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Hope

Marc Ribot – Ceramic Dog

Egal, was dieses Trio in der Pandemie ins Studio brachte es ist klar zu hören: „Wir waren so glücklich, wieder zu spielen, aufzunehmen und Musik zu machen“, sagt Ribot.

Weil Marc Ribot seine Mitmusiker vom Trio Ceramic Dog – Bassist/Multiinstrumentalist Shahzad Ismaily und Drummer Ches Smith – seit Monaten covid-19-bedingt nicht mehr gespielt hatten, beschloss der Gitarrist statt Trübsal zu blasen, mit seinen Kollegen ins ‚Figure 8 Recording‘-Studio von Shahzad Ismaily in Brooklyn zu gehen, und das aufzunehmen, was zu „Hope“ werden sollte. Aufgrund der angegriffenen Gesundheit des Bassisen, legte sich die Band besondere Regeln zu -sie betraten das Studio getrennt, saßen in separaten, isolierten Räumen, von denen aus sie sich nicht sehen konnten, und kommunizierten über Mikrofone und Kopfhörer.“ Dazu Ribot: „Wir haben darauf geachtet, uns die Hände zu waschen: Einer von uns hat Probleme mit den Atemwegen, also hätte es schlimm ausgehen können, wenn wir uns die Hände verbrannt hätten. Am Ende hatten wir Material im Wert von zwei Platten, von denen einige im Oktober auf der EP ‚What I Did on My Long Vacation‘ auf Bandcamp veröffentlicht wurden, und der Großteil der Musik hier auf dieser CD in voller Länge.“ Das Trio nahm acht Originale auf, die die Unsicherheit dieser Zeit widerspiegeln und setzte den Schlusspunkt mit einer Neuinterpretation von Donovans „Wear your love like heaven“, ein idealistisches Psycho-Folk-Stück, das das Trio in ein nachdenkliches Spoken-Word-Stück wandelte. „Wanna“, ein Stück des neuen Longplayers, zeigt einfach die unermessliche Freude der Band, wieder R’n’R spielen zu können. Aber in einigen Songs, wie „B Flat Ontology“ lässt Ribot seine minimalistischen Erzählkünste spielen, um die Langeweile des Lebens in dieser Zeit zu skizzieren -eine Art von Sinnlosigkeit, die weit über Existenzialismus hinausgeht. „Meine ‚no-Wave‘-Wurzeln kommen zum Vorschein“, sagt Ribot über das Stück „They met in the middle“, eine Melodie, die pulsiert und schlurft und von dem externen Beitrags des Altsaxophonisten Darius Jones profitiert. Neben dem waren noch die Cellisten Rubin Khadeli und Gyda Valtysdottir im Studio, sowie Syd Straw für Backing Vocals. Mit den letzten zwei Stücken, den Instrumentals „The long goodbye“ und „Maple Leaf Rage“, gibt es einen Gegenpol zu den anderen Songs. „Ich glaube, Marc hat eine malerische Art und folgt seiner Intuition, um zu entscheiden, ob wir nach lyrischen, textbasierten Songs einen instrumentalen Moment brauchen oder nicht“ sagt dazu Ismaily. Doch egal, was dieses Trio in der Pandemie ins Studio brachte ist klar zu hören: „Wir waren so glücklich, wieder zu spielen, aufzunehmen und Musik zu machen“, sagt Ribot. „In zukünftigen Zeiten, wenn die Leute auf das letzte Jahr zurückblicken, werden sie es nicht glauben. Aber diese Platte war uns Zeugnis..und unsere Lebenslinie“. (Enja/Yellowbird) P.Ro

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