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Diamonds Unlocked II

Axel Rudi Pell

Sollte dieses Cover-Album also „nur“ eine Art Übergang zur nächsten Studioproduktion sein, ist es aber ein verdammt guter geworden!

Langeweile im Lockdown? Nicht bei AXEL RUDI PELL! Nach seinem letztjährigen Top 5-Album „Sign Of The Times“ veröffentlichte der deutsche Hardrock-Gitarrist am 30. Juli mit „Diamonds Unlocked II“ die Fortsetzung seines ersten Coveralbums von 2007. Die Entscheidung, erstmals seit Jahren kein neues Material auf den Markt zu bringen, ist bei der laufenden Pandemie und den Auftrittsbeschränkungen mehr als nachzuvollziehen. Denn, so der 61-Jährige, „es ergibt keinen Sinn, brandneue Songs herauszubringen, die man nicht live spielen darf.“ Sollte dieses Album also „nur“ eine Art Übergang zum nächsten sein, ist es aber ein verdammt guter geworden! „Diamonds Unlocked II“ schwirrte dem Gitarristen übrigens schon seit zwei, drei Jahren im Kopf herum; die derzeitige, covid-19-bedingte Schwemme an Coverversionen, die im Netz kursieren, hat er zur Kenntnis, aber auch als Anreiz genommen. Denn natürlich kommt es auf die Auswahl – die ist durchaus überraschend – und vor allem die individuelle Umsetzung an – aber das ist ihm und seiner Band voll gelungen. Neben Pell waren noch Johnny Gioeli (Lead and Backing Vocal), Ferdy Doernberg (Keyboards), Volker Krawczak (Bass) und Bobby Rondinelli (Drums) an den Aufnahmen beteiligt. „Ohne uns auf die Schulter klopfen zu wollen, aber man kann das Album sehr gut am Stück durchhören.“ Nachspielen kann jeder, Sinn und Zweck eines Coveralbums jedoch sollte Spaß sein. Unterhaltung und Inspiration in einem, quasi ein tongewordener Algorithmus, nach dem man vielleicht die Originalversionen oder sogar die Gesamtwerke der vertretenen Künstler noch einmal hören möchte. Los geht es mit einem ARP-typischen Intro „Der Schwarze Abt“, der einzigen Eigenkomposition: „Ich mag Intros, die einen in die Atmosphäre des Albums hineinziehen.“ Der würdige Opener ist Sammy Hagars „There’s Only One Way To Rock” (1982), „ein perfekter Song“, bei dessen Solopart sich ARP allerdings an der späteren Van Halen-Liveversion mit Hagar orientiert hat, indem er sich quasi mit sich selbst duelliert. Seiner Liebe zu einem anderen Gitarrenhelden namens Blackmore frönt er dann mit „Lady Of The Lake“ von „Long Live Rock’n’Roll“ (1978). „Rainbow haben den Song unverständlicherweise nie live gespielt, wir haben uns an der Demo-Version der Deluxe-Auflage orientiert und ihn mit Ausflügen im typischen ARP-Stil garniert.“ Mit der Paul Anka-Komposition „She’s A Lady“ (bekannt vor allem durch Tom Jones in den Siebzigern) folgt die erste Überraschung. Die beiden Amerikaner in der Band, Sänger Johnny Gioeli und Drummer Bobby Rondinelli, sind trotz anfänglicher Skepsis mittlerweile große Fans dieser tollen Version, die balladesk beginnt und in einen straighten Rocker übergeht. Auch Geordies Semi-Hit „Black Cat Woman“ (1973) wurde einer Rosskur unterzogen, brilliert mit neuem Elan, kombiniert mit Brian Johnsons Fassung von 1989. Tony Carey, ehemaliger Rainbow-Keyboarder, hatte 1988 mit der Ballade „Room With A View” aus der TV-Serie „Wilder Westen Inklusive“ einen Riesenhit, Pell macht ihn sich auf seine Art perfekt zu Eigen. Genau wie bei Chris Normans Hit „Sarah (You Take My Breath Away)“ (1987) gibt Pell dem Ganzen einen neuen Anstrich, auch hier sind  weniger Keyboards und mehr ARP-Drive drin. Die größte Überraschung sicherlich stellt „Rock’N’Roll Queen“ (The Subways, 2005) dar. „Ich fand den Song immer gut und habe ihn erst neulich noch im TV gehört. Wir haben den Punk etwas reduziert, die geschlechtslosen Gitarren etwas molliger und daraus eine Heavy Rock-Hymne gemacht.“ Vom Stones-Klassiker „Paint It Black“ gibt es zwar viele Versionen, aber keine hält sich an die Deep Purple-Livefassung von 1993, Blackmores letzter Tour. „Ich musste das Stück noch einmal im ARP-Stil machen, da passte die Purple-Vorlage perfekt.“ „I Put A Spell On You“ (Screamin‘ Jay Hawkins, 1956) ist das älteste Lied auf dem Album, bekannt durch die CCR-Version. „Die hat mich beeinflusst. Ich habe ein Solo ergänzt; bei dem habe ich mich von Free‘s Paul Kossoff inspirieren lassen, mein persönliches Lieblingssolo.“ Ein weiteres Highlight kommt am Schluss: Die gelungene Heavy Rock-Adaption des Abba-Klassikers „Eagle“ zeigt ARP in Höchstform und macht Lust auf das nächste Originalwerk im Frühjahr 2022. (Steamhammer/SPV) P.Ro

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