altemaelze

The Wind Cries Mary

Claus Boesser-Ferrari

Er hat seinen Hendrix bis auf dessen DNS zerlegt und mit eigenem autonomen und freigeistigen Vokabular liebe- und respektvoll neu geformt.

Er hat schon einmal Hendrix-Stücke für ein Album aufgenommen – 2003 für „Nachmittag eines Fauns, zusammen mit Hans Reffert. Klassiker wie „The wind cries Mary“, „Hey Joe“ oder „Little Wing“. In einer Kritik war dazu zu lesen: ,,Gitarristische Streifzüge durch ungewohntes Klangterrain. Geräusche, frei improvisierte Passagen und Traditionelles mischen die Freidenker Boesser-Ferrari und Reffert in unnachahmlicher Weise.” Jetzt hat Boesser-Ferrari, ein international gefeierter Gitarrist mit seiner kompromisslosen Freistilmusik zwischen Avantgarde und Jazz, Pop und Folk, sich nochmal Hendrix-Stücke vorgenommen, diesmal gleich für ein ganzes Album. In einer Info zu den Aufnahmen schreibt er: „Der Auftritt von Jimi Hendrix im ‚Beat Club‘ 1967 hat mich zunächst aus der Bahn geworfen. Ich hatte als Gitarren-Band-Einsteiger das deutliche Gefühl, dass es hier um weit mehr als um Musik ging. Das war nicht einfach ein Konzert, das war eine Performance, die mehrere künstlerische Ebenen bediente. Und es ging unter die Gürtellinie – ums Leben. Was sich bei mir im Hinterkopf damals schon anbahnte: Wenn mich etwas haltbar faszinieren soll an künstlerischen Absonderungen, muss ich mich daran reiben können – eine Annäherung muss Zeit brauchen und ist eine nie endende Wanderung.“ Und jetzt ist er bereit dazu – Boesser-Ferrari nähert sich diesem Material auf unnachahmliche und eigenständige Art und Weise an, die sich sicher von den vielen Tribute-to-Hendrix-Aufnahmen völlig abhebt. Er hat seinen Hendrix bis auf dessen DNS zerlegt und mit eigenem autonomen und freigeistigen Vokabular liebe- und respektvoll neu geformt. Mit einem Arsenal an verschiedenen Akustikgitarren (7-String-Bariton, 12-String, 6-String, 8-String) hat Claus Boesser-Ferrari den Hendrix-Kosmos mit diesen Einspielungen um neue Farben erweitert. Diese Aufnahmen sind keine Huldigungen des einen Gitarristen an den anderen, kein „Tribute to…“, sondern, wie Boesser-Ferrari schreibt: „Ein biographischer Blick auf zentrale Stationen meiner eigenen (nicht nur musikalischen) Subjektwerdung“. Ist wahrlich keine leichte Kost, wie hier Songs wie „Hey Joe“, „All along the watchtower“, „Fire“ oder „Third stone from the sun“ rein instrumental interpretiert werden, aber das ist irgendwie faszinierend. Boesser-Ferrari schreibt auch zum Schluss: „Den Hendrix-Gralshütern, die mich für diese Versionen von Herzen hassen werden, wünsche ich jetzt schon gute Besserung.“ Recht hat er! (Acoustic Music Records) P.Ro

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