powerconcerts
turmtheater

No Nonsense Band

Kritik zum Konzert am 1. Juli im Leeren Beutel in Regensburg

Wie in den Goldenen Zwanzigern: Jumpin‘ und Jivin‘ im Leeren Beutel

„Gefühlt 100 Jahre“ seien vergangen, seit er zuletzt Live-Publikum begrüßen habe dürfen, hier im Regensburger Leeren Beutel. Jazzclub-Vorstand Bernhard Lindner freut sich sichtlich – und will damit zum Ausdruck bringen, wie sehr sich für ihn als Veranstalter die pandemiebedingte Ruhephase hingezogen hat, seit letztem Herbst. Dass die Musik, die die No Nonsense Band an diesem Abend performt, tatsächlich bereits ein Jahrhundert auf dem Buckel hat, zeigt, wie relativ Zeitangaben sein können. Denn während ein knappes dreiviertel Jahr Passivität die Dimension einer nicht enden wollenden Periode annehmen kann, so frisch, lebendig und jung ist der Sound, den das Quartett mit seinen drei Bläsern und dem Bassisten, ergänzt um grandiose Gesangsstimmen, hier live auf der Bühne präsentiert.

Die Stimmung des Jazz Age vermögen die vier an der Hochschule für Musik in Würzburg bei Posaunenprofessor Richard Roblee ausgebildeten Musiker in erstklassiger Weise zu transportieren, und erinnern dabei an den grandiosen Joe Jackson. Der hatte in den frühen 1980er Jahren schon sein höchst persönliches Jazz-Revival ausgerufen – und mitten in die ausrollende New Wave des Post-Punk mit „Jumpin’ Jive“ eine an Hommage Bop und Swing vorgelegt, die einer damals im Neonlicht und Synthie-Sound zu ersticken drohenden Großstadtjugend neues Leben einhauchte – und zwar aus den Music-Halls in Chicago und New York City.

Die No Nonsense Band meint es ihrerseits sehr ernst, mit ihrer Art der Re-Inszenierung einer Epoche. Da ist Nadine Winziers (sie trägt ein stilechtes Kleid und Federn im Haar – als käme sie schnurstracks aus einer Music-Hall in Chicago) am Tenorsax, die nicht nur mit ihren gespielt naiven Ansagen überzeugt, sondern als Teamplayerin wie auch als Solistin begeistert. Überhaupt: Die drei Bläser – auch sie tragen historisch Verbürgtes, nämlich weite Hosen, Westchen und schön schief sitzende Schlägermützen – scheinen ihr Vorbild beim ebenfalls in den 1920er Jahren gefeierten Bahnradsport gefunden zu haben.

Wie beim belgischen Kreisel wechseln sie sich ab: Mal erledigt Bandleader Peter Thoma (der nicht nur ein grandioser Vokalist ist, sondern auch das Uni Jazz Orchester leitet) am Sopransax die Führungsarbeit, dann wieder Trompeter Benedikt Schaut. Der nicht solierende Rest tritt zurück ins Glied und liefert jeweils aus dem Windschatten heraus das rhythmische Korsett, für die fein arrangierten Interpretationen, unterstützt von dem stets präsenten Felix Himmler am Kontrabass.

All das begeistert das Premieren-Publikum im Leeren Beutel und wiegt es einen Abend lang in der relativen Gewissheit, dass Livemusik die Macht hat, auch den Abstand von einhundert Jahren ungeschehen zu machen. Gewissermaßen im Handumdrehen. (Peter Geiger)

Fotokredit: PeG

 

Share on facebook
Share on twitter