen angeprangert werden. In einem politischen System, das ohne Pressefreiheit, ohne konkurrierende Parteien, mit einer autoritären Führung und mit einem schwachen Rechtssystem ausgestattet ist, ist die Kontrolle der vielen Menschen für den Erhalt dieses Machtgefüges überlebenswichtig.

Dass das Bezahlsystem ausschließlich online mit dem Handy funktioniert,  muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden, und ein 5G-Netz ist nahezu überall in der Metropolregion vorhanden. So siedeln sich in der Region auch die innovativsten Start-ups an, die „inzwischen das Silicon Valley in den Schatten stellen“, meint der Autor, und die zu den wertvollsten der Welt gehören. Shenzhen zieht auch immer mehr junge Talente aus aller Welt an, die nachts in eine ausgelassene Subkultur eintauchen können. Eine Stadt mit Modellcharakter und doch voller Ambivalenz. Frank Sieren zeigt, wie man dort lebt, wohnt und arbeitet und was wir von dort zu erwarten haben. Mit der Illusion der Kontrolle Chinas durch den Westen macht der Autor jedenfalls ein für alle Mal Schluss. (arm)

 

 

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