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Franziska Eberl Quintett

Kritik zum Konzert am 8. Juli im Leeren Beutel in Regensburg

Franzjazzca – in vielen Sprachen zuhause!

Franziska Eberl stammt zwar aus einem kleinen Dorf im Landkreis Eichstätt. Wirklich zu Hause aber ist die Sängerin und Bandleaderin in den vielen Sprachen des Jazz. Sie selbst bezeichnet das ebenso gewitzt wie gewandt als „multilingual“. Hier auf der Bühne im Leeren Beutel, da eröffnet sie, begleitet von ihren vier musikalischen Partnern, in englischer Sprache. Und bedient sich damit also nicht nur der Lingua Franca des Jazz, sondern vermittelt zugleich mit der an Songbook-Klassiker gemahnenden Eigenkomposition „Notebook“ eine Aromaprobe ihres Album. Das konnte sie im letzten Frühjahr unter eben diesem Titel gerade noch veröffentlichen. Bis dann der Fullstop kam, den Corona setzte.

Auch dieser Konzertabend im Jazzclub, er steht noch immer unterm Pandemie-Stern: Denn eigentlich hätte der Gig schon vor einem dreiviertel Jahr stattfinden sollen, Anfang November. Aber weil die Dinge nun mal so sind, wie sie sich in den letzten Monaten gestalteten, deshalb erklingt der fantastische, mit wunderbarem Scatgesang angereicherte „Kangaroo Samba“ nunmehr an einem verregneten Donnerstagabend im Sommer statt im Herbst. Mit dem ebenfalls aus eigenem Anbau stammenden „Feijão“ – was wohl so viel wie „Bohneneintopf“ heißt – bleibt sie in Brasilien hängen. Wechselt aber nunmehr das Sprachregister und damit hinüber ins Portugiesische. Und vermittelt so nicht nur eine Kostprobe ihrer Vielseitigkeit, sondern auch eine Ahnung davon, wie gut sie zugehört hat, bei Antônio Carlos Jobim oder João Gilberto (dessen „Bolinha de Papel“ sie ebenfalls covert).

Der darauf folgende Wechsel ins Hochdeutsche mit „Scherben meines Glücks“ ist sprachlich sicher der Anspruchsvollste und Gewagteste: Denn was sich in einer Fremdsprache noch kaschieren ließe, hinter Klangwolken und Wortgeklingel – hier zählt’s und wird Ereignis. Aber auch diesen Test besteht sie mit Bravour, die ambitionierte 26-Jährige, die auch gerne unter „Franjazzca“ firmiert, schon mal eigens in die Staaten fliegt, um an einem Workshop teilzunehmen und sich auf Instagram unter „blumenblau.poesie“ der Lyrik verschrieben hat.

Und wenn sie dann im zweiten Set auch noch im Repertoire der französischen Sängerin Cyrille Aimée wildert, deren fantastisches „Nuit blanche“ kongenial zitiert, sich selbst und ihre Band dabei zu R’n’B-Höchstleistungen motiviert, dann ist der Sprachreigen fast schon komplett. Bis aufs Wienerische: Dem sie abschließend noch authentisch huldigt, und zwar mit dem melancholischen „Kirschen ohne Kern“ von Karl Hodina.

Fazit? Die Eigenkompositionen fügen sich allesamt nahtlos ins Programm. Und: Die Band steht ihrer Chefin in puncto Wandlungsfähigkeit in nichts nach. Nico Graz glänzt am Saxophon und seiner Accordina (aber das ist schon wieder ein eigene Geschichte!). Andreas Köckerbauer lässt seine Finger rasen wie einst Eddie van Halen. Und Bassist Frank Wittich und Drummer Nico Rödl sorgen verlässlich für Taktwechsel. Und wissen auch, wie man Improvisation buchstabiert. Fast schon multifunktional. (Peter Geiger)

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