altemaelze

No guts – no glory

Molly Hatchet

Dieser Longplayer ist bereits #26 in unserer Reihe „from the vaults“, mit der Alben aus dem „Tresor“ geholt werden, wo sie in Vergessenheit geraten konnten. Mit der August-Würdigung geht’s damit in Richtung Südstaatenrock zu Molly Hatchet, die neben den Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd als die Begründer dieses Musikgenre gelten. Die 26. Vorstellung würdigt mit „No guts -no glory“ ein Album, das 1983 das Licht der Musikwelt erblickte und als eines der besten Alben der Südstaaten-Rocker zählen dürfte.

Drei Klassifizierungen fallen in praktisch jeder Story, die über Molly Hatchet veröffentlicht wurde: “hard working”, “fast living” und “tough playing”. Schließlich erarbeitete sich diese Band aus Jacksonville, Florida, schnell einen hervorragenden Ruf als excellenter Live-Act in der zweiten Hälfte der 70er Jahre – von verrauchten Nachtklubs in Florida, wo die Band herkommt, bis hin zu Shows in den riesigen Arenas. Gegründet wurde die Band 1975 und bestand damals aus Sänger Danny Joe Brown, Bassist Banner Thomas, Schlagzeuger Bruce Crump und den drei Gitarristen Dave Hlubek, Steve Holland und Duane Roland. Da sie aus der “Southern-Boogie-Schmiede” Jacksonville stammen, lehnen sich MH stark am urtpyischen Sound der Südstaaten an, bezogen ihre eigene Handschrift jedoch aus einer wesentlich härteren Gangart, bedingt durch die drei Gitarristen, als es bei dem meisten anderen Southern-Rock-Bands üblich war. Ihr Debütalbum von 1978 „Molly Hatchet“ erreichte schnell Platin-Status, die darauffolgende Platte „Flirtin’ with Disaster“ wurde noch erfolgreicher. Seitdem sind mehr als zehn weitere Studioalben erschienen, dazu einige Compilations und etliche Livealben. Zuletzt erschien 2019 mit „Battleground“ ein Live-Doppelalbum, auf dem die Band den Nachfolger für den im April 2019 verstorbenen Sänger Phil McCormack vorstellte, Jimmy Elkins. Und auch von der Urbesetzung ist inzwischen keiner mehr am Leben, die aktuelle Besetzung besteht aus Gitarrist Bobby Ingram, der seit 1987 dabei ist, und den langjährigen Bandkollegen Keyboarder John Galvin, Bassist Tim Lindsey und Schlagzeuger Shawn Beamer. Auf ein neues Studioalbum warten die Fans leider seit Jahren, zuletzt ist 2012 „Regrinding the Axes“ veröffentlicht worden, das aber mit den frühen Scheiben nicht mithalten kann. Für mich ist der fünfte Studio-Longplayer von 1983, „No Guts – no glory“, eine ihrer besten Veröffentlichungen neben den ersten beiden Alben. Und das Motto „wer nichts wagt gewinnt nichts“ passt zu diesem Album. Obwohl drei personelle Wechsel vor den Aufnahmen stattfanden, sind die Songs hier absolut gelungen. Es gab eine neue Rhythmusgruppe – von Mothers Finest kam B.B. Bordan (Drums) und Riff Wesst zupfte den Bass. Aber die größte Überraschung war die Rückkehr von Danny Joe Brown, der die Band nach dem zweiten Album gesundheitsbedingt verlassen musste. Sein Nachfolger Jay Farrar war ein guter Sänger, doch D.J. Brown „ist“ die Stimme von MH, wie Dave Hlubeck damals in einem Interview sagte. Die Musik dieses Albums entspricht dem gewohnten und bewährten MH-Schema: Die drei Leadgitarren spielen wie gewohnt wunderbar übereinander, herrliche Solis fließen ineinander, unterlegt wird alles von einer grundsoliden Rhythmusgruppe/arbeit. Und dazu die ‚Rockröhre‘ von Danny. Es fällt auf, dass die neun Songs noch mehr als früher ausgefeilt sind und alle unter einem gemeinsamen Thema stehen, dem des harten Stüdstaatenrocks, man denke nur an Titel wie „On the prowl“ oder „Unter the gun“. Höhepunkt dieses Albums ist der fast neun Minuten lange Titel „The fall oft he peacemakers“, ein Song über den Tod von John Lennon und John F. Kennedy – dieses Stück ist ein absoluter Knaller: es beginnt sehr verhalten und ruhig und steigert sich in eine herrliche Gitarrenorgie, dieser Track erinnert dabei sehr stark an „Free Bird“ von Lynyrd Skynyrd ohne wie ein Plagiat zu wirken. Gesamtfazit auch nach fast 40 Jahren – ein Album für alle, die die gute alte Rockmusik lieben und nichts mit neumodischen Sounds im Sinn haben! Auch heute noch – Klasse Musik, Klasse Songs, die die späteren MH-Alben auf die Plätze! Das war die Rückkehr zum kraftvollen Sound, der beim Debüt so vorherrschte. 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung auf Epic kam 2013 eine Neuauflage auf SPV heraus. (no.men)

 

 

Share on facebook
Share on twitter